Nordsee Deutsche Fischer dürfen mehr Hering fangen

Erstmals seit Jahren dürfen Nordseefischer 2012 wieder deutlich mehr Hering und Scholle fangen als im Vorjahr. Deutsche Kutter können 140 Prozent mehr Hering einfahren. Die Bestände hatten sich in diesem Jahr deutlich erholt. Umweltschützer kritisierten den EU-Beschluss als "Rückfall in dunkle Zeiten".

Gefangene Heringe: Quote steigt um 140 Prozent
AP

Gefangene Heringe: Quote steigt um 140 Prozent


Brüssel - Die deutschen Nordseefischer dürfen im nächsten Jahr deutlich mehr Hering, Scholle und Schellfisch aus dem Meer holen. Die Fangquote für den Hering wurde für die deutschen Gebiete um 140 Prozent nach oben gesetzt, auf eine Gesamtmenge von 41.000 Tonnen. Darauf einigten sich EU-Kommission und Mitgliedstaaten nach einem Verhandlungsmarathon am Wochenende.

Agrarstaatssekretär Robert Kloos sprach vom "Wunder des Herings", weil sich die Bestände im ablaufenden Jahr deutlich erholt haben und so eine Heraufsetzung der Fangquote möglich wurde. Bei den meisten Fischarten wurden die Fangmengen gekürzt, um auf Dauer eine nachhaltige Befischung sicherzustellen. "Die Gesamtbiomasse wird weniger", hieß es in Brüssel.

Für die deutschen Fischer kam dennoch ein Plus heraus. So dürfen nicht nur mehr Heringe, sondern auch 15 Prozent mehr Schollen gefangen werden, insgesamt 4600 Tonnen. Beim Schellfisch wurde die Quote um 63 Prozent auf 1400 Tonnen nach oben gesetzt. Beim Kabeljau bleibt die Quote nahezu unverändert und die Fangmenge bei knapp 3000 Tonnen. Zurückgegangen sind dagegen die Seelachs- und Rotbarschbestände, so dass die Quoten dafür um je 14 Prozent auf gut 8000 Tonnen für den Lachs und 4500 Tonnen für den Rotbarsch gesenkt wurden.

EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki betonte, bei vielen Beständen habe sich die Lage gebessert. "Die meisten Fischer können zufrieden sein." Die EU-Kommission hatte den Mitgliedstaaten härtere Einschnitte vorgeschlagen. Brüssel stützt sich beim Kampf gegen die drohende Ausrottung vieler Fischarten auf wissenschaftliche Studien. In Europa gelten fast 90 Prozent der Bestände als überfischt.

Heftige Kritik kam daher von Umweltverbänden. Die Umweltstiftung WWF kritisierte den Heringsbeschluss als "Rückfall in dunkle Zeiten". Die Minister verfielen einem "riskanten und kurzsichtigen Gewinnstreben", warnte WWF-Fischereiexpertin Karoline Schacht.

Auch die Meerschutz-Organisation Oceana zeigte sich enttäuscht. "Unglücklicherweise scheint niemand auf das Wohlergehen der Ressourcen zu achten", erklärte Xavier Pastor, Oceana-Geschäftsführer für Europa. Er warf den Ministern mangelnde Weitsichtigkeit vor.

Kloos betonte hingegen: "Bei allen Beschlüssen gehen wir natürlich auf die Empfehlungen der Wissenschaft zurück." Deutschland habe in den vergangenen Jahren effizient gefischt. Dennoch müssten manche Fischbestände besser geschützt werden, räumte er ein.

hda/dapd/dpa

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