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01. Februar 2017, 15:01 Uhr

Ostsee

Delfin tötete wohl Schweinswale

In der Ostsee waren in den vergangenen Monaten immer wieder tote Schweinswale gefunden worden. Eine Obduktion hat nun ergeben: Wahrscheinlich hat ein Delfin mehrere Tiere getötet.

Manchmal scheint es, als würden Delfine freundlich lächeln - doch sie sind letztlich auch nur wilde Tiere. Das hat sich nun wieder einmal in der Ostsee gezeigt: Ein Delfin hat dort wohl sechs Schweinswale getötet. Das habe die Obduktion der Tiere ergeben, sagte Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung.

Seit September waren insgesamt acht tote Schweinswale in der Ostsee gefunden worden. Sechs der Tiere seien an einem sogenannten stumpfen Trauma gestorben. Die Wale wiesen Knochenbrüche und andere innere Verletzungen auf.

Diese Verletzungen passten sehr gut zur Delfin-Theorie, sagte Groß. Es ist seit den Neunzigerjahren bekannt, dass Delfine Schweinswale angreifen oder mit ihnen spielen. Sie rammen mit ihrem Kopf in die Seite der Wale oder katapultieren diese mithilfe ihrer Schwanzflosse aus dem Wasser.

Ist "Freddy" der Killer?

"Die Tiere wiesen Rippenbrüche auf beiden Seiten auf", sagte Groß. Wenn sie von einem Schiff gerammt werden, würden die Rippen hingegen nur auf einer Seite brechen.

Zudem fallen die Funde der toten Wale zeitlich und geographisch zusammen mit den Sichtungen von mindestens einem Delfin in der Ostsee. Im vergangenen Jahr war "Freddy" durch die Kieler Förde geschwommen und hatte zahlreiche Besucher angelockt.

Ob "Freddy" aber tatsächlich die Schweinswale getötet hat, ist unklar. Im Prinzip könnten auch mehrere Delfine in der Ostsee schwimmen. "Nicht bei jeder Sichtung gab es ein gutes Fotos von der Rückenflosse", sagt Groß. An den Flossen lassen sich einzelne Tiere unterscheiden. Derzeit liefen noch Analysen, wieviele und welche Delfine vor der deutschen Küste unterwegs waren. Möglicherweise handelt es sich um Tiere, die sonst vor Schottland durch den Atlantik schwimmen.

Biss- oder DNA-Spuren seien an den Walkadavern nicht gefunden worden, sagte Groß. Nur damit könnte man letzte Zweifel an der Delfin-Theorie ausräumen. So müssen sich die Forscher damit begnügen, dass ein Delfin "sehr wahrscheinlich" der Killer war.

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