Neuseeland Mehr als hundert Wale gestrandet und verendet

Wenige Tage nach der dramatischen Wal-Strandung in Australien sind auf einer abgelegenen neuseeländischen Inselgruppe mehr als hundert Grindwale verendet. Tierschützer mussten auch acht überlebende Meeressäuger töten.


Wellington - Einwohner der abgelegenen Chatham-Inseln hatten die Behörden am Donnerstagabend alarmiert. Als Tierschützer den Mairangi-Strand erreichten, war es aber schon zu spät: Die Ebbe hatte eingesetzt, die Wale lagen völlig auf dem Trockenen und waren fast alle bereits tot.

Die Mitarbeiter fanden acht noch lebende Tiere, die für einen Rettungsversuch aber zu stark verletzt und gestresst waren. Sie mussten getötet werden, berichtete Radio Neuseeland am Freitag. Die Chatham-Inseln liegen rund 700 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Wellington. Sie haben nur 600 Einwohner. Die Umweltbehörden haben dort Schutzgebiete für bedrohte Tierarten eingerichtet.

Anfang der Woche waren an der Südwestküste Australiens mehr als 80 Wale gestrandet. Helfer konnten elf überlebende Tiere über Land in eine andere Bucht transportieren und ihnen so die Rückkehr ins Meer ermöglichen (siehe Fotostrecke). Nur einer schaffte das aber. Die anderen Tiere landeten keine 24 Stunden nach der Rettung erneut am Strand. Sie verendeten oder mussten erschossen werden.

In den vergangenen vier Monaten sind im Süden Australiens und auf der Insel Tasmanien mehr als 400 Wale gestrandet. Anfang des Monats schleppten Tierschützer an der Küste von King Island 54 gestrandete Grindwale zurück ins Wasser, für fast 150 Tiere kam jede Hilfe zu spät.

Warum es Meeressäuger immer wieder an die Strände zieht, wo sie oft kläglich verenden, hat die Wissenschaft noch nicht klären können. Als eine mögliche Ursache gelten Störungen im Orientierungssinn der Meeressäuger durch Sonar-Lärm von Kriegsschiffen.

Eine andere Theorie ist, dass sie Beute ins seichte Wasser hinterher jagen. Nach Angaben der australischen Meeresforscherin Karen Evans steigt die Zahl der Strandungen in Südostaustralien alle zehn Jahre, wenn die Süd- und Westwinde besonders stark sind und nahrungsreiche Gewässer in Küstennähe drücken.

chs/dpa



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