Invasive Arten in Neuseeland Pfauenplage nervt Landwirte

In Neuseeland haben sich ausgewilderte Pfauen stark vermehrt, fressen Felder und Weideland kahl. Und die cleveren Tiere entziehen sich standhaft der Dezimierung durch Jäger.
Pfau in einem Nationalpark in Indien (Archivfoto)

Pfau in einem Nationalpark in Indien (Archivfoto)

Foto: guenterguni / Getty Images

Pfauen sind für ihre Schönheit und Anmut bekannt. Dafür wurden sie schon in der Antike geschätzt – sie gelten als die ältesten Ziervögel überhaupt. Aber in Neuseeland dürften gerade Landwirte derzeit kein Auge für die Eleganz der Tiere haben. Denn Pfauen sind auf dem Inselstaat zur Plage geworden. Sie zerstören Felder und fressen Weideland kahl.

Der Blaue Pfau (Pavo cristatus) stammt eigentlich vom indischen Subkontinent, wo er in den Urwäldern lebt. Aber als Ziervogel landete er auch in Neuseeland. Manche Tiere gelangten irgendwie in die Freiheit, wo sie sich sprunghaft vermehrten. Nach Angaben der Ornithologischen Gesellschaft Neuseelands hat sich der Pfau mit seiner Vorliebe für raue und wilde Lebensräume vor allem auf Neuseelands Nordinsel ausgebreitet, wie der "Guardian"  berichtet. Er ist aber auch in Teilen der Südinsel nachgewiesen.

Dass sich die Tiere stark ausbreiten konnten, liegt auch an der geringeren Zahl ihrer natürlichen Feinde wie Opossums, Frettchen, Hermeline und Ratten. Die Bestände dieser Tiere sind zurückgegangen, besonders Ratten wurden systematisch gejagt, weil sie Neuseelands einzigartiger Vogelwelt zu Leibe rückten.

"Als es noch viele Raubtiere gab, waren Pfauen überhaupt kein Problem. Aber jetzt haben sie kaum noch Feinde und viel zu fressen", sagte Grant Adkins, Sprecher der Federated Farmers, eines Landwirtschaftsverbandes in der Region. "Pfauen lieben Roggengras, Mais und Klee. Sie wandern gern umher und fressen die frischen, grünen Triebe und Feldfrüchte", zitiert der "Guardian"  den Landwirt. Adkins schätzt die Zahl der Pfauen in seinem Distrikt auf Tausende. Nach Angaben der Vogelschutzseite "New Zealand Birds Online" wurden schon bis zu hundert Vögel auf einem einzigen Feld  gesichtet.

Laut den Bauern haben die Behörden kein Interesse daran, die Populationen zu kontrollieren. Adkins hatte deshalb schon 2018 in einem Gastbeitrag für die Zeitung "New Zealand Herald"  Konsequenzen gefordert, um Ernten und Weideflächen zu schützen. Aber dem "Guardian"-Bericht zufolge bestätigte das Naturschutzministerium, dass Pfauen bisher kein bedeutendes Thema seien. Stattdessen habe man sich darauf konzentriert, Schädlinge wie Opossums und Ratten zu bekämpfen.

Die neuseeländische Regierung hat sich verpflichtet, invasive Arten wie Ratten, Hermeline und Opossums bis 2050 vollständig auszurotten. Der Fang dieser Tiere ist populär geworden und wird gefördert. Eine Bar auf dem Campus der Universität in Wellington versprach beispielsweise allen Studierenden ein Bier, die eine tote Ratte vorlegten.

Pfauen sind schlau und lernen schnell

Die Landwirte haben in den vergangenen Jahren selbst versucht, die Pfauenpopulation durch Abschuss zu dezimieren. Aber die Vögel sind clever und dafür bekannt, dass sie in freier Wildbahn sehr vorsichtig agieren. Sie lernten schnell, genügend Abstand zu Menschen zu halten.

Dem Ornithologen Tony Beauchamp zufolge sind Neuseelands verwilderte Pfauen weltweit ein seltenes Phänomen, das schon länger bekannt ist. Bereits vor Jahren berichteten Medien in Neuseeland über Tiere, die in großer Zahl durch Siedlungen in einem Vorort von Auckland  spazierten und Chaos anrichteten. Sie kamen aus nahegelegenen Grünanlagen und hinterließen ihren Kot auf Straßen und Vorgärten.

Um das Problem anzugehen, brauche man aber mehr Erkenntnisse über das Verhalten der Tiere in Freiheit, glauben Experten. Nur so könne man wirkungsvolle Strategien zur Eindämmung der Plage entwickeln. Das Wissen ist spärlich, da die Vögel bevorzugt in wilden und abgelegenen Regionen des Landes leben.

joe
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