Ostsee bei Greifswald Trächtige Kegelrobbe ist verschwunden

Die Hoffnung auf die Geburt des ersten Kegelrobbenbabys an der deutschen Ostseeküste hat einen Dämpfer erhalten. Das trächtige Weibchen ist von der Insel Greifswalder Oie verschwunden - womöglich Richtung Dänemark.
Offenbar trächtige Robbe (Dezember 2014): "Keine Spuren am Strand"

Offenbar trächtige Robbe (Dezember 2014): "Keine Spuren am Strand"

Foto: Mathias Mähler/ dpa

Greifswalder Oie - Experten bangen um die erste Geburt einer Kegelrobbe an der deutschen Ostseeküste seit Jahrzehnten. Die trächtige Kegelrobbe sei an der Insel Greifswalder Oie seit Tagen nicht mehr gesehen worden, sagte der Leiter der Vogelbeobachtungsstation Jordsand, Mathias Mähler. Möglicherweise habe sich das Tier nach kräftigen Winden zusammen mit anderen Artgenossen auf den Weg Richtung Bornholm und der dortigen Erbseninseln gemacht. Diese gelten als traditioneller Kegelrobben-Wurfplatz.

Damit könnte sich wiederholen, was die Jordsand-Mitarbeiter bereits im vergangenen Jahr auf der Oie beobachtet hatten: Nach kräftigen Ostwinden im Januar 2014 wanderte ein ebenfalls trächtiges Kegelrobbenweibchen noch vor der Geburt von der Insel ab. "Wir müssen jetzt abwarten, bis sich der Wind gelegt hat", sagte Mähler. "Wenn in der zweiten Wochenhälfte weiter so wenig Tiere gesichtet werden, können wir davon ausgehen, dass sie weg ist."

Die Geburt einer Kegelrobbe wäre nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) ein Meilenstein für die Wiederansiedlung der Tiere in der südlichen Ostsee. Dort waren sie in den Zwanzigerjahren komplett ausgerottet worden. Anfang der Achtzigerjahre war der Bestand in der ganzen Ostsee durch Jagd und Schadstoffbelastung auf rund 5000 Tiere geschrumpft. Derzeit leben in der Ostsee nach BfN-Schätzungen rund 30.000 Tiere, davon aber nur rund 50 bis 60 vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns.

Mähler fügte an, dass Kegelrobben üblicherweise vor der Geburt den Strand inspizieren, an dem sie werfen wollen. Dies sei bislang auf der Oie nicht passiert. "Wir haben keine Spuren an dem als Wurfplatz infrage kommenden Strand gefunden."

hda/dpa
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