Gasförderung in den Niederlanden Konzerne sollen Erdbebengefahr ignoriert haben

Die Förderung von Erdgas kann Erdbeben auslösen. Energiekonzerne haben die Gefahren jedoch ignoriert, wie nun eine Untersuchungskommission in den Niederlanden berichtet. Es sei allein darum gegangen, so viel Gas wie möglich zu fördern.
Erdgasförderanlage (Archivbild): "Sicherheitsrisiken vernachlässigbar"

Erdgasförderanlage (Archivbild): "Sicherheitsrisiken vernachlässigbar"

Foto: epa pap Miroslaw Trembecki/ picture-alliance/ dpa

Die Gefahr ist schon seit Langem bekannt. Wer Gas fördert, kann die Erde zum Wackeln bringen. Spätestens seit den Neunzigerjahren kennen Geoforscher diesen Zusammenhang - doch Energiekonzerne haben die Risiken kleingeredet und ignoriert. Dies ist das Fazit eines Untersuchungsberichts, den das Dutch Safety Board nun vorgelegt hat .

Konkret ging es bei der Untersuchung um Beben in der Region Groningen. Dort befindet sich das größte Erdgasfeld in der Europäischen Union mit einer jährlichen Produktion von bis zu 40 Milliarden Kubikmetern. Beben hätten eine Stärke von bis zu 3,6 auf der Richterskala erreicht, heißt es in dem Bericht. 35.000 Häuser wurden beschädigt, die Schäden summieren sich auf schätzungsweise 6,5 Milliarden Euro.

Die Gefahren für die Anwohner seien nicht ernst genommen worden, schreiben die Gutachter. Das niederländische Wirtschaftsministerium, die staatliche Minenaufsicht und das Konsortium aus Royal Dutch Shell und Exxon Mobil hätten gemeinsam an der Maximierung der Gasförderung gearbeitet.

Senkung der Gasförderung verfügt

"Die Beteiligten haben die Sicherheitsrisiken für die Bevölkerung als vernachlässigbar erklärt", heißt es in dem Bericht. Sie hätten nicht die nötige Vorsicht walten lassen, um die Region Groningen vor Beben zu schützen.

Die niederländische Regierung hat in diesem Monat bereits eine Senkung der Gasfördermenge in der Region verfügt. Im ersten Halbjahr 2015 dürfen demnach nur noch 16,5 Milliarden Kubikmeter aus der Erde geholt werden. Bislang liegt die Halbjahresproduktion bei knapp 20 Milliarden Kubikmetern. Im Jahr 2012 wurden 57,3 Milliarden Kubikmeter exportiert, was zwölf Prozent des Gasbedarfs in Europa entspricht.

Auch in Norddeutschland haben Geoforscher bereits Erdbeben beobachtet, die wahrscheinlich auf die Erdgasförderung zurückgehen. Heftigen Streit gab es zuletzt ums Fracking. Bei dieser Fördermethode wird Flüssigkeit in den tiefen Untergrund gepresst. Gefahren drohen dabei nicht nur durch verseuchtes Trinkwasser, sondern auch durch von Fracking ausgelöste Beben.

hda/Reuters
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