Sturmprognosen "Xavers" Kraft reicht bis Freitagabend

Hurrikanartige Böen drücken schon einen Tag lang an die Küste, im Binnenland war der Wind schwächer als erwartet. "Xaver" hat sich zunächst unterschiedlich ausgewirkt. Meteorologen warnen: An der Küste drohe weiter eine schwere Flut. Schneefall und Sturm seien auch am Freitag zu erwarten.

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Hamburg - "Xaver" überzieht einen Großteil Deutschlands am Abend und in der Nacht mit starken Böen, Regen und später auch Schnee. Im Norden stürmt es schon seit der Mittagszeit, das windige Regengebiet mit dicken Wolken rückt nach Süden vor. "Xaver" ist ein außergewöhnlich andauernder Sturm, einen Tag lang hält er schon mit Hurrikanstärke auf die Nordseeküste.

Abseits von Küsten und Bergland, wo extreme Böen gemessen wurden (siehe Liste unten), blieb der Sturm aber bislang vielerorts schwächer als vorhergesagt. Abgesehen von einigen Starkböen wehte in Hamburg und Niedersachsen die berühmte steife Brise, aber kein Orkan. Doch der Sturm soll erneut auffrischen im Laufe der Nacht. Die Wetterdienste halten ihre Sturmwarnung bis einschließlich Freitag aufrecht. Das öffentliche Leben, der Verkehr an Flughäfen, bei der Bahn und auf dem Meer bleibt stark eingeschränkt.

"Xavers" Weg

Die Zugbahn des Tiefdruckgebiets entspricht den Prognosen von Anfang der Woche: "Xaver" schiebt sich über die Nordsee hinweg ostwärts. Satellitenbilder zeigen einen Wolkenhaken vor Südnorwegen - er zeichnet die Spur des Sturms, der um das Tiefdruckgebiet Richtung Mitteleuropa strömt. Der starke Nordwestwind trifft Deutschland. Er verlagert sich allmählich auf die Ostsee und Ostdeutschland.

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Extreme Windböen: "Xaver" aus der Luft
"Xavers" Treibstoff

Treibstoff des Sturms ist das Zusammentreffen kalter Polarluft mit milder Atlantikluft, die sich über die schwere kalte Luft schiebt. Die Meeresluft steigt auf, wird von der Erddrehung in die Kurve gezwungen, so dass sich ein Tiefdruckwirbel bildet. Je größer der Temperaturunterschied, desto mehr Luft steigt gewöhnlich auf, das Tief verstärkt sich. Der Kontrast zu höherem Luftdruck im Süden erzeugt Wind: Je größer der Druckunterschied, desto stärker der Sturm. Wenn sich "Xaver" ins Baltikum verlagert, mildern sich die Luftdruckkontraste über Europa, der Wind lässt am Freitagabend nach.

Aktuelle Wind-Prognosen

Norddeutschland muss den Prognosen zufolge bis in den Freitag mit starkem Sturm, Niederschlägen und vereinzelten Gewittern rechnen. Der Sturm greift immer weiter nach Westdeutschland und nach Süden über; am Abend erreicht Starkwind auch Franken, Hessen und Bayern. Nur das südwestliche Rheintal und Niederungen südlich der Donau bleiben wohl von heftigen Böen verschont, prophezeien die Wetterdienste. Nachts verlagert sich der Wind zudem ostwärts, so dass Brandenburg, Berlin und Sachsen mit extremen Böen rechnen müssen. Im Nordosten, besonders in Ostseenähe, könnte der Sturm morgens erneut auffrischen.

Mit dem Wind gelangt kalte arktische Luft nach Deutschland. Im Norden geht der Regen im Laufe des Abends voraussichtlich in Schnee über; Meteorologen warnen vor Straßenglätte. Im Laufe der Nacht ziehen die Schauer bis nach Süddeutschland, vielerorts könnte es schneien, sagen die Meteorologen voraus. An der Nordsee und in Hamburg droht eine schwere Sturmflut. Deiche werden aktuellen Prognosen zufolge aber nicht überflutet.

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"Xavers" Böen: Neue Windvorhersagen bis Freitag
Gemessene Windböen bis 20 Uhr an der Nordsee (eine Auswahl; Quelle: unwetterzentrale.de)

174 km/h in List auf Sylt

163 km/h in Hörnum auf Sylt

154 km/h auf Helgoland

146 km/h auf Wangerooge

137 km/h auf Büsum

137 km/h auf Spiekeroog

135 km/h in Westerhever

Gemessene Windböen bis 20 Uhr abseits der Nordsee (eine Auswahl; Quelle: unwetterzentrale.de)

154 km/h auf Hiddensee

150 km/h auf dem Brocken im Harz

126 km/h in Bad Harzburg-Burgberg

122 km/h in Glücksburg-Meierwik bei Flensburg

115 km/h in Fichtelberg im Erzgebirge

109 km/h in Tarp bei Schleswig

109 km/h auf der Zugspitze

107 km/h in Braunlage-Wurmberg

107 km/h in Flensburg (Schäferhaus)

104 km/h in Travemuende

102 km/h in Berlin-Wannsee

102 km/h in Kap Arkona/Ruegen

100 km/h in Itzehoe

100 km/h in Putlos, Ostholstein

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Orkantief: "Xaver" legt Norden lahm
Drei Sturmfluten erwartet

"Xaver" treibt drei schwere Sturmfluten an die Nordseeküste und nach Hamburg. Jeweils mit den Gezeiten wird alle zwölf Stunden eine Flut auflaufen - die Kraft von "Xaver" reicht ungewöhnlich lange, weil er voraussichtlich fast zwei Tage aus Nordwesten bläst. Der maximale Wasserstand hängt davon ab, wie stark der Wind zum Zeitpunkt des Gezeitenhochwassers weht und aus welcher Richtung er dann kommt.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie warnt vor rund drei Meter höherem Hochwasser als normal in der Nacht zum Freitag an der Nordsee; die Prognosen wurden etwas nach oben korrigiert. "Im Elbegebiet und an der nordfriesischen Küste" wären gar vier Meter mehr als bei normalem Hochwasser möglich. Die Deiche würden demnach nicht überspült. Aber niedrig gelegene Straßen werden geflutet und auf Nordseehalligen droht Land Unter.

"In der kommenden Nacht werden meine Frau und ich kein Auge zumachen, wie vermutlich keiner der Bewohner auf den Halligen", sagte Fiede Nissen von der Hallig Langeneß. Die erste schwere Sturmflut hat die schleswig-holsteinische Nordseeküste nach ersten Behördenmeldungen glimpflich überstanden. "Bisher wurden uns keine größeren Schäden gemeldet", sagte der Direktor des Landesbetriebs für Küstenschutz, Johannes Oelerich, am Donnerstagnachmittag. Kleinere Schäden an Deichen gebe es allerdings. In Husum stand das Wasser nach Angaben Oelerichs um 15.30 Uhr um 3,06 Meter über dem mittleren Hochwasser. Erwartet worden waren 2,50 Meter.

In Hamburg wird das Wasser am frühen Freitagmorgen gegen 5 Uhr am höchsten auflaufen. Das BSH warnte vor Wasserständen um 3,50 Meter über dem normalen Hochwasser, womöglich auch mehr. Damit wäre die Grenze zu einer sogenannten sehr schweren Sturmflut überschritten. "Das ist noch kein Problem für die Deiche", betonte Sylvin Müller-Navarra vom BSH. Viele Flächen würden aber überflutet - etwa der Fischmarkt, Teile der Speicherstadt, Straßen in Blankenese und die Promenade der Hafencity.

So wird es am Freitag

Der Sturm bleibt. Im Norden, zunehmend im Osten und vor allem an den Küsten und auf Höhenlagen drohten Orkanböen, warnt der Deutsche Wetterdienst DWD. Vielerorts wird Straßenglätte zur Gefahr. In der Nacht zu Freitag sei in ganz Deutschland verbreitet mit Schneeschauern zu rechnen. An der Nordsee und in Hamburg droht auch am Freitag Sturmflut, allerdings erreichen die Pegel wohl nicht mehr den Höchststand der Nacht. Die DWD sagt Temperaturen von meist knapp über null Grad in den Niederungen und Schnee, Graupel und Regen für den Großteil des Landes voraus. Am Samstag flaut der Wind ab; "Xaver" ist vorbeigezogen.

Mit Material von dpa

insgesamt 42 Beiträge
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itzenflitz 05.12.2013
1. Hmmm,
theoretisch sollten hier im Binnenland in ca. 25 km Entfernung zur Küste momentan etwa 110 - 140 km/h Windgeschwindigkeit erreicht haben. Geschätzt haben wir 60 km/h, irgend etwas passt hier nicht... :-)
MaxSeelhofer 05.12.2013
2. Das darf doch nicht wahr sein ... !!!
Das darf doch nicht wahr sein - ein "Sturm", ohne vom Menschen verursachten Klimawandel (Klimawandel gibt es/hat es seit Millionen von Jahren gegeben, seit 99.999etc.% der Zeit OHNE Menschen - aber dies nur nebenbei ...). Und die "Tornados", die "Hurrikane", die "Erdbeben" und "Tsunamis", etc.? Tja, die hat es immer, mal mehr mal weniger, seit Millionen von Jahren gegeben, seit 99.999etc.% der Zeit OHNE Menschen. – Too bad ...!!! – Tragisch für die Opfer - war selber mal ziemlich schwer (zum Glück "nur" "materiell")Hurrikan-geschädigt in der Karibik (nicht ferienhalber, "nur" "berufshalber" ... ).
bbb2 05.12.2013
3. Hmm Hmm
auch hier direkt an der Ostseeküste ist nichts von einem außergewöhnlichem Sturm zu merken. Ja, es stürmt, aber wie an 30 oder mehr anderen Tagen auch. Von daher mutet die aktuelle Nachrichtenlage etwas übertrieben an.
günter1934 05.12.2013
4. Windmühlen
Heute nachmittag leisteten die Windkraftanlagen in Deutschland 26,5 GW, ein rekordverdächtiger Wert bei 31 GW installierter Maximalleistung. Allzu viele dürften da noch nicht wegen Orkan beigedreht sein.
thg 05.12.2013
5. jetzt gerade
21:00 uhr - 700 m ü NN in NRW: der wind kommt in sehr starken Böen. Es schneit und die Wälder heulen. Nicht wie damals bei Kyrill aber doch ausgesprochen unfreundlich. Ich bleib lieber drinnen. ....
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