Ölkatastrophe US-Regierung setzt Staatsanwälte auf BP an

Die US-Regierung nimmt BP ins Visier. Wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko lässt Justizminister Holder nun Staatsanwälte gegen den Konzern ermitteln - der Aktienkurs fällt deutlich. Mit einem neuen Steigrohr hat das Unternehmen einen neuen Versuch gestartet, das Bohrloch zu stopfen.

Bekämpfung der Ölpest in Louisiana: Die Katastrophe erfasst jetzt auch andere Bundesstaaten
AP

Bekämpfung der Ölpest in Louisiana: Die Katastrophe erfasst jetzt auch andere Bundesstaaten


New Orleans - Die US-Regierung setzt BP juristisch unter Druck: Gegen den Energiegiganten wird wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ermittelt. "Unsere Umweltgesetze sind sehr eindeutig", sagte Justizminister Eric Holder nach einem Treffen mit den zuständigen Staatsanwälten. Auch Bundesbehörden wie das FBI nähmen an der Untersuchung teil. Die Staatsanwälte hätten eine "ausreichende Basis", um eine strafrechtliche Ermittlung einzuleiten. Es soll dabei äußerst akribisch vorgegangen werden. "Wir werden nicht eher ruhen, bis wir Gerechtigkeit haben", sagte Holder.

Präsident Barack Obama droht ebenfalls, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen. "Wenn unsere Gesetze gebrochen wurden, und dies zu Tod und Zerstörung führt, dann verspreche ich, dass wir die Verantwortlichen vor Gericht bringen."

Die strafrechtlichen Ermittlungen waren nach Einschätzung von Behörden nur noch eine Frage der Zeit. Dabei könnte es nicht nur BP an den Kragen gehen. So betrieb Transocean die Bohrplattform "Deepwater Horizon", deren Explosion die Katastrophe vor einigen Wochen ausgelöst hatte. Halliburton war für Zementarbeiten an dem Bohrloch verantwortlich. Cameron International lieferte die Vorrichtung, die ein unkontrolliertes Austreten von Öl und Gas eigentlich hätte verhindern sollen.

Möglicherweise kommen auf BP viele Milliarden Dollar Kosten zur Begleichung von Schadensersatz wegen der Ölpest zu. Schon jetzt summieren sich die Kosten für den Konzern nach Angaben vom Dienstag auf knapp eine Milliarde Dollar.

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Die Bohrplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko war vor rund sechs Wochen gesunken. Seitdem strömen aus einem defekten Bohrloch jeden Tag Hunderttausende Liter Öl ins Meer. BP ist es bislang nicht gelungen, das Leck abzudichten. Jetzt unternimmt BP einen neuen Anlauf, die Katastrophe in den Griff zu bekommen. Mit einem aufgesetzten Ventil am defekten Steigrohr soll das sprudelnde Öl kontrolliert an die Oberfläche gebracht werden.

Allerdings ist das Vorgehen nicht ohne Risiko: Da das kaputte Steigrohr in 1500 Meter Tiefe dabei abgesägt wird, droht zeitweise wesentlich mehr Öl als bisher in den Golf von Mexiko zu fließen. Experten warnen, die auslaufende Ölmenge könnte zeitweise um 20 Prozent zunehmen. Selbst BP geht davon aus, dass mit dieser Methode nicht alles ausströmende Öl aufgefangen werden kann.

BP-Ingenieure hätten am Dienstag mit dem Absägen begonnen, sagte der Einsatzleiter der US-Regierung, Thad Allen. Anschließend soll ein Auffangbehälter über der Öffnung platziert und das Öl auf ein Schiff abgeleitet werden. Alle Arbeiten werden in 1500 Meter Tiefe von Robotern durchgeführt. Ob die Aktion zum Erfolg führt, könne man erst in einigen Tagen sehen.

Die Ölpest erreichte inzwischen auch die Bundesstaaten Mississippi und Alabama. Dort seien erste Teerklumpen an Land gespült worden. Bisher war die Katastrophe auf die Küsten Louisianas beschränkt. Zur Bekämpfung der Ölpest will die US-Regierung Hilfe aus dem Ausland bemühen. Man denke dabei an Unterstützung aus Ländern wie den Niederlanden, Kanada und Mexiko, sagte Allen. Es gehe um Hilfen, wie das Ölleck in der jetzt beginnenden Hurrikansaison geschlossen werden kann.

Ängste vor einer Ausweitung der Ölkrise verhagelten im späten Geschäft die Stimmung an der New Yorker Börse. Aktien von BP brachen um 15 Prozent ein. "BP hilft den Märkten heute nicht. Die Ölpest wird den anderen Ölgiganten für eine Weile schaden," sagte Kurt Brunner von Swarthmore in Philadelphia. Die Dividendenpapiere des Ölfelddienstleisters Halliburton stürzten um ebenfalls 15 Prozent ab, nachdem die Bank Goldman Sachs das Unternehmen im Zuge der Ölkatastrophe von seiner Kaufempfehlungsliste genommen hatte.

als/dpa/Reuters

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Seite 1
nurmeinsenf 26.05.2010
1. Andere Optionen?
Geschludert worden ist vor allem in der Vergangenheit. Die Tiefseebohrungen hätte nur unter anderen Sicherheitsauflagen durchgeführt werden dürfen. Jetzt wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist guter Rat teuer. Offenbar hat niemand so richtig gute Antworten darauf, wie man das Leck verschließt. Woher soll Obama die nehmen? Mehr als alle Ansätze zum Abdichten mit den nötigen Ressourcen zu unterstützen und anschließende Schadensbegrenzung/-seitigung zu treiben, wird nicht möglich sein. Wirklich schön ist das alles nicht, vor allem in der Region - Amerika hat seinen Umwelt-GAU.
Haio Forler 26.05.2010
2. .
Zitat von sysopBarack Obama gerät in der US-Ölkatastrophe in Louisiana zunehmend unter Druck: Der US-Präsident wird heftig kritisiert, weil er sich in der Krise weiter auf BP verlässt. Hat Barack Obama das Krisenmanagement im Griff?
Was soll er machen? Tauchen und sich draufsetzen?
Simpso, 26.05.2010
3.
Zitat von Haio ForlerWas soll er machen? Tauchen und sich draufsetzen?
Ja, ne... wäre Bush das gewesen, wänrem it absoluter Sicherheit die Kommentare sehr viel bösartiger ausgefallen. Es ist aber aschon richtig, weder Bush noch Obama können zaubern.
Epic Fail 26.05.2010
4. ...
Zitat von nurmeinsenfGeschludert worden ist vor allem in der Vergangenheit. Die Tiefseebohrungen hätte nur unter anderen Sicherheitsauflagen durchgeführt werden dürfen. Jetzt wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist guter Rat teuer. Offenbar hat niemand so richtig gute Antworten darauf, wie man das Leck verschließt. Woher soll Obama die nehmen? Mehr als alle Ansätze zum Abdichten mit den nötigen Ressourcen zu unterstützen und anschließende Schadensbegrenzung/-seitigung zu treiben, wird nicht möglich sein. Wirklich schön ist das alles nicht, vor allem in der Region - Amerika hat seinen Umwelt-GAU.
Nicht? Der Iran hat angeboten das Leck zu schließen, die meinten das es eine Kleinigkeit wäre. Aber da gibts ja momentan Stress mit Atomverhandlungen und da kann man ja nicht so einfach die Hilfe annehmen. Und noch dazu schuldet man dann dem Iran noch etwas, das geht ja mal garnicht. Da wird lieber der Golf von Mexiko geopfert. ;)
Hilfskraft 26.05.2010
5. Technik, Know-how, Manpower
"Den staatlichen Krisenteams fehlt Technik, Know-how, Manpower" Wo ist der legendäre Patriotismus der Amis? Daß es an Technik und Know-how fehlt, leuchtet ein. Frage: Wie sieht es damit bei uns aus? Sind zwar "nur" 70 Meter, aber die müssen auch bewältigt werden, im Falle des Falles. Manpower fehlt? Ein 300Millionen-Volk und keine Manpower? Wenigstens die Küstenbewohner könnten Hand anlegen und Säuberungsaktionen organisieren. Auch wenn es nichts nützt, käme es besser in den Medien rüber. Mir scheint, daß das den meisten Amerikanern am Popöchen vorbei geht. Dann fahren sie eben woanders hin, zum Baden. H.
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