Öko-Energie statt Öl Bush sieht USA kurz vor Durchbruch

George W. Bush verkündet aufsehenerregendes: Die USA seien kurz vor dem Durchbruch bei alternativen Energien. Warum, wurde bei einem Werbetrip nicht klar. Dafür hätte sich der US-Präsident fast eine peinliche Blöße gegeben.


Die Amerikaner dürften nicht länger als Geiseln gehalten werden. Mit dieser Botschaft macht US-Präsident George W. Bush Werbung für seine neue Energiepolitik. Als Geiselnehmer hat er die unstabilen Regime des Nahen Ostens ausgemacht. Im Umkehrschluss gilt alles, was die Abhängigkeit von deren Öl schmälert, als "freedom fuel". Anders als in Europa ist der Umweltschutz kein Leitmotiv für neue Formen der Energieerzeugung und -speicherung.

Solar-Testanlage: George W. Bush (links) wirbt für alles, was ohne Öl aus dem Nahen Osten auskommt
AFP

Solar-Testanlage: George W. Bush (links) wirbt für alles, was ohne Öl aus dem Nahen Osten auskommt

Mit einer zweitägigen Reise kreuz und quer durch die USA wollte Bush nun für alternative Energien trommeln: Solarkraft, Biogas, Hybridmotoren, Wasserstoff.

Nur haarscharf vermied der Präsident dabei eine peinliche Blöße. Am National Renewable Energy Laboratory (NREL) im Bundesstaat Colorado will Bush für verstärkte Anstrengungen in den Forschungsgebieten Solarenergie, Biomasse und Wasserstoff werben. Das NREL ist ein Auftragnehmer des US-Energieministeriums (DOE) für solche Projekte. Jüngst hatte das Forschungsinstitut jedoch wegen eines drohenden Budgetlochs von 28 Millionen US-Dollar 32 Mitarbeiter entlassen müssen, darunter acht Wissenschaftler.

Am Wochenende überwies nun das DOE kurzfristig fünf Millionen Dollar, um diese Stellen kurz vor dem Präsidentenbesuch zu sichern. Die Summe sei aus den Budgets einiger anderer Projekte genommen worden, "die keinen Fortschritt gemacht hätten", wurde im Ministerium erklärt.

Vision: Solarzellen auf Amerikas Dächer

Bislang besuchte der Präsident unter anderem eine Fabrik für Solarzellen in Auburn Hills, Michigan. Eines Tages würden ganze Hausdächer damit eingedeckt, sagte Bush. Die Technologie werde so effektiv, dass Hausbesitzer überschüssige Energie ins Netz einspeisen könnten. Diese "Vision" dürfte vielen Europäern nicht gänzlich neu erscheinen.

"Unsere Nation steht kurz vor neuen Energietechnologien, von denen ich denke, dass sie das amerikanische Volk aufschrecken werden", sagte Bush und kündigte "beeindruckende Durchbrüche" an. Die bisherigen Stationen seines Werbetrips in eigener Sache nehmen sich hingegen bescheiden aus.

Bei einer Visite im Hybridbatterie-Labor des Automobilzulieferers Johnson Controls in Milwaukee fuhr der US-Präsident ein Hybridauto. Es enthielt eine fortschrittliche Lithium-Ionen-Batterie, die weniger Platz im Auto in Anspruch nimmt. Bush beschrieb die Vision von Hybrid-Fahrzeugen, die rund 60 Kilometer weit mit Lithium-Ionen-Batterien fahren und dann zum Weiterfahren Ethanol tanken. Dieser Brennstoff wird in der Regel aus Biomasse gewonnen. "Wir stehen in Amerika kurz davor, diese Vision zu verwirklichen", sagte Bush. Hybridautos, die mit normalen Kraftstoff fahren, sind in den USA längst auf dem Markt. Von einem Käuferansturm kann man nicht berichten.

Bereits in seiner Rede zur Lage der Nation im Januar hatte Bush gefordert, die USA müssten ihre Abhängigkeit von Öl aus dem Nahen Osten reduzieren. Er hat eine Verbesserung alternativer Energien gefordert, um die Öl-Importe seines Landes aus der Region bis 2025 um drei Viertel zu senken. Allerdings zählen zu alternativen Energiequellen auch im großen Stile neue Kernkraftwerke. Bush hatte erst kürzlich angekündigt, nach dem Vorbild Frankreichs und Japans verstärkt auf Atomstrom zu setzen.

Förderung für Spritschleudern statt Umdenken

In dieser Woche sind nicht nur der Präsident, sondern auch sechs Mitglieder seines Kabinetts in einem Dutzend Bundesstaaten unterwegs, um bei zwei Dutzend Veranstaltungen für das Energieprogramm der US-Regierung zu werben.

Der demokratische Kongressabgeordnete Ed Markey aus Massachussets sagte mit Blick auf großzügige Steuervorteile für Luxusgeländewagen: "Diese eine Subvention stellt bereits alles in den Schatten, was für Hybridbatterien getan wird."

Auch Umweltschützer kritisierten, die Vorschläge der Regierung gingen nicht weit genug. Immerhin sei es erfreulich, dass ein ehemaliger Ölindustrieller aus Texas überhaupt für alternative Energieformen eintrete.

stx/AP/rtr



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