Satellitenbild der Woche Das Geheimnis der türkisfarbenen Seen

Neuseeland ist für seine atemberaubende Natur weltberühmt. Auffallend sind auch die Farben vieler Seen, wie ein Satellitenbild zeigt. Was hat es mit dem türkisfarbenen Wasser auf sich?
Lake Tekapo in Neuseeland: Reflektiert werden nur Blau- und Grüntöne

Lake Tekapo in Neuseeland: Reflektiert werden nur Blau- und Grüntöne

Foto: NASA

Sechs Seen, zwei grundverschiedene Farbtöne. Die Gewässer Neuseelands faszinieren Besucher auch durch ihre ungewöhnliche Farbe. Die vier Seen Pukaki, Tekapo, Ohau und Benmore auf der Südinsel erscheinen in strahlendem Türkis. Täglich stehen Besucher am Ufer und staunen.

Nicht allzu weit entfernt liegen Lake Hawea und Lake Wanaka. Sie sind nicht weniger schön, im Gegensatz zu den anderen vier jedoch tiefblau, wie ein Echtfarbenbild der Nasa vom 1. Mai 2019 zeigt (unten).

Die Farbe entsteht durch das Flusswasser, das in die Seen fließt, berichtet die Nasa . Die türkisfarbenen Gewässer werden von Flüssen aus Gletschergebieten gespeist. Die großen, aktiven Gletscher rollen oberhalb der Seen wie Bulldozer über Fels und zermahlen den Untergrund zu Pulver. Schmelzwasser schwemmt die feinen Lehm- und Tonpartikel in die Flüsse, die es schließlich in die Seen transportieren.

Türkise Seen Tekapo, Pukaki, Ohau und Benmore (Bildmitte)

Türkise Seen Tekapo, Pukaki, Ohau und Benmore (Bildmitte)

Foto: NASA

Durch ihr geringes Gewicht schweben die feinen Partikel im Seewasser und sinken nur sehr langsam auf Grund. Trifft nun Sonnenlicht auf den See, absorbieren die feinen Partikel das kurzwellige Licht, was den Farben Violett und Indigoblau entspricht. Gleichzeitig verschluckt das Wasser längerwelliges Licht, also Rot-, Orange- und Gelbtöne. Das Auge erreichen hauptsächlich Varianten von Blau und Grün. Das Wasser erscheint türkis.

Pflanzenteile verdunkeln Lake Wanaka

Ein Bild des bei Urlaubern beliebten Lake Tekapo, die der Nasa-Satellit "Landsat 8" am 12. Mai 2019 gemacht hat, zeigt das Phänomen aus der Nähe (ganz oben). Zum Zeitpunkt der Aufnahme, floss gerade mit winzigen Teilchen beladenes Wasser aus dem Godley River in das Nordende des Sees. Der Fluss enthält Schmelzwasser von gleich drei Gletschern. Wo das Wasser den See erreicht, erscheint er grün.

Der benachbarte Lake Pukaki erhält über den Tasman River feine Partikel von zwei Gletschern. Auch er ist türkis.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Foto: Joshua Stevens/ NASA

Im Gegensatz dazu sind Lake Hawea und Lake Wanaka ungewöhnlich dunkelblau. Das liegt daran, dass sie von reicher Vegetation umgeben sind. Bäume und Sträucher erzeugen organische Substanzen, die sich im Wasser lösen und es verdunkeln. Die Umgebung ist somit entscheidend für die Farbe eines Sees.

Strahlend blaue Seen gibt es vor allem in kaum besiedelten, bergigen Regionen, berichten Forscher nach einer Analyse von knapp 2500 Seen in Neuseeland . Einen Gelbstich erhält das Wasser in Waldgebieten, wo besonders viele organische Partikel darin treiben. Seen mit grünem oder grüngelbem Wasser fanden die Wissenschaftler vor allem in landwirtschaftlich geprägten Regionen. Das Grün entsteht dort, weil Dünger das Algenwachstum anregt.

jme