Niederlande Fischer fangen Schweinswal mit zwei Köpfen

Ein Körper, zwei Köpfe: Es war ein bizarrer Fang, den niederländische Fischer kürzlich aus dem Wasser zogen. Forscher haben den Meeressäuger nun untersucht - auch wenn ihnen etwas Entscheidendes fehlte.

Henk Tanis

Fans der "Simpsons" erinnern sich vielleicht noch. Es gibt da diese Klassikerfolge, "Frische Fische mit drei Augen" heißt sie. Sie stammt aus der zweiten Staffel und berichtet davon, wie Bart in der Nähe des Atomkraftwerks einen Fisch mit drei Augen angelt. Womöglich, so die Vermutung, hat die Mutation etwas mit den 324 Regelverstößen zu tun, die Inspektoren bei den Sicherheitsvorkehrungen des Meilers finden.

Ein ähnlich bizarres Meerestier - klassische ausgebildete Leser mögen sich an den römischen Gott Janus mit seinen sprichwörtlichen zwei Gesichtern erinnert fühlen - haben Fischer in den Niederlanden im Mai an Bord des Trawlers "Onderneming" befördert: einen Schweinswal mit zwei Köpfen.

Der Grund dürfte hier ein ganz natürlicher Prozess gewesen sein. Die Wissenschaftler führen das Erscheinungsbild auf eine Fehlentwicklung im Mutterleib zurück, vergleichbar mit sogenannten siamesischen Zwillingen beim Menschen. Ein Forscherteam berichtet nun im Fachjournal "Deinsea", herausgegeben vom Naturkundemuseum in Rotterdam, über den Fall.

Erwin Kompanje ist einer der drei beteiligten Wissenschaftler. "Normale Zwillinge sind sehr selten bei Meeressäugern", sagt er. "Es gibt einfach nicht genug Platz im Körper des weiblichen Tieres für mehr als einen Fötus." Noch seltener seien Fälle, wo Zwillinge an Teilen ihres Körpers verbunden blieben.

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Bisher seien erst neun solcher Fälle bei Meeressäugern bekannt, so die Forscher. Der Schweinswal ist nun der zehnte. Und während sich Wissenschaftler über die damit verbundenen neuen Informationen freuen, haben sie auch ein Problem: Die Fischer haben ihren Fang nämlich wieder ins Meer geworfen.

Das Tier sei bereits tot gewesen und die Männer an Bord des Kutters seien nicht sicher gewesen, ob sie ihren Fund hätten behalten dürfen. Also machten sie Fotos und vertrauten den Meeressäuger anschließend wieder dem Ozean an.

Aus der Analyse der Bilder können die Wissenschaftler aber immerhin einiges erkennen: So müsse das Doppelwesen noch jung gewesen sein, als es starb. Unter anderem sei der Schwanz noch nicht so versteift gewesen, dass es schwimmfähig gewesen sei, heißt es in dem Fachartikel. Auch anhand der Stellung der Rückenflosse und einer Behaarung am Kopf sei das geringe Alter erkennbar.

In der Nordsee soll es rund 345.000 Schweinswale geben. Das ist die knappe Hälfte der globalen Population. Alle ein bis zwei Jahre bringen die weiblichen Tiere Nachwuchs zur Welt - normalerweise jedoch jeweils ein Individuum.

chs

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