Kuriose Fangtechnik Angriff der Katapult-Spinne

Eine Spinne aus Nordamerika nutzt ihr Netz, um sich auf ihre Beute zu katapultieren. Dabei beschleunigt sie heftiger als Deutschlands höchste Achterbahn, wie eine Videoanalyse zeigt.

S.I. Han

Es gibt Spinnen, die sitzen in ihrem Netz und warten darauf, dass sich ihre Beute darin verfängt - und es gibt Spinnen, die ihr Netz aktiv als Waffe einsetzen, um sich in rasender Geschwindigkeit zu ihrer Beute zu katapultieren. US-Wissenschaftlern ist es nun gelungen, mit Hilfe einer hochauflösenden Kamera die Technik der Tiere unter Laborbedingungen zu untersuchen.

Außer der Spinnenart Art Hyptiotes cavatus, die in den USA und Kanada vorkommt, ist nur der Mensch in der Lage, seine Muskelkraft mit Hilfe eines externen Mechanismus zu vervielfachen, berichten die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" . "Die Spinne nutzt ihre Muskeln, um einen Faden ihres dreieckigen Netzes immer weiter zu spannen - so wie wir unseren Arm nutzen, um eine Bogensehne zu spannen", sagte die Co-Autorin des Artikels, Sarah Han.

"Vielleicht hat die Spinne etwas erfunden, das auch wir nutzen können"

Dann verharre das Tier in seiner Position, bis eine Beute mit dem Netz in Berührung komme - manchmal mehrere Stunden lang. Spürt die Spinne die Beute, lässt sie die Spannung frei, Netz und Spinne rasen mit großer Geschwindigkeit auf die Beute zu. Diese verheddert sich zunächst in den Fäden und die Spinne wird zu ihrer Beute katapultiert (siehe Video oben).

Mit dem Beutezug aus der Distanz vermindert die Spinne laut Han ihr eigenes Verletzungsrisiko - vergleichbar mit den Menschen, die zu diesem Zweck Katapulte erfunden haben. Die Beschleunigung, die die Spinne auf diese Weise erreicht, entspricht nach Angaben der Forscher 400 Mal ihrer Körperlänge pro Sekunde oder 772,85 Meter pro Quadratsekunde.

Zum Vergleich: Deutschlands höchste Achterbahn, der "Silver Star" im Europapark Rust, erreicht eine Maximalbeschleunigung von 40 Metern pro Quadratsekunde. Alleine könnte die Spinne den Wert von mehr als 772 Metern pro Quadratsekunde niemals erreichen.

Laut Forscherin Han ist es das erste Mal, dass diese Technik in einer Studie wissenschaftlich untersucht wird. "Bisher war uns nur wenig darüber bekannt", sagte die Doktorandin an der Universität von Akron im US-Bundesstaat Ohio. "Aber bisher hat noch niemand die Beschleunigung quantifiziert."

Katapult-Spinne: Beschleunigung von 772,85 Metern pro Quadratsekunde
S.I. Han

Katapult-Spinne: Beschleunigung von 772,85 Metern pro Quadratsekunde

Ein Rätsel aber konnten auch Han und ihre Kollegen nicht klären: Wie es der Spinne gelingt, die Spannung im Netz über Stunden aufrechtzuerhalten, ohne dabei zu ermüden. Han vermutet eine neue Technik, die eines Tages für die Menschen nutzbar gemacht werden könnte: "Vielleicht hat die Spinne etwas erfunden, das auch wir nutzen können."

jme/AFP



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