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Nördliches Breitmaulnashorn: Die letzten drei ihrer Art

Foto: THOMAS MUKOYA/ REUTERS

Nördliches Breitmaulnashorn Ist diese Art noch zu retten?

Weltweit gibt es nur noch drei nördliche Breitmaulnashörner. Nun wollen deutsche Forscher die Art mithilfe von Stammzellen und einer Leihmutter retten.

Es ist eines der bedrohtesten Tiere der Welt: das Nördliche Breitmaulnashorn. Seit dem Tod von Nola, einem 41-jährigen Nördlichen Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum cottoni) in einem Zoo in Kalifornien, gibt es nur noch drei Exemplare der Art. Auf einer Expertenkonferenz haben Forscher über Möglichkeiten diskutiert, die Art trotzdem noch zu retten.

Eine künstliche Befruchtung mit Sperma aus dem Zuchtprogramm des tschechischen Zoos, das im Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) lagert, war schon länger im Gespräch. Denkbar schien etwa, die eingefrorene Eizelle des im Juli 2015 verstorbenen Weibchens Nabire zu befruchten und einem Südlichen Breitmaulnashorn einzupflanzen. Allerdings machen sich Experten wenig Hoffnung, dass das auf Anhieb klappt.

Alleskönner-Zellen sollen die Art retten

Das Problem: Der Eizellenvorrat ist knapp. Deshalb soll nun moderne Stammzelltechnik die Art retten, berichtet das IZW . Die Forscher aus Berlin wollen gemeinsam mit Kollegen induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) zu Keimzellen - also Spermien und Eizellen - ausreifen lassen.

Die Stammzellen könnten beispielsweise aus Nashornhaut gewonnen werden. Im Labor werden die Zellen dann so behandelt, dass sie ihre Spezialeigenschaften als Hautzellen verlieren und in jede andere Zellart umprogrammiert werden können - auch in Eizellen. Zusätzlich könnten die natürlichen Keimzellen der drei noch lebenden Tiere verwendet werden.

Das iPS-Verfahren war im Dezember auf einer Expertenkonferenz in Wien diskutiert worden. Dort nahm auch der japanische Stammzellforscher Katsuhiko Hayashi von der Kyushu Universität teil, dem es bereits gelang, aus einfachen Hautzellen ganze Mäuse zu züchten. Dieses Modell soll nun auf das Nördliche Breitmaulnashorn übertragen werden.

Auch nach der künstlichen Befruchtung mit der iPS-Eizelle soll dann eine Leihmutter fortpflanzungsfähige Breitmaulnashorn-Babys austragen. Als Nashorn-Leihmütter könnten auch hier Südliche Breitmaulnashörner eingesetzt werden. "Ein Erfolg bietet neue Möglichkeiten im Kampf gegen das rasante, vom Menschen verursachte Artensterben", so das IZW.

Die letzten drei ihrer Art

Allein 2015 waren zwei der zuvor noch fünf verbliebenen Nördlichen Breitmaulnashörner gestorben - neben Nola auch das weibliche Nashorn Nabire aus einem Zoo in Tschechien. Die drei verbliebenen Tiere, ein Männchen namens Sudan und zwei Weibchen, leben in Kenia. Das Alter der Tiere macht eine Vermehrung auf natürlichem Wege jedoch sehr unwahrscheinlich.

Noch im Sommer hatte ein Tierarzt aus Südafrika vergeblich versucht, mit entnommenen Eizellen und Sperma eine künstliche Befruchtung herbeizuführen.

Nashörner sind bis heute ein beliebtes Ziel von Wilderern, die es auf die Hörner der Tiere abgesehen haben. In Asien werden dafür hohe Preise gezahlt, weil den Hörnern heilende Wirkung zugeschrieben wird. Das Nördliche Breitmaulnashorn war ursprünglich in einem Gebiet vom Kongo über Uganda und den Sudan bis hinein in den Tschad verbreitet.

Der Bestand des Südlichen Breitmaulnashorns liegt nach Angaben der Umweltorganisation WWF derzeit bei etwa 20.400 Tieren.

jme/dpa