Umweltprobleme in Neuseeland Paradies vor dem Kollaps

Neuseeland ist berühmt für seine einmalige Naturlandschaft. Doch der Inselstaat kämpft mit massiven ökologischen Problemen. Ein neuer Bericht zeigt: Viele heimische Arten sind vom Aussterben bedroht.

Im Norden der Südinsel von Neuseeland liegt die Landschaft von Marlborough Sounds.
Mathias Ortmann/ Getty Images

Im Norden der Südinsel von Neuseeland liegt die Landschaft von Marlborough Sounds.


Wohl kaum einer Nation ist es gelungen, ihre üppige Natur so gut zum touristischen Marketinginstrument zu machen wie Neuseeland. Das Land ist spätestens seit den spektakulären Luftbildern aus der Fantasy-Saga "Herr der Ringe" zum Traumziel von Wanderern und anderen Naturbegeisterten geworden. Jährlich lassen sich Touristen aus aller Welt von Gletschern, Bergen, Seen, Wäldern und Stränden beeindrucken.

Dass dieses Paradies in Gefahr ist, zeigt nun ein Bericht des neuseeländischen Umweltministeriums und Statistikbüros. Laut dem "Environment Aotearoa 2019"-Report werden Artensterben und verschmutzte Gewässer immer mehr zum Problem. Zu den größten Bedrohungen gehören die Ausbreitung der Milchwirtschaft und die Zunahme von Siedlungsflächen.

Seit der Besiedlung des Inselstaats im südlichen Pazifik durch den Menschen vor etwa 800 Jahren seien bereits 75 Tier- und Pflanzenarten ausgestorben, heißt es. Eingeschleppte Ratten und Wiesel haben teils erhebliche Schäden im Ökosystem angerichtet. Beispielsweise fraßen sie das Gelege von Vögeln. 90 Prozent der Seevögel und 80 Prozent der Küstenvögel sind bedroht.

Zwar habe sich in den letzten zehn Jahren das Aussterberisiko für 26 Tierarten verringert. Aber in den letzten 15 Jahren hat es sich bei 86 Arten erhöht. Insgesamt seien fast 4000 heimische Arten vom Aussterben bedroht. Das ganze Ausmaß lasse sich aber nicht abschätzen, da viele Tierarten auf den abgelegenen Insel immer noch nicht identifiziert und registriert sind.

"Neuseeland verliert Arten und Ökosysteme schneller als fast jedes andere Land", sagte Kevin Hague von der Naturschutzgruppe Forest and Bird dem "Guardian". Gleichzeitig kritisiert die Organisation, dass offensichtliche Umweltprobleme jahrelang ignoriert und verschleppt wurden.

Dramatisch ist auch die Entwicklung der Fläche. Einst waren 80 Prozent der beiden Hauptinseln sowie die mehr als 700 kleineren von Wald überzogen. 2012 waren es nur noch etwa 25 Prozent. Immer mehr natürliche Fläche werde zudem für die Landwirtschaft oder für Siedlungen gebraucht. Innerhalb von sechs Jahren sind 70.000 Hektar bisher weitgehend unberührter Areale verschwunden.

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Ähnlich wie auch in Deutschland führt eine Überdüngung der Anbauflächen zu schlechterer Gewässerqualität. 57 Prozent der überwachten Seen seien in einem miserablen Zustand. Immerhin versprach Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern während ihres Wahlkampfs, Flüsse und Seen zukünftig besser schützen zu wollen.

Die Ausdehnung von Milch- und Viehwirtschaft führt zudem zu einer schlechteren Klimabilanz. Das von Kühen ausgestoßene Methangas begünstige den globalen Klimawandel. Die Folgen wie etwa ein erhöhter Meeresspiegel und höhere Wassertemperaturen seien bereits messbar.

Deshalb müsste mehr getan werden, um Emissionen zu senken, sagte James Shaw, der in Neuseeland Minister für Klimawandel ist. Bis 2050 will das Land klimaneutral werden. "Wenn Neuseeland mit all seinen Vorteilen seine Umweltprobleme nicht überwinden kann, wird es die Welt auch nicht tun", so Umweltminister David Parker.

joe



insgesamt 18 Beiträge
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permissiveactionlink 18.04.2019
1. Placentalia bzw. Eutheria,
die plazentalen oder echten Säugetiere, haben mit zwei besonderen Ausnahmen nichts auf dem Land der weißen Wolke (Aotearoa) verloren, genausowenig wie übrigens auch Beuteltiere (Marsupialia, Metatheria) oder Kloakentiere (Monotremata bzw. Protheria). Mit der Ankunft von Säugetieren begann eigentlich erst die ökologische Katastrophe für die endemische Tierwelt Neuseelands, eingeleitet von den polynesischen Vorfahren der Maori bis zu den britischen Auswanderern, die nahezu alles mitbrachten, was für die heimische Tierwelt höchst gefährlich ist : Katzen, Marder, Füchse, Hunde, Wiesel. Ratten hatten schon die Maori vor 700 Jahren mitgebracht. Die Maori verzehrten nach Ankunft restlos alle Moas (there's no moa...) und brachten den größten Raubvogel aller Zeiten (Harpaghornis) zum Aussterben. Die auf Neuseeland heimischen Vögel (Kakapo, Kea, Kaka, Kiwi, Rallenarten usw.) sind zum großen Teil bodenbrütend, und hatten den mitgebrachten Raubtieren keine Verteidigungsstrategien entgegenzusetzen. Auch von den beiden einzigen Säugerarten (große und kleine Neuseelandfledermaus, Mystacinidae) wurde die größere bereits ausgerottet. Beide Arten sind/waren einzigartig durch ihre Jagd am Boden im Unterholz auf allen Vieren, wobei sie sogar Bestäuberaufgaben für eine Art aus einer Pflanzenordnung übernahmen, die nun auch stark gefährdet ist : die Kolbenschmarotzergewächse, Balanophoraceae, Dactylanthus taylorii. Und ein weiterer Säugetier-Einwanderer macht Neuseeland zu schaffen : Der Fuchskusu, ein Beuteltier, das aus Australien eingeschleppt wurde. Landraub und die üblichen Folgen intensiver Landwirtschaft geben der heimischen Tierwelt dann zusammen mit eingeschleppten Wespen endgültig den Rest.
widower+2 18.04.2019
2. @permissiveactionlink
Danke für den informativen Überblick, der allerdings einen Fehler enthält. Moas waren reine Pflanzenfresser und somit keine Raubvögel.
MusaNana 18.04.2019
3. Raubvogel
@widower+2 Der Raubvogel bezog sich auf den Harpagornis, auf deutsch Haastadler. Die haben auch Moas gejagt und sind mit ihnen verschwunden.
Espresso in Würzburg 18.04.2019
4. Neuseeländer waren noch nie...
Besonders umweltbewusst. Ich habe in den 90 er Jahren dort gelebt... eine. Damals gab es so gut wie kein Motoröl Recycling... der geneigte Grundbesitzer hat es einfach auf seine Schotterstraße gekippt, weil die dann nicht so sehr staubt... das Land hat nur den grünen Punkt, weil dort in etwa die Bevölkerung von Berlin auf der Fläche der alten BRD lebt...
rudolfsikorsky 18.04.2019
5.
Neuseeland ist kein Paradies. Neuseeland sieht von oben betrachtet aus wie England. Hecken und Wiesen.Die Wälder grossflächig abgeholzt. Das ist eine vollkommen andere Welt als die die noch James Cook vorgefunden hat. Selbst der übelste raubeinige Matrose war damals hingerissen vom unglaublichen Konzert der Singvögel das man vom Deck des Schiffes aus hören konnte. Dieses Konzert ist schon lange für alle Zeit verstummt. Ich konnte noch nie verstehen warum alle so von Neuseeland schwärmen.
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