Nordrhein-Westfalen Forscher entdecken unbekanntes Virus bei Rindern

Im Sommer und Herbst erkrankten Rinder in den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen - Tiermediziner konnten jedoch nicht ermitteln, woran. Jetzt wurde bei einigen der Kühe ein neues Virus entdeckt. Es ähnelt Krankheitserregern aus Afrika und Australien.
Kühe auf einem Hof in Brandenburg: Veterinäre berichten von neuem Krankheitserreger

Kühe auf einem Hof in Brandenburg: Veterinäre berichten von neuem Krankheitserreger

Foto: SVEN KAESTNER/ AP

Riems - Das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit (FLI) hat erstmals ein zu den Orthobunyaviren zählendes Virus bei Rindern in Deutschland nachgewiesen. Eigentlich seien die Erreger in Ozeanien, Australien und Afrika verbreitet, berichtet das auf der Ostsee-Insel Riems ansässige Institut.

Die Experten vom FLI hatten nach einem unbekannten Erreger gefahndet, nachdem in den vergangenen Monaten vermehrt Rinder in Nordrhein-Westfalen erkrankt waren. Die Tiere litten den Angaben zufolge unter Fieber über 40 Grad Celsius und gaben deutlich weniger Milch. Zuvor hatten mehr als 80 Betriebe in den Niederlanden ähnliche Probleme gemeldet.

Diverse bekannte Krankheitserreger, darunter das Blauzungenvirus und den Auslöser Maul- und Klauenseuche, konnten die Veterinäre als Ursache ausschließen. Daher begaben sie sich auf die Suche nach einem unbekannten Virus - mit einer speziellen Methode zum Aufspüren viraler Erbgutsequenzen. In Proben von drei erkrankten Rindern aus Schmallenberg im Hochsauerlandkreis wurden sie fündig. Den Erreger bezeichnen sie nach dem Fundort vorläufig als Schmallenberg-Virus.

Bis heute habe man insgesamt mindestens neun positive Proben aus vier Betrieben, wobei mehr als 100 Proben aus 14 Betrieben untersucht werden, teilte das FLI mit. Dies lasse aber noch keinen Schluss zu, ob das neu gefundene Schmallenberg-Virus auch ursächlich für das beobachtete Krankheitsbild ist. Dazu seien weitere Untersuchungen nötig.

Wie die Erreger der ebenfalls Rinder treffenden Blauzungenkrankheit werden Orthobunyaviren durch Stechmücken übertragen. Dass die Krankheitsfälle zwischen August und Ende Oktober aufgetreten und nun abgeklungen sind, spreche für das neu entdeckte Virus als Auslöser.

Die in anderen Ländern bekannten Orthobunyaviren verursachen nach Angaben des Instituts relativ leichte Krankheitssymptome. Problematisch sei es allerdings, wenn sie trächtige Kühe anstecken, da die Infektion erhebliche Schäden bei den Kälbern verursachen kann.

wbr/dpa

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