Futter gegen Sex Das merkwürdige Fressverhalten geschlechtsreifer Flughunde zur Paarungszeit

Kurz vor der Paarungszeit teilen männliche Nilflughunde mit Weibchen bereitwillig das Futter, hatten Forscher beobachtet. Nun haben sie eine Erklärung dafür.

Nilflughunde mit Jungtieren
A. Dnilovich

Nilflughunde mit Jungtieren


Ein Nilflughund kommt selten allein: Die Fledertiere leben zu Hunderten, manchmal Tausenden in Höhlen und in der Nähe von menschlichen Behausungen; auch in der berühmten Cheops-Pyramide am Rande Kairos sollen sie einst gehaust haben. Sollte man auf eine Kolonie treffen, können sie mit einer Flügelspannweite von bis zu 60 Zentimetern durchaus einen imposanten Eindruck hinterlassen.

Zoologen um Yossi Yovel von der Tel Aviv University haben Nilflughunde (Rousettus aegyptiacus) nun untersucht, um ein eigenartiges Verhalten zu erforschen: Sie hatten beobachtet, dass sich männliche Tiere von Weibchen anstandslos das Futter aus dem Maul nehmen lassen. Warum?

Eine mögliche Antwort fanden die Forscher nun in einer Studie, die im Fachmagazin "Current Biology" veröffentlicht wurde: Offenbar gewähren die Weibchen den Männchen im Gegenzug die Möglichkeit, sich gemeinsam fortzupflanzen.

Für die Untersuchung hatten die Forscher 16 Monate lang eine Kolonie von 25 Tieren beobachtet - 15 männliche und zehn weibliche. Dabei fiel auf, dass sich die Weibchen einige Wochen vor der Paarungszeit mit mehreren Männchen Bananenstücke teilten. In den folgenden Tagen nahm dieses Verhalten zu, bis die Weibchen schließlich trächtig wurden.

Um herauszufinden, mit welchen Männchen sich die Weibchen fortgepflanzt hatten, führten die Forscher Gentests durch. Dabei stellte sich heraus: Fast immer gehörte der Vater eines Jungtiers zu der Gruppe von Männchen, die dem Muttertier Nahrung überlassen hatte. Die Weibchen pflanzen sich also häufiger mit Männchen fort, von denen sie zuvor Futter erhalten hatten.

Das werten die Forscher als Beleg für ihre Futter-gegen-Sex-Hypothese. Es gebe unterschiedliche Gründe, warum Tiere Futter teilen würden. Manchmal wird Nahrung unter Verwandten geteilt. Zudem sei es in anderen Fällen schlicht zu aufwendig, Nahrungsquellen zu verteidigen. "Aber es ist auch möglich, dass manchmal andere Gründe eine Rolle spielen, etwa Fortpflanzung", heißt es.

So könne das Teilen von Futter Wochen vor der Paarung ein Werben der Männchen um ein Weibchen sein. Zudem könnte es auch dazu dienen, den eigenen, potenziellen Nachwuchs besser zu versorgen, indem die demnächst trächtigen Weibchen gestärkt werden.

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Allerdings hat die Studie einige Einschränkungen. Die Forscher untersuchten nur wenige Tiere über recht wenige Paarungszyklen, zudem wurden sie zwar in freier Wildbahn geboren, lebten nun aber in einem Gehege. In weiteren Studien soll nun untersucht werden, ob das beobachtete Verhalten auch bei Tieren in freier Wildbahn vorzufinden ist.

Dass einige Tiere Geschlechtsverkehr teils an eine Gegenleistung knüpfen, ist schon länger bekannt. So haben Forscher etwa bei Affen beobachtet, dass sie für Fellpflege Paarungsbereitschaft signalisieren. Und von Pinguinen ist bekannt, dass sich dort einige Weibchen bereitwillig mit Männchen paaren, wenn sie von diesen Steine für den Nestbau bekommen. Viele Steine bedeuten höhere Überlebenschancen des Nachwuchses, da damit höhere Nester gebaut werden können - in denen liegen die Eier geschützter als in niedrigen.

joe



insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Hokuspokus 25.05.2019
1. Bei den höher entwickelten Primaten...
....nennt man das "Essen gehen".
Die rote Natter 25.05.2019
2. Verwechslung
"Sie hatten beobachtet, dass sich männliche Tiere von Weibchen anstandslos das Futter aus dem Maul nehmen lassen. Warum? Offenbar gewähren die Weibchen den Männchen im Gegenzug die Möglichkeit, sich gemeinsam fortzupflanzen" Ich glaube die Forscher haben Nilflughunden Menschen untersucht. Eine Neuigkeit ist das allerdings nicht.
d-m-einezeitverschwendend 26.05.2019
3. gewisse steine
"Steine zur Wunschpartnerin mitbringen bringt erfahrungsgemäß nicht viel..." Es sei denn sie bestehen aus gefaerbtem korund, hochkomprimiertem kohlenstoff etc. Das ist dann schon eher etwas fuer ein sex abonnement.
mhwse 26.05.2019
4. .. es kommt ja immer darauf an wer der Spender ist ..
im richtigen Zusammenhang reicht ein gemeinsames - am besten ungeplantes Erlebnis - wichtig dabei. mit gemeinsamem Lacherlebnis - sonst bleibt es bei der plumpen Variante - Futter gegen Sex. Diese Version hält max 5-7 Jahren, was der komplizierten Aufzucht beim Homo Sapiens (mit Problemen von Wohnung - bis ungerechtem Grundschullehrer) - nicht zuträglich ist. Nur dieses seltsame Lacherlebnis - kann - ggf. die Zeit überdauern. (ist "Mutual" wie der Ami sagt - und völlig kostenfrei.) Und hat den Vorteil - dass es nie als "Kaufargument" auf den Tisch kommt - denn es wurde weder was versprochen - noch bezahlt - noch kann jetzt von einer der Seiten ein Anspruch abgeleitet werden. (ggf. kennen das die Flughunde ja noch - und machen nur so eine Show um dem weniger intelligenten Zuschauer das zu verkaufen, was er ja von sich nur allzu gut kennt .. und damit von allen Andren erwartet ..) Dass es das o.g. Erlebnis genau dann gibt - wenn ich nenne es mal eine Art geistige Super Position erreicht ist - man/frau es also am allerwenigsten erwartet - sollte klar sein. Die Münze fällt eben nicht mit 50:50 - sondern mit 49,9999:49,9999 - ganz selten bleibt sie auf der Kante stehen .. (das sollte dann für länger reichen.)
freigeistiger 26.05.2019
5. Was wollen Sie sagen?
Wenn das eine Antwort auf meinen Beitrag, Nr. 12, sein soll, was wollen sie sagen? Oder ist das nur an assimiliert an die feministische Berichterstattung in Medien?
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