Ölindustrie 10.000 Dollar für Widerlegung der Klimastudie ausgelobt

Die US-Industrie schlägt zurück: Das konservative American Enterprise Institute wehrt sich gegen den Weltklimabericht der Uno. Wissenschaftler, die die Thesen widerlegen können, sollen dafür 10.000 Dollar erhalten.

London - Der Weltklimabericht der Uno war noch nicht einmal vorgestellt, da hat die Industrielobby bereits eine Belohnung für all jene Forscher ausgesetzt, welche die Studie widerlegen. Wie der "Guardian" heute zum Abschluss des Pariser Expertentreffens berichtete, will das konservative US-Institut American Enterprise Institute (AEI) 10.000 Dollar (rund 7700 Euro) an Wissenschaftler zahlen, die den Schlussfolgerungen des Zwischenstaatlichen Ausschusses zum Klimawandel (Intergovernmental Panel on Climate Change - IPCC) entgegentreten.

Das AEI gehört zu den einflussreichsten Think Tanks der Neokonservativen und hat eine Schlüsselrolle im Irak-Krieg gespielt - zuletzt auch mit dem Vorschlag, die US-Truppen aufzustocken. Es wird unter anderem von dem Öl-Konzern ExxonMobil gesponsert. Nach dem Zeitungsbericht soll ExxonMobil mehr als 1,6 Millionen Dollar gezahlt haben. Ein Sprecher des Unternehmens sagte, die Summe müsse sich auf eine mehrjährige Periode beziehen, pro Jahr liege der ExxonMobil-Beitrag unter einem Prozent des Gesamtetats von AEI. Das Institut hatte im Jahr 2005 Einnahmen von 37,9 Millionen Dollar. Ihm werden enge Verbindungen zu US-Präsident George W. Bush nachgesagt. Mehr als 20 der Angestellten hätten früher als Berater der Bush-Regierung gearbeitet, schreibt der "Guardian".

Das AEI habe Briefe an Wissenschaftler in den USA, Großbritannien und anderen Ländern verschickt, in dem um Zusendung von Beiträgen gebeten wird, die dem Uno-Bericht widersprechen, heißt es weiter. Auch die Übernahme von Reisekosten und anderen Auslagen werde angeboten.

Die IPCC-Experten nähmen keine "vernünftige Kritik" an, sie zögen "summarische Schlüsse", die nur "spärlich" belegt seien. Das Institut forderte teilnahmebereite Wissenschaftler auf, die "Grenzen der Klimamodelle" aufzuzeigen. Gegenwärtig sei die Debatte zu polarisiert, sagte der Unterzeichner der Briefe, Kenneth Green. Dies sei nicht gut für eine "intelligente" Politik.

"Intellektuelle Cosa Nostra der Bush-Regierung"

In dem heute in Paris vorgestellten Weltklimabericht lassen die Wissenschaftler kaum noch Zweifel daran aufkommen, dass der Klimawandel vom Menschen verursacht wird. Es sei "sehr wahrscheinlich", dass diese Entwicklung nicht allein auf natürliche Ursachen zurückzuführen sei, sondern hauptsächlich auf das Verfeuern fossiler Brennstoffe wie Kohle und Öl , heißt es darin. Der Menschheit drohten Monster-Wirbelstürme, ein dramatischer Anstieg des Meeresspiegels und lange Dürreperioden.

Ben Stewart von der Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte das Institut heftig: "Die AEI ist mehr als eine Denkfabrik, sie fungiert wie eine intellektuelle Cosa Nostra der Bush-Regierung." Sie sei der Stellvertreter des Weißen Hauses in Sachen Klimawandelleugnung. "Sie haben wissenschaftlich und moralisch gesehen verloren", sagte Stewart dem "Guardian". "Alles was sie haben, ist ein Koffer voller Geld."

Fernsehspots für besseres CO2-Image

Im Mai vergangenen Jahres hatte eine ganz ähnliche Lobbyorganisation, das Competitive Enterprise Institute (CEI) gezeigt, mit welchen Mitteln Klimaskeptiker in den USA Öffentlichkeitsarbeit betreiben: Als die Dokumentation "An inconvenient truth" des US-Vizepräsidenten Al Gore in den Kinos anlief, schaltete das CEI Fernsehwerbung, um das Image des Treibhausgases CO2 aufzupolieren.

"Die nennen es Verschmutzung, wir nennen es Leben", säuselte der Werbespot in Heiler-Welt-Manier, und: "Was wäre die Welt ohne Kohlendioxid?" Zwar lag die Kampagne - deren Spots auf der Seite der Lobbygruppe immer noch online stehen - inhaltlich an der Grenze zur Volksverdummung. Doch demonstrierte sie eindrucksvoll die finanzielle Potenz und inhaltliche Kaltschnäuzigkeit der verbleibenden Leugner eines menschgemachten Klimawandels.

hda/AFP/AP

Anmerkung der Redaktion: In den ersten Zeilen des Textes wurde der Eindruck erweckt, das AEI werde zu einem großen Teil von ExxonMobil finanziert. ExxonMobil legt Wert auf die Feststellung, dass das Unternehmen nur einen geringen Teil des AEI-Etats finanziert.

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