Ölkatastrophe im Golf von Mexiko US-Regierung will Offshore-Bohrungen bald wieder erlauben

Barack Obama steht unter Druck: Neue Sicherheitsregeln sollen schnell die Wiederzulassung von Ölbohrungen in seichtem Wasser ermöglichen. Tausende von Jobs stünden auf dem Spiel. Seinem Ärger über BP hat der Präsident deutlich Luft gemacht. Er wolle wissen, wem er "in den Arsch treten" müsse.

US-Präsident Barack Obama: Suche nach dem Schuldigen
Reuters

US-Präsident Barack Obama: Suche nach dem Schuldigen


Washington - Das Öko-Desaster am Golf von Mexiko hat zwei Auswirkungen von immensem Ausmaß. Die eine betrifft die Umwelt: Noch jahrelang werden die Küstenlandschaften an den Folgen der Ölpest leiden - und noch immer ist das sprudelnde Öl nicht unter Kontrolle.

Die andere betrifft die Ölindustrie. Während die Kosten für BP für den Kampf gegen die Katastrophe die Milliarden-Marke bereits übertroffen haben und weiterhin rasant steigen, gefährdet das Moratorium für Offshore-Bohrungen, das Präsident Barack Obama vor kurzem auf sechs Monate verlängert hatte, ebenso die Milliarden-Umsätze der Ölmultis.

Deshalb arbeitet das US-Innenministerium jetzt mit Hochdruck daran, möglichst schnell neue Sicherheits- und Umweltbestimmungen festzulegen, die Offshore-Bohrungen zumindest in seichten Gewässern wieder möglich machen könnten, heißt es in einem Bericht des "Wall Street Journal". Die neuen Regelungen sollen lediglich Bohrungen unter einer Grenze von 500 Metern betreffen. Sie könnten bereits an diesem Dienstag veröffentlicht werden. Für Tiefsee-Bohrungen gelte weiterhin das Moratorium, wonach diese sechs Monate lang ausgesetzt werden müssen.

Ortsansässige am Golf von Mexiko, führende Politiker und Industrielle warnten jedoch vor den möglichen Konsequenzen: Das Moratorium sowie jegliche Verzögerung der neuen Sicherheitsbestimmungen setzten Tausende von Jobs aufs Spiel.

Der Druck auf die amerikanische Regierung ist immens - für den Präsidenten Barack Obama ein Zustand, der ihn offenbar erzürnt. Wie sehr, das wurde jetzt in einem Interview mit dem Fernsehsender NBC deutlich, das am Dienstag ausgestrahlt werden sollte: Obama wolle wissen, wem er wegen des Desasters "in den Arsch treten" müsse. Die Experten hätten darauf wohl die beste Antwort. "Aus diesem Grund reden wir mit diesen Leuten."

Obama über den BP-Chef: "Für mich würde er nicht mehr arbeiten"

Drastische Worte für eine extreme Situation. Denn Obama steht in der Kritik, weil die Regierung nicht entschlossen genug auf die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko reagiert haben soll. Einer Umfrage der "Washington Post" und des Senders ABC zufolge sind 69 Prozent der Amerikaner der Meinung, dass die Regierung sich im Umgang mit der Ölpest "nicht so gut" oder gar "schlecht" geschlagen hat.

Unterdessen muss der Ölkonzern BP allein in dieser Woche vor drei Ausschüssen des US-Kongresses seinen Umgang mit der Ölpest erläutern. Bereits am Montag hatten vor einem Unterausschuss des Repräsentantenhauses Angehörige derjeniger Arbeiter ausgesagt, die bei der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" umgekommen waren. Sie forderten eine harte Bestrafung der Unternehmen, die die Sicherheitsstandards ignoriert hätten.

In dem NBC-Interview wurde Obama auch mit Aussagen des BP-Chefs Hayward konfrontiert. Dieser hatte gesagt, dass der Golf von Mexiko ein großer Ozean sei und dass "die Folgen des Unglücks für die Umwelt wahrscheinlich sehr, sehr mäßig sein werden". "Für mich würde er nach solch einem Kommentar nicht mehr arbeiten", sagte der Präsident über den BP-Chef.

Immer mehr versucht sich das Weiße Haus von BP abzusetzen, der Grund liegt auf der Hand: Der Konzern wird nicht nur für die Ölpest an sich, sondern auch die lange Zeit untertriebene Darstellung deren Ausmaßes verantwortlich gemacht. Die Experten sind sich immer noch nicht darüber einig, wie viel Öl nun tatsächlich täglich aus dem Bohrloch strömt. Auch BP und die US-Regierung veröffentlichen mittlerweile abweichende Zahlen über die Menge des austretenden Öls - ein weiteres Indiz, dass die Kluft zwischen Hayward und Obama wächst.

Thad Allen, Admiral der Küstenwache und von der Regierung mit dem Kampf gegen die Ölpest betraut, teilte am Montag mit, dass der Absaugtrichter über dem lecken Bohrloch mittlerweile 1,75 Millionen Liter Öl am Tag auffängt. BP gab den Wert dagegen etwas höher an.

Selbst wenn es BP inzwischen schafft, dank des Absaugtrichters einen Teil des austretenden Öls abzusaugen - ein kompletter Stopp dürfte frühestens im August gelingen.

cib/Reuters/apn

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rkinfo 08.06.2010
1. Realistische Politik von B. Obama
Zitat von sysopBarack Obama steht unter Druck: Neue Sicherheitsregeln sollen schnell die Wiederzulassung von Ölbohrungen in seichtem Wasser ermöglichen. Tausende von Jobs stünden auf dem Spiel. Seinem Ärger über BP hat der Präsident deutlich Luft gemacht. Er wolle wissen, wem er "in den Arsch treten" müsse. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,699332,00.html
Die Bohrungen sind nun mal ein wichtiger Teil der US-Ölversorgung. Auch wir bohren in der Nordsee statt Biosprit herzustellen. Die letzten Jahrzehnte des Ölkonsums lassen eben nur noch über Meeresöl realisieren. Der Umstieg ist Aufgabe für Alle ... nicht nur wg. Klimawandel. Das ist teils ne Schweinerei und kann Ökossysteme belasten bis zerstören ... aber wir sind alle süchtig nch Energie.
spacerunnernx 08.06.2010
2. Erwartungsgemäß Konsequenzlos
Bohrungen in seichten Gewässern sollen also wieder erlaubt werden? Weil Arbeitsplätze gefährdet sind. Oh, wie überraschend. Eine völlig neue Argumentation und Sicht auf die Dinge. ;-) Also wird einmal mehr mit der Angst der Bevölkerung vor Armut gearbeitet. Ich vermute die gemachten Sicherheitsvorkehrungen sind ähnlich wirksam, wie die nach der geplatzten New Economy Bubble gemachten gesetzlichen Regelungen, zur Verhinderung weiterer Blasen an den Finanzmärkten. Jetzt heisst es also Daumen drücken für die Natur, das so etwas nicht mehr passiert. oder wenigstens nicht so oft. So alle 20 Jahre, das sollte die Umwelt verkraften können. Denn im Sinne der Profite wird das kalkulierte Risiko auch in Zukunft weiter eingegangen.
Matschi29 08.06.2010
3. lol
Na der Meinungsfreiheit, dem US-Bürger und mit seinem Militär der ganzen gemeinen Terroristenwelt ;) Aber doch nicht den Ölunternehmen, ich bitte Sie!
kurtwied, 08.06.2010
4. Populist Obama
Empörung zeigen und Symbolpolitik sind tatsächlich die größten Stärken von Obama. Anstatt klar zu machen, dass 30% des Öls für die USA aus dem Golf von Mexico kommen und es Tausende von Ölbohrtürme dort Off-shore gibt, lässt er sich auf Stammtisch-Niveau herab, um zu gefallen. Wem er in den "Arsch treten" soll? Keine Ahnung ... Wer verantwortet denn Off-Shore Bohrungen politisch ...? Oh, das "federal government" - also er selbst ... Hm.
atock 08.06.2010
5. der amerikanische präsident,eine schauspielkarriere..
welchen verantwortlichen er in den arsch treten muss? wer hat denn vor nicht all zu langer zeit erklärt,er übernehme die verantwortung? ob er beweglich genug ist um seinen markigen sprüchen taten folgen zu lassen wage ich zu bezweifeln.
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