»Arche Noah der Pflanzenvielfalt« feiert Geburtstag 1,2 Millionen Samen, eingefroren für den Notfall – auf Spitzbergen

An einem der kältesten Orte der Erde lagert das Saatgut von Pflanzen aus allen Teilen der Welt. Zum 15. Jubiläum kommen nun Tausende Proben dazu – auch aus Deutschland.
Eingang zum Svalbard Global Seed Vault: »Eine Lebensversicherung, die wir vielleicht nie in Anspruch nehmen werden«

Eingang zum Svalbard Global Seed Vault: »Eine Lebensversicherung, die wir vielleicht nie in Anspruch nehmen werden«

Foto: Steffen Trumpf / dpa

Der globale Saatguttresor auf Spitzbergen ist 15 Jahre alt geworden. Anlässlich des Jubiläums wurden am Sonntag Dutzende Boxen mit neuen Saatgutproben am Flughafen von Longyearbyen offiziell registriert, die im Laufe der vergangenen Tage auf der Inselgruppe im hohen Norden Norwegens angekommen waren. Sie sollen am Dienstag in der weltweit einzigartigen Anlage eingelagert werden.

Der Svalbard Global Seed Vault, der globale Saatguttresor auf der nordnorwegischen Inselgruppe Spitzbergen (Svalbard) in der Nähe des Ortes Longyearbyen, ist seit seiner Eröffnung am 26. Februar 2008 zu einer Art arktischer »Arche Noah für die Pflanzenvielfalt« geworden. Samen von rund 6000 Pflanzenarten sind dort tiefgefroren gebunkert, damit man im Fall der Fälle auf sie zurückgreifen kann.

»Lebensversicherung für die Ernährung der Welt«

»Svalbard ist für uns eine Lebensversicherung, die wir vielleicht nie in Anspruch nehmen werden«, sagte vorab Stefan Schmitz, der Exekutivdirektor des in Bonn ansässigen Welttreuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt, kurz Crop Trust genannt der Deutschen Presse-Agentur. »Es ist eine Lebensversicherung für die Ernährung der Welt im 21. Jahrhundert.«

Longyearbyen gilt als nördlichster Ort der Erde

Longyearbyen gilt als nördlichster Ort der Erde

Foto: Steffen Trumpf / dpa

Insgesamt 68 Boxen mit knapp 20.000 neuen Saatgutproben sollen am Dienstag in den Tresor gebracht werden. Darunter sind auch rund 2750 Proben des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben in Sachsen-Anhalt – der größten Genbank Deutschlands – sowie eine Probe von wilden Erdbeeren, die das Julius Kühn-Institut aus Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) nach Spitzbergen geschickt hat. Nach der Deponierung werden mehr als 1,2 Millionen Samenduplikate von fast hundert Genbanken in dem Saatguttresor hinterlegt sein, wie der Betriebskoordinator Åsmund Asdal in Longyearbyen sagte. Kapazität hat der Seed Vault für 4,5 Millionen Proben.

Hilfe während des Bürgerkriegs in Syrien

Crop Trust zählt neben der norwegischen Regierung und dem nordischen Agrarforschungsinstitut NordGen zu den drei Betreibern des Saatguttresors. Oberstes Ziel: die Pflanzenvielfalt der Welt und damit nicht zuletzt die Ernährung der Menschheit für die Zukunft zu sichern. »Wir sammeln dort Saatgüter und sichern sie, um gegen alle möglichen Notfälle gewappnet zu sein«, sagte Schmitz.

Betriebskoordinator Asdal

Betriebskoordinator Asdal

Foto: Steffen Trumpf / dpa

So zum Beispiel im syrischen Bürgerkrieg: Das internationale Forschungsinstitut Icarda konnte nicht mehr auf seine Genbank in Aleppo zugreifen, doch das Institut hatte schon 2012 Samen aus seiner Sammlung in Spitzbergen einlagern lassen. »Wir konnten damals 116.000 Samenproben zu Icarda im Libanon und in Marokko schicken, mit denen neue Einheiten in diesen Ländern aufgebaut wurden«, sagte Betriebskoordinator Asdal. »Es ist natürlich eine traurige Geschichte für Syrien, aber es ist ein exzellentes Beispiel für die Bedeutung des Saatguttresors.«

Im Grunde können alle Saatgutbanken der Welt Sicherungskopien ihrer Bestände in Norwegen hinterlegen. Diesmal sind beispielsweise erstmals Saatgüter aus dem afrikanischen Benin dabei. Sie werden bei minus 18 Grad in vakuumverpackten Alu-Tütchen gelagert, die in drei von der Außenwelt abgeschirmten Kühlkammern in Boxen verstaut sind.

sep/dpa
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