Ölpest im Golf von Mexiko BP wagt riskanten Austausch des Absaugtrichters

Im Kampf gegen die Ölpest hofft BP auf eine neue Absaugvorrichtung: Der Konzern hat damit begonnen, einen neuen Zylinder über das Leck am Meeresboden zu stülpen. Bis zum Abschluss der komplexen Operation strömt nun die komplette Ölmenge ungehindert ins Meer.

AP

Washington - Es ist ein riskantes Verfahren. Doch die Hoffnung ist groß: Kann ein neuer Metalltrichter die Ölpest im Golf von Mexiko stoppen? Um die neue Absaugvorrichtung zu installieren, mussten Techniker mit Hilfe von Robotern am Samstag die bisherige Kappe entfernen. Sie saß seit Anfang Juni auf dem sogenannten Blowout Preventer, einem riesigen Ventilsystem über dem Hauptbohrloch - aber so lose, dass nur ein Teil des austretenden Öls damit abgefangen werden konnte.

Dieser Deckel soll nun möglichst bis Montagmittag durch einen neuen fest versiegelten "Hut" ersetzt werden. BP hofft, dass damit der gesamte Strom ins Meer gestoppt und das Öl über mehrere Leitungen auf Schiffe auf der Wasseroberfläche geleitet werden kann.

Wenn alles nach Plan verlaufe, könne es bereits am Montag oder Dienstag so weit sein, sagte Chuck Wolf von der Einsatzleitung in New Orleans im US-Bundesstaat Louisiana. "Wir sind vorsichtig optimistisch."

BP steht wieder mal unter Zeitdruck

Tatsächlich steht BP beim Auswechseln der Deckel unter größtem Zeitdruck. Denn nach dem Entfernen der alten Kappe fließt das Öl nun erst einmal wieder ungebremst ins Meer. Aus dem Zylinder waren in den vergangenen Wochen täglich gut 2000 Tonnen des austretenden Öls - nach Schätzungen insgesamt 8200 Tonnen am Tag - auf ein Schiff gepumpt worden.

Die Montage des neuen Deckels ist ein kompliziertes Unterfangen. Roboter müssen erst einmal einen Rohrstumpen mit zackigen Enden abschrauben, der aus dem "Blowout Preventer" ragt und verhinderte, dass der bisherige "Hut" fest genug saß. Sollte es aber mit dem Aufstülpen des neuen Zylinders nicht klappen, will BP nach bisherigen Plänen auf die alte Bedeckung zurückgreifen. Sie wurde daher in der Nähe des "Blowout Preventer" geparkt.

Drei Saugtanker im Einsatz

BP will auch möglichst ab Sonntag ein drittes Schiff zum Absaugen des Öls aus dem Leck einsetzen. Der Saugtanker "Helix Producer" allein soll aus dem "Blowout Preventer" täglich mehr als 3400 Tonnen Öl "aufschlürfen". Zusammen sollen die Aufsaugkapazitäten am Ende deutlich größer sein als die Menge Öl, die nach schlimmsten Vermutungen pro Tag austritt.

Zugleich bohrt BP weiter zwei Nebenzugänge zum Hauptbohrloch in den Meeresboden. Der erste könnte Ende des Monats auf das Loch treffen und BP dann Schlamm und Zement zum endgültigen Versiegeln der Quelle einleiten. Die neue Kappe sei keine Dauerlösung, betonen der Konzern und Admiral Thad Allen von der Küstenwache, der Ölpest-Sonderbeauftragte von Präsident Barack Obama.

Die vom BP-Konzern betriebene Plattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko explodierte am 20. April und sank zwei Tage später. Das führte zur größten Ölkatastrophe in der US-Geschichte. Das ausströmende Öl bedroht vor allem die Ökosysteme im Golf von Mexiko und an den Küsten im Süden der USA.

rom/dpa/DAPD



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Fritz Katzfuß 11.07.2010
1. Größte Ölkatastrophe
inder geschichte der USA... nur der USA? Gab es weltweit schon eine größere? Die hat BP verursacht durch Habgier und Schlamperei... und die Firma gibt es noch... außer als Entschädigungsmasse- und sie verbreitet noch ein aprilfrisches Image... und jetzt ist es wieder Zeit für ein neues Wagnis... ja, im Intersse der Fische hoffe ich, dass es diesen Superingenieuren jetzt endlich gelingt, ihre Dreckschleuder abzustellen... aber ich fürchte BP will nur so tun als ob, sie was täte...
gloton7, 11.07.2010
2. Enteignen! Sofort!
Zitat von Fritz Katzfußinder geschichte der USA... nur der USA? Gab es weltweit schon eine größere? Die hat BP verursacht durch Habgier und Schlamperei... und die Firma gibt es noch... außer als Entschädigungsmasse- und sie verbreitet noch ein aprilfrisches Image... und jetzt ist es wieder Zeit für ein neues Wagnis... ja, im Intersse der Fische hoffe ich, dass es diesen Superingenieuren jetzt endlich gelingt, ihre Dreckschleuder abzustellen... aber ich fürchte BP will nur so tun als ob, sie was täte...
BP verseucht das Meer. Wer das Meer verseucht, verseucht die Lebensgrundlage aller Menschen. Deshalb müssen alle Länder der Welt Schadensersatzforderungen aufstellen. Wenn US-Gerichte das Bohren erlauben, dann muss die UNO einschreiten und mit Waffengewalt das Zerstören der Lebensgrundlage verhindern. Der Terror geht von den Ölgesellschaften aus. Kein Öl aus dem Meer!
titurel 11.07.2010
3. Da werden nicht mehr viele Fische sein
Zitat von Fritz Katzfußinder geschichte der USA... nur der USA? Gab es weltweit schon eine größere? Die hat BP verursacht durch Habgier und Schlamperei... und die Firma gibt es noch... außer als Entschädigungsmasse- und sie verbreitet noch ein aprilfrisches Image... und jetzt ist es wieder Zeit für ein neues Wagnis... ja, im Intersse der Fische hoffe ich, dass es diesen Superingenieuren jetzt endlich gelingt, ihre Dreckschleuder abzustellen... aber ich fürchte BP will nur so tun als ob, sie was täte...
Im übrigen stimme ich Ihnen zu, gebe aber zu bedenken: informieren Sie sich mal über die Sauereien anderer großer Ölfirmen (haben Sie ja vielleicht schon gemacht). Solange die Verbraucher weltweit nicht ein verändertes Konsumverhalten praktizieren (Autos, Plastik...) wird sich nicht viel verändern.
Gandhi, 11.07.2010
4. Da die UN kein unabhaengiges Gremium ist,
Zitat von gloton7BP verseucht das Meer. Wer das Meer verseucht, verseucht die Lebensgrundlage aller Menschen. Deshalb müssen alle Länder der Welt Schadensersatzforderungen aufstellen. Wenn US-Gerichte das Bohren erlauben, dann muss die UNO einschreiten und mit Waffengewalt das Zerstören der Lebensgrundlage verhindern. Der Terror geht von den Ölgesellschaften aus. Kein Öl aus dem Meer!
sondern in hohem Mass von den USA dominiert wird, sind Ihre Forderungen illusorisch. Es gibt aber einen Weg, den Umweltverbrechern das Handwerk zu legen, naemlich in dem man statt Geldstrafen zu verhaengen, die Verantwortlichen ins Gefaengnis steckt.
Meckerliese 11.07.2010
5. Idioten
Bei dieser Firma sind anscheinend nur Idioten am Werk. Wie langen wollen die noch herumdoktern bis endlich das Öl gestoppt ist? Hoffentlich wehren sich endlich die Staaten, die schon verseuchte STrände haben. Was ich nicht verstehe Obama bringt auch nichts gebacken. Der hat doch sogar vom Iran Hilfe angeboten bekommen und hochnäsig abgelehnt. Sowas gibts doch nicht, lieber die Umwelt kaputtgehen lassen. Veilleicht wachen erst welche auf wenn der letzte Fisch im Meer gestorben ist. Toll danke an BP
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