Ölpest im Golf von Mexiko Rettende Bohrung dauert noch 90 Tage

Ein Ende der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko ist vorerst nicht in Sicht: Nur eine Entlastungsbohrung in 6000 Metern könnte die sprudelnde Ölquelle stoppen - diese dauert laut US-Küstenwache aber mindestens 90 Tage. Dazu hat der Wind gedreht, auch Floridas Küsten sind nun bedroht.

Golf von Mexiko: 800.000 Liter Rohöl laufen pro Tag aus
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Golf von Mexiko: 800.000 Liter Rohöl laufen pro Tag aus


Washington - Eine rasche Entspannung im Katastrophengebiet im Golf von Mexiko scheint unwahrscheinlich. Die US-Küstenwache zeigte sich am Montag pessimistisch über die Aussichten zum Eindämmen der Ölpest. Die Arbeiten an einer Entlastungsbohrung in etwa 6000 Meter Tiefe würden im besten Fall 90 Tage dauern, sagte Küstenwachenchef Thad Allen in Washington. Eine solche Bohrung sei die einzige realistische Möglichkeit, den Druck zu mindern und die Quelle zu stopfen.

Aus der Quelle fließen täglich etwa 800.000 Liter Rohöl ins Meer. Der dadurch entstandene Ölteppich bedroht mehrere am Golf liegende US-Bundesstaaten. Der Öl-Multi BP, der Anteilseigner der gesunkenen "Deepwater Horizon" war, erwägt die Entlastungsbohrung. Außerdem entwickelte der Konzern ein System, mit dem das aus der Bohrinsel ins Meer fließende Öl unter Wasser aufgefangen und von dort in einen Tanker geleitet werden solle. Am Wochenende kann das System vor Ort eingesetzt werden, erklärte BP-Chef Tony Hayward.

Durch die Ölpest sind mittlerweile auch die Strände Floridas gefährdet. Der Wind habe sich mehr in nordöstliche Richtung gedreht, teilten Meteorologen mit. Dazu wird ruhigeres Wetter für die Region erwartet. Bislang war das Öl aufgrund der stürmischen See über die Barrieren geschwappt, die den 200 Kilometer langen Ölteppich daran hindern sollen, auf die Küste zuzutreiben. Auch das geplante Abfackeln des Öl-Teppichs konnte wegen des hohen Wellengangs bisher noch nicht stattfinden.

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Ölpest: US-Küste droht Katastrophe
Auf der "Deepwater Horizon" hatte sich am 20. April eine Explosion ereignet, bei der elf Arbeiter ums Leben kamen. Zwei Tage später sank die Plattform. Am Freitag hatten die ersten Ausläufer des Ölteppichs die Küste Louisianas erreicht. Die Ratingagentur Fitch schätzte die Kosten der Reinigungsaktion auf zwei bis drei Milliarden Dollar (bis zu 2,25 Milliarden Euro). Bereits am Freitag hatte BP-Boss Hayward erklärt, der Konzern übernehme die volle Verantwortung für das Unglück und die Kosten der Rettungsmaßnahmen.

Auch US-Präsident Barack Obama hatte den Ölkonzern ausdrücklich als Verantwortlichen für den Unfall auf der Bohrinsel genannt. "Wir haben es mit einer massiven und womöglich beispiellosen Umweltkatastrophe zu tun", sagte Obama, der die Krisenregion am Wochenende besuchte. Das nach wie vor ausströmende Öl könne schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft und die Umwelt der US-Bundesstaaten am Golf von Mexiko haben. Die Ölpest könne die Existenz von tausenden US-Bürgern gefährden, die dort zuhause sind, sagte Obama.

jok/Reuters/AFP

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Hilfskraft 30.04.2010
1. Berauscht vom Bohr-Boom
Zitat von sysopDie Ölpest im Süden der USA nimmt immer dramatischere Ausmaße an und erreicht inzwischen die Küste. Hätte die Katastrophe verhindert werden können? Hat das Krisen-Management funktioniert?
Wenn man den Hals nicht voll kriegt, erstickt man halt dran. H.
kdshp 30.04.2010
2. aw
Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko entlarvt die Schwachstellen der Tiefseebohrung: Die Förderfirmen bauen immer größere Anlagen, doch auch die Risiken steigen. Auf der Plattform "Deepwater Horizon" wurde auf ein spezielles Sicherheitssystem verzichtet - möglicherweise aus Kostengründen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,692282,00.html Hallo, ja das ist nicht nur auf ölbohrinseln so! Ich erlebe täglich das hier in deutschland unternehmen an der sicheheit sparen. Wenn was passiert ist der schaden oft viel höher als die ganze sicherung vorher. Deswegen sollte BP hier nicht nur alles bezahlen sondern auch eien strafe zahlen und oder gar verboten werden sollte.
Gegengleich 30.04.2010
3. Ersticken?
Zitat von HilfskraftWenn man den Hals nicht voll kriegt, erstickt man halt dran. H.
Was heißt erstickt dran? Schauen Sie mal nach den weltweit größten Konzernen. Und dann, wieviele Öl-Mulits darunter sind. Von Ersticken kann da keine Rede sein.
Hubert Rudnick, 30.04.2010
4. Berauscht vom Öl?
Zitat von sysopDie Ölpest im Süden der USA nimmt immer dramatischere Ausmaße an und erreicht inzwischen die Küste. Hätte die Katastrophe verhindert werden können? Hat das Krisen-Management funktioniert?
Erdöl ist in unserer Gesellschaft ein sehr wichtiger Rohstoff, dass man damit auch sehr viel Geld verdienen kann, dass zeigen uns die Konzerne jeden Tag. Aber wer die Rohstoffvorkommen unseres Planeten ausbeuten will, den Nutzen davon tragen möchte, der sollte auch dazu gezwungen werden, dass die Menschen auch hinterher noch gut in ihren Regionen leben können. Man sagt wo gearbeitet wird, da geschehen dann auch Unglücke und Katastrophen, dass gehört anscheinend zusammen, aber wir sollten mit der Zeit gelernt haben diese zu minimieren und die Schäden zurückzudrängen. Wenn nun bei der Förderung der Rohstoffe es zu Katastrophen kommt, dann sollten aber auch die Betreiber schnellsten und fachgerecht zum Schutze der Menschen und der Umwelt was erfolgreiches dagegen machen. Sollte denn keiner heutzutage in der Lage sein, diese Katastrophe schneller einzudämmen? Ich glaube nicht, dass man solche oder andere Katastrophen total ausschließen kann, aber man sollte besser auf so etwas vorbereitet sein. Wir Menschen hinterlassen über unsere Spuren, aber viele davon sollte man eben schnellsten beseitigen.
Realo, 30.04.2010
5. Lesen & verstehen !
Zitat von kdshpDie Ölkatastrophe im Golf von Mexiko entlarvt die Schwachstellen der Tiefseebohrung: Die Förderfirmen bauen immer größere Anlagen, doch auch die Risiken steigen. Auf der Plattform "Deepwater Horizon" wurde auf ein spezielles Sicherheitssystem verzichtet - möglicherweise aus Kostengründen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,692282,00.html Hallo, ja das ist nicht nur auf ölbohrinseln so! Ich erlebe täglich das hier in deutschland unternehmen an der sicheheit sparen. Wenn was passiert ist der schaden oft viel höher als die ganze sicherung vorher. Deswegen sollte BP hier nicht nur alles bezahlen sondern auch eien strafe zahlen und oder gar verboten werden sollte.
Die Bohrinsel gehörte Transocean. BP hat sie lediglich nachträglich gemietet. Einen 3 Preventer nachträglich einzubauen ist nicht möglich. Also bitte posten Sie nicht so einen Quatsch....Danke !
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