Ökosysteme in Afrika Warum es für Seen gut ist, wenn Nilpferde pupsen 

Forscher haben Nilpferdkot untersucht - und einen lange unterschätzten Mechanismus gefunden, der afrikanische Gewässer mit Nährstoffen versorgt.

Nilpferd im Zoo Berlin (Archivbild)
Tim Brakemeier / dpa

Nilpferd im Zoo Berlin (Archivbild)


Im Zoo sehen Nilpferde oft ziemlich faul aus. Dort können sie sich das leisten, Verpflegung gibt es gratis. Aber wildlebende Nilpferde in Afrika müssen sogar nachts raus, dann fressen sie Dutzende Kilogramm frisches Gras in der Savanne. Tagsüber kühlen sie sich im Wasser ab, geschützt vor Feinden. Und verdauen tun sie tagsüber auch. Dabei gelangen große Mengen Gülle in Flüsse und Seen. Und dort hat sie eine wichtige Funktion, wie eine Studie eindrucksvoll belegt.

Der Biologe Jonas Schoelynck von der Universität Antwerpen berichtet zusammen mit anderen Forschenden im Fachmagazin "Science Advances" von Analysen mit Tieren im Masaai Mara Nature Reserve in Kenia. "Nilpferde unterscheiden sich da von anderen Großweidern in der Savanne", sagt Schoelynck. "Die Nährstoffe in der Gülle der meisten Weidegänger landen größtenteils wieder in der Savanne, wo sie von den Pflanzen erneut aufgenommen werden. Bei Nilpferden ist dies nicht der Fall: Sie fungieren als eine Art Nährstoffpumpe vom Land in die Flüsse und Seen."

Das Ganze funktioniert so: Die Pflanzen nehmen das Silizium über das Grundwasser auf. Das in den oberen Schichten der Erde häufig vorkommende Halbmetall verhilft ihnen zu höherer Festigkeit und dient als Schutz vor Krankheiten. Wenn die Nilpferde das Gras fressen, gelangt das Silizium in ihr Verdauungsystem - und von dort über die Fäkalien ins Wasser.

Wieviel Silizium am Mara River durch die dortige Nilpferdpopulation in den Fluss gelangt, haben Forscher nun gemessen. Im untersuchten Gebiet seien täglich 400 Kilogramm über die Ausscheidung mit dem Kot im Wasser gelandet. Der Nachweis gelang mit Hilfe von Isotopenanalysen, für die Patrick Frings vom Deutschen Geoforschungszentrum GFZ in Potsdam verantwortlich war.

"Mithilfe der Isotopenanalyse konnten wir den Transportweg des Siliziums rekonstruieren", sagt Frings. Bisher sei man nicht davon ausgegangen, dass weidende Wildtiere einen solchen Einfluss auf den Silizium-Transport vom Land in Seen haben könnten. "Dieser Prozess ist für das gesamte Land-Wasser-Ökosystem von entscheidender Bedeutung. In der Vergangenheit wurde er aber einfach übersehen."

Kieselalgen benötigen Silizium

Das Silizium ist im Wasser auch für Kieselalgen lebensnotwendig. Diese einzelligen Lebewesen produzieren Sauerstoff und bilden in vielen Wasserökosystemen die Grundlage der Nahrungskette. Im Falle eines Siliziummangels könne die Kieselalgenpopulation zusammenbrechen. Daraus könnten sich Probleme für das gesamte Nahrungsnetz im betroffenen See oder Fluss ergeben.

Und diese Gefahr besteht durchaus - weil es immer weniger wilde Nilpferde gibt. Die Bestände in Afrika seien in den vergangenen Jahren durch Jagd und Verlust von Lebensräumen drastisch zurückgegangen, so die Wissenschaftler. Afrikaweit seien in den vergangenen Jahrzehnten bis zu neunzig Prozent der Nilpferde ausgestorben.

Der Viktoriasee, in den der Mara River münde, könne mit seiner Siliziumversorgung zwar noch mehrere Jahrzehnte überdauern, so Forscher Schoelynck. "Aber auf lange Sicht gibt es wahrscheinlich ein Problem. Wenn die Kieselalgen nicht genügend Silizium bekommen, werden sie durch Schädlingsalgen ersetzt." Dadurch drohe langfristig ein Sauerstoffmangel und damit ein Fischsterben am Viktoriasee.

Im Video: Paradies der Flusspferde - Der Kazinga-Kanal

ZDF Enterprises

chs

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
herwescher 02.05.2019
1. So ein Nilpferd hat es gut ...
Man freut sich, wenn es pupsen tut. Wenn ich das mal zuhause mach, dann krieg ich riesengroßen Krach. Was hat das Nilpferd mehr als ich, dass es das darf und ich darf nicht?
lesheinen 02.05.2019
2.
Es ist ein Siliziumträger und -verbreiter, Sie nicht. Falls Sie aber in ihrer Wohnung Kieselalgen ernähren wollen, sollten Sie die entsprechenden Pillen kaufen oder auf der Weide Gras essen.
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