Neues Umweltprogramm der EU-Kommission Europa soll zurück zur Natur finden

Mehr grüne Städte, Moore und Bäume sollen Europa grüner machen und die Lebensqualität der Bürgerinnen verbessern. Dazu gehört laut der EU-Kommission auch die drastische Senkung des Pestizidverbrauchs.
Wieder vernässtes Hochmoor im Tensfelder Moor zwischen Blunk und Tensfeld (Schleswig-Holstein)

Wieder vernässtes Hochmoor im Tensfelder Moor zwischen Blunk und Tensfeld (Schleswig-Holstein)

Foto: IMAGO/C. Kaiser / blickwinkel / IMAGO

Die EU-Kommission hat am Mittwochmittag ein umfassendes Paket für mehr Umwelt- und Klimaschutz vorgelegt und zahlreiche Maßnahmen angekündigt, um natürliche Lebensräumen wiederherzustellen. Konkret sollen etwa trockengelegte Moore wieder vernässt und Wälder aufgeforstet werden.

Die Renaturierung von Feuchtgebieten, Flüssen, Wäldern, Ökosystemen in Meeren, aber auch Natur im städtischen Raum sei eine entscheidende Investition in Ernährungssicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden, teilte die Brüsseler Behörde mit. Rund 80 Prozent der europäischen Lebensräume befänden sich in einem schlechten Zustand, hieß es. Nach neuesten Eurostat-Daten gibt es auch einen Rückgang an Biodiversität und eine Verschlechterung der Bodenqualität. Diese Entwicklung soll nun durch rechtlich verbindliche Vorgaben gestoppt werden.

Die Vorschläge sind auch Teil des Green Deals, mit dem die EU bis 2050 klimaneutral werden will. Dabei geht es auch um den Umbau der Landwirtschaft. So stammen rund zehn Prozent des in der Union ausgestoßenen Klimagases CO₂ aus dem Sektor. Konkret soll deshalb eine gesunde und umweltfreundliche Ernährung gefördert werden.

Die EU-Kommission sprach sich deshalb dafür aus, die Nutzung von Pestiziden bis 2030 zu halbieren. Das Ziel war bereits 2020 vorgestellt worden, nun erläutert die Kommission genauer, wie dies gelingen soll.

Keine Pestizide mehr auf Spielplätzen und in städtischen Parks

Besonders auf Spiel- oder Sportplätzen oder in städtischen Parks sollen die Chemikalien danach tabu sein. »Wir verbieten Pestizide nicht«, so die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides in Brüssel. »Wir wollen sie durch sichere und nachhaltige Alternativen ersetzen.« Pestizide würden damit zum »Mittel der letzten Wahl«.

Pflanzenschutzmittel auf dem Acker

Pflanzenschutzmittel auf dem Acker

Foto: Jochen Tack / IMAGO

Wie stark die Mitgliedsländer ihren Pestizideinsatz senken, sollen sie jeweils selbst aufgrund europaweit gültiger Kriterien festlegen. Bei den Pestizidvorgaben sollen Unterschiede zwischen den EU-Ländern berücksichtigt werden. Staaten, die schon jetzt strenge Regeln haben, müssten den Verbrauch weniger reduzieren als jene, die viele Pestizide einsetzen. Die Untergrenze liege bei einer Reduzierung von 35 Prozent, sagte eine hochrangige Mitarbeiterin der EU-Kommission. Die Behörde behalte sich vor, einzugreifen, wenn ein nationales Ziel nicht ehrgeizig genug sei.

Umweltorganisationen begrüßten den Vorstoß. »Der Vorschlag zum Pestizidrecht ist ein Schritt in die richtige Richtung«, erklärt Antje von Broock, BUND-Geschäftsführerin. »Dazu gehören quantitative Reduktionsziele und Zonen, in denen keinerlei chemisch-synthetische Pestizide mehr ausgebracht werden dürfen. Zu diesen Zonen zählen zum Beispiel Städte, aber auch Schutzgebiete wie das Natura 2000-Netzwerk.«

Der Verordnungsvorschlag geht nun an die EU-Länder und das Europaparlament. Agrarstaaten wie Frankreich und Italien warnen bereits jetzt vor Risiken für die Lebensmittelversorgung.

sug/dpa/AFP