Ölleck in der Nordsee Umweltschützer hadern mit Shell

Schon seit Mittwoch läuft Öl aus einer Shell-Förderanlage in die Nordsee. Doch die Firma machte das Problem erst jetzt öffentlich. Umweltschützer sind sauer. Sie fordern ein zentrales Register für derartige Unfälle.

Gannet-Alpha-Plattform (2009): "Höchst verbesserungswürdig"
DPA / ROYAL DUTCH SHELL

Gannet-Alpha-Plattform (2009): "Höchst verbesserungswürdig"


Berlin - Im Hauptquartier des Ölkonzerns Shell weiß man, wie sich PR-Debakel anfühlen. So wurde das Unternehmen im Jahr 1995 wegen der geplanten Versenkung des schwimmenden Tanklagers "Brent Spar" zum Lieblingsfeind der Umweltschützer. Auch das langjährige Engagement des Konzerns im Nigerdelta - begleitet von großflächigen Verseuchungen und politisch zweifelhaften Verstrickungen - sorgte für ungezählte Negativschlagzeilen. Und doch kann sich das Unternehmen offenbar nicht recht zu einer transparenten Kommunikationskultur durchringen.

Seit Mittwoch läuft, wie sich nun herausstellt, an einer Anlage des Konzerns in der zentralen Nordsee Öl aus. Betroffen ist die Verbindung zwischen einer Ölquelle und der Gannet-Alpha-Plattform. Die 1992 in Betrieb genommene Fördereinrichtung steht rund 180 Kilometer östlich von Aberdeen in rund 95 Meter tiefem Wasser. Doch erst am Samstag äußerte sich die Firma öffentlich zu der Angelegenheit - nachdem die BBC darüber berichtet hatte.

Und Shell blieb auch weiter recht schmallippig. Wie viel Öl ist insgesamt ausgetreten? Seit wann waren die Probleme bekannt? Wie weit sind die Säuberungsarbeiten genau? Keine Antwort. Am Samstagnachmittag teilte das Unternehmen dann mit, auf einem bis zu 31 mal vier Kilometer großen Meeresgebiet schwimme ein dünner Ölfilm. Er werde aber nach aktueller Einschätzung vom aktuell starken Wind und den rund zwei Meter hohen Wellen aufgelöst. Man gehe nicht davon aus, dass das Öl die Küste erreiche.

Britische Dokumente belegen, wie häufig Probleme auftreten

Das Leck in einer Leitung auf dem Meeresgrund sei inzwischen mit einem ferngesteuertern Unterwasser- Roboter untersucht worden. Das Ventil an der Ölquelle sei geschlossen. Und ein Schiff mit Ölbekämpfungs-Equipment an Bord stehe bereit. Eine Sprecherin der zuständigen britischen Küstenwachbehörde MCS sagte SPIEGEL ONLINE, man überwache die Arbeiten von Shell. Derzeit habe man keinen Grund zur Klage.

Doch Umweltschützer sind wütend. Greenpeace-Ölexperte Jörg Feddern nennt Shells Kommunikationsverhalten "höchst verbesserungswürdig". Bisher müssten die Konzerne bei Ölaustritten auf hoher See noch nicht einmal zwingend die Behörden informieren. Das müsse sich schnellstens ändern. "Ölfirmen sollten verpflichtet werden, das an eine zentrale Stelle zu melden."

Selbst die freiwilligen Meldungen der Konzerne zeichnen freilich ein besorgniserregendes Bild. Der "Guardian" hatte kürzlich auf Basis des britischen Informationsfreiheitsgesetzes Daten von der zuständigen Aufsichtsbehörde eingefordert. Ein Blick in die Register der Health and Safety Executive (HSE) zeigte, wie häufig es bei der Öl- und Gasförderung in der Nordsee tatsächlich zu Problemen kommt: Ungefähr einmal pro Woche, so war in der Zeitung zu lesen, treten Lecks auf; Öl und Gas entweichen demnach in ernstzunehmenden Mengen.

Greenpeace-Mann Feddern kommt nach seinen Informationen für das vergangene Jahr auf 187 Fälle allein im britischen Sektor. Seine Kollegin Juliet Swann von Friends of the Earth nennt den aktuellen Fall "hochgradig beunruhigend": "Jedes Auslaufen von Öl sollte uns ein Warnzeichen sein, das uns antreibt, eine Zukunft mit sauberen, erneuerbaren Energien anzustreben, statt weiter in schmutziges Öl zu investieren."

chs



insgesamt 6 Beiträge
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mitbestimmender wähler 14.08.2011
1. Shell und BP Europa?
Shell s Umweltschäden in der Nordsee und Nigeria. Nana da schreiben die immer über die Chinesen oder Russen und ihre Lecks aber..... Europas Shell und BP sind die grössten Sünder, einsame Spitze
Nachtheinigte 14.08.2011
2. Ölleck in der Nordsee
Fukushima läßt grüßen, alles halb so schlimm, alles unter Kontrolle, die Behörden wissen es schon seit zwei Jahren,ha, ha, alles Filz! Die Umweltschützer kennen schon ihre Pappenheimer, Brent spar, oder mittlerweile auch Tepco, Halbwahrheiten und Lügen, zugeben was nicht mehr zu leugnen ist (Salamitaktik) sind das probate Mittel solcher Konzerne.
miezemaus 14.08.2011
3. ..Brent Spar lässt grüßen...
..tja Shell,..nix gelernt! Ganz klar gehts nur um eigene Interessen - Umwelt und Menschheit sind denen offensichtlich völlig wurscht! Wieder ein Tankstellenboykott nötig?? - obwohl ARAL ist auch nix besser..
eva1811 14.08.2011
4. Das Dilemma mit den Plattformen - eine Idee unterirdischer Ölsperrring?
Das Dilemma mit den Plattformen und die Förderung des "schwarzen Goldes", tja haben wir nix gelernt aus dem Desaster mit der BP-Katastrophe? Warum gibt es eigentlich bei solchen Bauten nicht gleich bei der Planung ein Konzept dazu, sollte ein Leck auftreten, das hier "unter Wasser eine Art Ölsperrring" aufgeblasen werden kann?? (oder so was in der Art??).
DerLautePöbel 14.08.2011
5. Marskolonien
ICh sehe hier kein Problem. Wenn dieser Planet für den Menschen unbewohnbar ist ziehen wir einfach auf den Mars. Die Wohnanlagen der Marskolonien sind doch schon fertig, richtig?!
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