Herkunft von Lachsen Ich seh dir in die Ohren, Kleines

Dank einer neuen Methode können Forscher bestimmen, aus welcher Region wandernde Fische stammen. Für Lachse könnte das besseren Schutz bedeuten.

Corbis

Ohrsteine sind kleine Körnchen aus Kalziumkarbonat, die bei vielen Lebewesen zu finden sind. Auch uns Menschen helfen besonders kleine Kristalle bei der Orientierung im Raum. Wissenschaftler haben nun am Beispiel von Königslachsen gezeigt, dass sich mithilfe von Ohrsteinen auch bestimmen lässt, woher ein bestimmtes Tier stammt. Die kleinen Körnchen weisen in Abhängigkeit davon, wo ein Fisch geboren wurde und wo er sein erstes Lebensjahr verbracht hat, eine unterschiedliche Verteilung von Isotopen des chemischen Elements Strontium auf, berichten Forscher im Fachmagazin "Science Advances".

Wissenschaftler um Sean Brennan von der University of Alaska Fairbanks hatten Lachse aus der Bristol Bay im US-Bundesstaat Alaska untersucht. Sie machten sich dabei zunutze, dass die Ohrensteine bei den Fischen schichtweise wachsen und ähnlich wie Bäume Wachstumsringe bilden. Beim Wachsen nehmen sie aus dem Wasser Strontium auf, das aus dem Gestein ausgewaschen wird. In verschiedenen Gesteinsarten finden sich natürlicherweise verschiedene Varianten des Elements Strontium. Deshalb besitzt auch das Wasser bestimmter Regionen eine unterschiedliche Strontium-Signatur. Die einzelnen Wachstumsringe verraten, wo sich ein Fisch zu bestimmten Zeiten seines Lebens aufgehalten hat.

Die Forscher untersuchten das Verhältnis zweier Strontium-Isotope in den Ohrsteinen von 255 Königslachsen, die Fischer gefangen hatten. In die Bristol Bay mündet der Nushagak River, der zusammen mit seinen Nebenflüssen ein wichtiger Laichort für die Königslachse ist. Königslachse schwimmen zum Laichen aus dem Ozean in ihre heimatlichen Fließgewässer. Die Jungfische verbringen das erste Lebensjahr dort, bevor sie ins Meer wandern. Jedes Jahr machen sich etwa 200.000 Fische auf den Weg.

Durch Überfischung gefährdet

Die Wissenschaftler verglichen das Strontium-Signal in den Ohrsteinen mit dem Signal des Wassers verschiedener Regionen. So stellten sie fest, dass das erste Lebensjahr der Königslachse unterschiedlich verlaufen kann: 72 Prozent der Fische verweilten demnach das gesamte Jahr an ihrem Geburtsort, während 7 Prozent nach ihrer Geburt in eine andere Flussregion wechselten. 17 Prozent blieben am Ort, machten aber gelegentliche Abstecher in andere Regionen. Vier Prozent wiederum schwammen erst in einen anderen Fluss und später flussabwärts in die Mündungsgebiete, bevor sie schließlich in See stachen.

Wildlachse sind durch Überfischung, Klimawandel und Verschmutzung gefährdet - in Alaska und anderswo. "Wenn man weiß, dass ein gewisser Prozentsatz der Tiere einen bestimmten Fluss aufsucht, dann weiß man, dieser Fluss ist wichtig", so Diego Fernandez von der University of Utah in Salt Lake City.

Das Verfahren lässt sich im Grundsatz auch zur Untersuchung anderer Arten einsetzen, da sich Strontium zum Beispiel auch in den Federn von Vögeln oder in Zähnen sammelt. Aber auch Steinzeitkrimis sind mithilfe dieses chemischen Elements schon gelöst worden.

chs/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.