Ökonom prangert klimafeindlichen Lebensstil an "Die Mehrheit lebt wie ökologische Vandalen"

Flugscham, Plastikverzicht, Demonstrationen fürs Klima: Die Bürger denken immer ökologischer. Oder nicht? Der Ökonom Niko Paech beobachtet, dass ausgerechnet jetzt die Nachfrage nach dekadentem Luxus wächst.

SUV VW Atlas Cross Sports auf der AutoMobility LA Auto Show: "Lebenslüge einer Gesellschaft"
Damian Dovarganes/ DPA

SUV VW Atlas Cross Sports auf der AutoMobility LA Auto Show: "Lebenslüge einer Gesellschaft"


Hunderttausende gehen freitags für den Klimaschutz auf die Straße, Aktivisten demonstrieren gegen den Kohleabbau und das Wort "Flugscham" findet den Weg in den allgemeinen Wortschatz. Wird die Gesellschaft also insgesamt ökologischer? Im Gegenteil, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Niko Paech.

Vor der Weltklimakonferenz bescheinigte Paech vielen Bürgern, sich über die fatalen umweltschädlichen Folgen ihres Lebensstils selbst zu täuschen. Inmitten der Klagerufe über die Klimakrise wachse ausgerechnet die Nachfrage nach dekadentem Luxus am stärksten, der einen immensen Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase mit sich bringe, sagte der Ökonom von der Universität Siegen der Nachrichtenagentur dpa.

"Das sind Kreuzfahrten, das sind SUVs, das ist der Luftverkehr, die Digitalelektronik und die Nachfrage nach noch mehr Wohnraum." Dies sei reiner Komfort, der sich nicht als Befriedigung essenzieller Grundbedürfnisse rechtfertigen lasse. "Hier offenbart sich die Lebenslüge einer Gesellschaft, deren Mehrheit meint, sie sei klimakompetent, aber lebt wie ökologische Vandalen."

Ökonom Niko Paech: "Es gibt kein Menschenrecht darauf, eine Kreuzfahrt zu buchen"
Karlheinz Schindler/ picture alliance

Ökonom Niko Paech: "Es gibt kein Menschenrecht darauf, eine Kreuzfahrt zu buchen"

"Wir haben nichts, aber auch gar nichts erreicht"

Die Uno-Klimakonferenz, die am Montag in Madrid beginnt, berät darüber, wie sich die Erderhitzung auf ein erträgliches Maß begrenzen lässt, ohne dass Ökosysteme in wenigen Jahrzehnten kollabieren.

Paech sagte, nötig sei ein radikales Umsteuern, um den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch zu senken - und zwar kurzfristig. Seit Jahrzehnten werde versucht, das Wirtschaftswachstum von Umweltschäden aller Art zu entkoppeln. "Und wir haben nichts, aber auch gar nichts erreicht."

Unabdingbar sei daher nun nicht nur eine Wirtschaft ohne Wachstum, sondern ein Rückbauprogramm. Das sei aber kein Marsch in die Askese oder ins Mittelalter, sondern könne verstanden werden als eine Befreiung vom Überfluss.

"Vordringlich ist der Rückbau einer Mobilität, die mit dekadentem Luxus korrespondiert und dabei Massen an Öl verbraucht. Es gibt kein Menschenrecht darauf, eine Kreuzfahrt zu buchen. Es gibt kein Menschenrecht darauf, Urlaub mit dem Flugzeug zu machen." Es existierten aber unendlich viele Möglichkeiten, hier in Europa Urlaub ohne Kerosin zu verbringen.

nck/dpa

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