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04. Juli 2007, 09:53 Uhr

Orang-Utans

Innovationen führen zur Erdnuss

Wasser als Werkzeug: Orang-Utans sind erfindungsreich, wenn sie eine Leckerei vor Augen haben, an die sie einfach nicht herankommen. Im Leipziger Zoo beobachteten Forscher jetzt, wie die Affen den Wasserspiegel manipulierten, um nach Erdnüssen fischen zu können.

Leipzig - Fünf Orang-Utan-Damen im Leipziger Zoo haben Forschern vorgeführt, wie man an eine Erdnuss kommt. Für den winzigen Snack taten die großen Menschenaffen Einiges - soviel sogar, dass sie mit Rabenvögeln gleichzogen. Die Schwarzgefiederten gelten gemeinhin als die Top-Tiere beim Lösen komplexer Aufgaben.

Orang-Utan: Komplexe Lösung führt zur Erdnuss
DPA

Orang-Utan: Komplexe Lösung führt zur Erdnuss

In dem Experiment von Natacha Mendes vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig schwamm eine Erdnuss in einer durchsichtigen Röhre. Diese hatte einen Durchmesser von fünf Zentimetern, eine Länge von 26 Zentimetern und war nur zu einem Viertel mit Wasser gefüllt. Daher kamen die Menschenaffen nicht direkt an das Futter. Wollten sie die Belohnung bekommen, mussten sie zuerst den Wasserspiegel so hoch steigen lassen, dass sie die Nuss schließlich mit den Fingern herausfischen konnten.

Wie den Orang-Utans das gelang, berichten Mendes und ihr Team in einem Beitrag für das Fachmagazin "Biology Letters" der britischen Royal Society in London: Die Tiere spuckten mehrere Münder voller Wasser in die Röhre. Das Wasser holten die Versuchstiere aus einem Spender, der ein fester Bestandteil des Versuchskäfigs ist und nicht extra für das Experiment eingebaut wurde. Nie zuvor hatten die Affen Wasser als Hilfsmittel in anderen Experimenten benutzen müssen.

Jedes Mal zielstrebiger

Fünf weibliche Orang-Utans im Alter zwischen 7 und 32 Jahren nahmen an dem Experiment teil. Alle fünf Affen kamen auf die Idee mit dem Wasserspiegel. Im Durchschnitt mussten die Tiere drei Mal ihren Mund am Wasserspender füllen. Sobald sie einmal diese Lösung gefunden hatten, kamen sie immer schneller an die Nuss heran: Waren es beim ersten Mal noch knapp zehn Minuten, brauchten sie beim letzten der zehn Versuche nur noch 30 Sekunden - und gingen dabei auch immer zielstrebiger vor.

Verhaltensforscher identifizieren bei Säugetieren und Vögeln schnell aufeinander folgend erstaunliche Fähigkeiten, die einst bloß dem Menschen zugesprochen wurden. So hatten im Jahr 2002 englische Forscher im Fachmagazin "Science" von einer Neukaledonischen Krähe berichtet, die aus einem geraden Stückchen Draht spontan einen Haken bog, um damit an Futter in einer engen Glasröhre zu gelangen.

Im Februar berichteten US-Forscher im Wissenschaftsjournal "Nature" von Buschhähern, die sich die Zukunft vorstellen und vorausplanen. Im April zeigten Wissenschaftler aus Österreich und Ungarn, dass Hunde nicht bloß nachäffen, sondern ganz selektiv abgucken. Im Juni erst wurde von Leipziger Kollegen der Orang-Utan-Forscherin Mendes vermeldet: Schimpansen handeln manchmal uneigennützig.

stx/ddp/dpa

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