Neues aus der Geoforschung Nördlichste Korallen entdeckt, Vulkan übertrifft Pest, getarnter Klimaforscher

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2. Teil: Vulkan-Phantom übertrifft Pest-Epidemie


Vulkanausbruch in Island: Himmel auf Jahre verdunkelt
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Vulkanausbruch in Island: Himmel auf Jahre verdunkelt

Im Jahr 1258 stürzte ein Vulkanausbruch die Welt in eine Katastrophe. Schwefelnebel legte sich über Europa, Hungersnöte brachen aus, gewalttätige Sekten kamen auf. Es war die größte Eruption der vergangenen 10.000 Jahre - doch Forscher rätseln, wo sich der gigantische Lavaberg befindet. Kürzlich meinte ein Experte, den Phantom-Vulkan in Indonesien lokalisiert zu haben.

Die Auswirkungen der Eruption von 1258 waren womöglich deutlich schlimmer als angenommen. Forscher des Museum of London Archeology glauben, dass alleine in London ein Drittel der Einwohner dem Ausbruch zum Opfer gefallen sein könnten.

Die Wissenschaftler um Don Walker vom Museum of London Archeology gründen ihre Vermutung auf den Aufzeichnungen von Mönchen und den Funden mittelalterlicher Massengräber: Monatelang sei es kalt gewesen, notierte ein Mönch 1258: "Keine Blume, kein Keim ging auf; die Hoffnung auf Ernte war vergebens." 15.000 Menschen seien allein in London gestorben.

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Massengrab in London: Opfer eines Vulkanausbruchs?
Der Bericht zeige, dass wohl eine dramatische Klimaverschlechterung das Sterben ausgelöst hat, erklärt Walker. Mittelalterliche Massengräber mit bis zu 18.000 Toten in London führt er der Zeitung "The Guardian" zufolge auf das Vulkan-Desaster zurück. Andere Experten werden die neue These nun prüfen müssen.

Ein Massengrab in London war bislang der Pestepidemie von 1348 zugeordnet worden. Doch neue Datierungen zeigten ein deutlich älteres Datum im 13. Jahrhundert, berichtet Walker. Folglich komme der Vulkanausbruch im Jahr 1258 als Auslöser in Frage.

Die Aschewolke des unbekannten Vulkans habe sich vermutlich für Jahre in hohen Atmosphäreschichten halten können, meint jedenfalls der Geologe Bill McGuire vom University College in London. Die Welt sei um durchschnittlich vier Grad abgekühlt. Vielerorts wäre demnach die Ernte ausgeblieben, und die winterliche Kälte könnte ungewöhnlich lange gedauert haben.

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