Orang-Utans Macho-Gehabe zieht bei Weibchen nicht

Hat er ernste Absichten, oder lässt er einfach nur den Macho raushängen? Orang-Utan-Weibchen können anhand der Tonfrequenz des Gebrülls erkennen, ob ein Männchen liebestoll ist oder Rivalen abschrecken will. Nur auf ernstgemeinte Avancen reagieren die Weibchen dann.

DPA

Tuanan/Basel - Wenn Niko, Kentung oder Fugit im Naturreservat Tuanan auf Borneo mal anfangen zu brüllen, dann ist das ohrenbetäubende Geschrei selbst im dichten Dschungel noch mehr als einen Kilometer weit zu hören. Manchmal landen die Orang-Utan-Männchen damit einen Volltreffer: Dann nämlich, wenn sich ein Weibchen von den dröhnenden Schreien und das laute Grummeln angezogen fühlt und näher kommt.

Doch nicht immer ist das Geplärre der Tiere von Erfolg gekrönt. Warum das so ist, haben jetzt Biologen um Carel van Schaik von der Universität Zürich herausgefunden, indem sie das Brüllen der drei Orang-Utan-Männchen genauer untersuchten und dessen Tonfrequenz analysierten.

Ausschließlich geschlechtsreife Männchen sind in der Lage, dieses besondere Gebrüll von sich zu geben. Dabei stoßen sie eine Serie dröhnender Schreie und ein lautes Grummeln in einer bestimmten Tonfrequenz ab. Wie Schaik und sein Team herausfanden, zieht bei den Orang-Utan-Weibchen nicht jedes Brüllen. In der Zeitschrift "Ethology" der Ethologischen Gesellschaft in Basel berichten die Forscher, die Weibchen könnten an der Tonlage genau erkennen, ob das Männchen ernst gemeinte Avancen macht - oder nur einen Rivalen auf Distanz halten und lediglich den Macho raushängen lassen will.

Offenbar lässt sich ein Orang-Utan-Männchen nämlich auch durch andere Rufer in der Nähe zu einem solchen Brüller hinreißen. Manchmal ist es aber auch nur reines Imponiergehabe. Dann macht er oft noch zusätzlich Radau und zerschlägt tote Äste. Die Biologen vergleichen dies mit dem furchteinflößenden Auf-die-Brust-Trommeln der Gorillas.

Doch die Macho-Nummer unterscheidet sich vom liebestollen Brüllen durch eine andere Frequenz und kürzere Schreie. Und diesen kleinen aber sehr wohl feinen Unterschied erkennen zumindest diejenigen Weibchen ganz genau, die keinen von ihnen abhängigen Nachwuchs haben, stellten die Forscher fest: Geschlechtsreife und paarungswillige Orang-Utan-Damen kamen nur dann näher, wenn das Brüllen tatsächlich ihnen galt - das Dominanzgeschrei zwischen Männchen ignorierten sie dagegen. Orang-Utan-Damen mit Nachwuchs im Schlepptau ließen sich dagegen von den Rufen gleich gar nicht locken.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war der Name des Autors falsch genannt. Zudem war die Unterscheidung der Weibchen-Populationen nicht eindeutig beschrieben. Alle untersuchten Weibchen waren geschlechtsreif, sie unterschieden sich allein darin, ob sie ein abhängiges Jungtier hatten oder nicht. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

cib/dpa



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
frubi 10.03.2010
1. .
Zitat von sysopHat er ernste Absichten, oder lässt er einfach nur den Macho raushängen? Orang-Utan-Weibchen können anhand der Tonfrequenz des Gebrülls erkennen, ob ein Männchen liebestoll ist oder Rivalen abschrecken will. Nur auf ernstgemeinte Avancen reagieren die Weibchen dann. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,682764,00.html
Da haben uns die Orang-Utan`s einiges voraus. Bei unseren Weibchen ist das wohl noch nicht so angekommen.
korbi89 10.03.2010
2. tja
Zitat von frubiDa haben uns die Orang-Utan`s einiges voraus. Bei unseren Weibchen ist das wohl noch nicht so angekommen.
Seltsam, war auch mein erster Gedanke
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.