Oregon Meerestiere ersticken in der Todeszone

Sauerstoffmangel im Meerwasser vor der US-Westküste tötet Fische und Krabben. Schon zum fünften Mal in Folge beobachten Forscher diese Todeszone im Pazifik - und sie wird größer.


Als Forscher im Sommer 2002 zum ersten Mal auf die Todeszone aufmerksam wurden, gingen sie noch von einer Anomalie aus - interessant, aber unwichtig. "Aber jetzt, nach fünf Jahren in Folge, denken wir darüber nach, ob es irgendwelche grundlegenden Änderungen im Ozean vor der Westküste gegeben hat", sagte Jane Lubchenco von der Oregon State University.

Was die Meeresforscherin beunruhigt, kann auch von Spaziergängern an den Pazifikstränden des US-Bundesstaates Oregon besichtigt werden: Ungewöhnlich viele tote Krabben wurden dort in den vergangenen Wochen angeschwemmt - sie sind erstickt. Auf dem Meeresboden teilen viele Grundfische dieses Schicksal.

Mit Forschungsschiffen haben Lubchenco und ihre Kollegen herausgefunden: Etwa im Gebiet eines Rechtecks zwischen den Küstenstädten Lincoln City und Florence im Osten und der Kante des Kontinentalschelfs im Westen fehlt es dem Meer an Sauerstoff. Wasserproben weisen auf einen rund 3200 Quadratkilometer großen Bereich hin, in dem das lebenspendende Gas Mangelware ist. Dieser ist damit nach Angaben der "New York Times" größer als in den Jahren zuvor und sogar rund viermal so groß wie im Jahr 2002.

Ursachen unbekannt, Klimawandel verdächtigt

Die auch von den Wissenschaftlern als "Todeszone" bezeichnete Konstellation entsteht, wenn Winde starke Strömungen verursachen, die für einen Zustrom an nährstoffreichem, aber sauerstoffarmem Wassers aus großen Tiefen sorgen. Dadurch wird das Planktonwachstum begünstigt, es kann zu Planktonblüten kommen. Herrschen Bedingungen wie derzeit vor der Küste Oregons, können Bakterien, die sich vom abgesunkenen toten Plankton ernähren, so viel Sauerstoff verbrauchen, dass das Gas im Wasser knapp wird - zu knapp für die Tiere am Boden.

Der Meeresökologe Hal Weeks, der ebenfalls an der Oregon State University arbeitet, hatte bei einem Treffen vor anderthalb Jahren Fischer und Forscher befragt, ob sie sich an ein vergleichbares regelmäßiges Phänomen in dieser Gegend erinnern könnten. "Laut den Erinnerungen dieser Leute gab es kein Muster und keine Regelmäßigkeit", sagte Weeks der "New York Times".

Was die lebensfeindliche Sauerstoffunterversorgung letztendlich verursacht, ist noch nicht klar. Lubchenco glaubt aber schon einige Gründe ausschließen zu können: Die Klimaphänomene El Niño und La Niña kämen ebenso wenig in Frage wie langfristige Zyklen der Ozeanbewegung. Nun rückt der Klimawandel als Ursache ins Blickfeld der Forscher. Von der globalen Erwärmung veränderte Höhenströmungen - sogenannte Jet Streams - könnten die Bedingungen vor der Westküste verändert haben.

Auf einer weiteren Fahrt mit dem Forschungsschiff wollen die Wissenschaftler nun auf dem Meeresboden nach toten Krabben und Fischen suchen, um das Ausmaß des Sterbens vor der Küste besser beurteilen und mögliche Folgen für die örtlichen Fischer einschätzen zu können. Ändern sich die Windverhältnisse, verschwindet die Todeszone erfahrungsgemäß wieder. Ob sie im Sommer 2007 zurückkehren wird, ist offen.

stx



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.