Neuseeland Lange Kindheit ließ Riesenvögel aussterben

Größe allein macht nicht immer stark. Die neuseeländischen Moas waren die größten bekannten Vögel aller Zeiten - und starben vor rund 700 Jahren aus. Zum Verhängnis wurde den sanften Riesen ihre lange Kindheit, wie sich jetzt herausstellt.


 Zoologe Richard Owen neben einem Moa-Skelett: Riesenvögel starben vor 700 Jahren aus
Zoological Society of London

Zoologe Richard Owen neben einem Moa-Skelett: Riesenvögel starben vor 700 Jahren aus

Als die Menschen vor 700 Jahren auf Neuseeland eintrafen, hatten die Moas kaum noch eine Chance, sich fortzupflanzen. Das Problem der straußenartigen Riesen war ihre bis zu zehn Jahre lange Kindheit, wie Wissenschaftler jetzt aus den Wachstumsmarken in den Knochen der Moas schließen.

Die erinnern an Baumstämme: Zersägt man sie, werden Jahresringe sichtbar. Im Rhythmus der Jahreszeiten lagerte sich das Knochenmaterial ab, je nachdem wie viel Futter die Tiere fanden. Doch den Biologen zeigen sie vor allem, wie lange die größten bekannten Vögel der Erdgeschichte brauchten, um auf ihre Körpergröße von bis zu zwei Metern zu kommen.

Ein Forscherteam um Samuel Turvey von der Zoological Society hat jetzt herausgefunden, dass ein Moa bis zu zehn Jahre lang wuchs. Das sei auch im Vergleich zu anderen ausgestorbenen Vogelrassen extrem lang, schreiben die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature". Vögel, die heute die Erde besiedeln, haben bereits nach einem Jahr ihre volle Größe erreicht. Und keiner von ihnen bildet noch Jahresringe. Das Phänomen ist heute vor allem von Tieren bekannt, die Winterschlaf halten.

Doch auch in anderen Dingen waren die Moas etwas behäbig. Mit ihren bis zu 240 Kilogramm Körpergewicht waren sie flugunfähig - und als Pflanzenfresser harmlos für jedes andere Tier. In den Weiten Neuseelands schadete ihnen das zunächst nicht. Die Riesen hatten fast keine Konkurrenz, die ihnen das Leben schwer machen konnte.

Straußenartige Riesen: Moas waren friedliche Pflanzenfresser
Zoological Society of London

Straußenartige Riesen: Moas waren friedliche Pflanzenfresser

Ihre Größe allein nutzte ihnen am Ende aber wenig. Zwar hatten die Moas nur wenige natürliche Feinde, doch diese waren umso effektiver. Darunter war ein Riesenadler mit Krallen so groß wie die eines Tigers. Der Haast-Adler griff Moas von der Seite an, packte sie mit einem Fuß am Becken und tötete die schwerfälligen Laufvögel mit einem Schlag des anderen Fußes auf den Nacken oder den Kopf. Das schließen Forscher aus Spuren an Moa-Knochen.

Als noch tödlicher erwies sich jedoch der Mensch. Als die Maoris um das Jahr 1280 nach Neuseeland kamen, dauerte es nicht lange, bis ihnen die Moas zum Opfer fielen. Durch ihre lange Jugendzeit und Behäbigkeit waren sie den Menschen hilflos ausgeliefert. Oft wurden die Jungvögel getötet, bevor sie überhaupt die Chance hatten, sich fortzupflanzen.



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