Ostsee Delfin tötete wohl Schweinswale

In der Ostsee waren in den vergangenen Monaten immer wieder tote Schweinswale gefunden worden. Eine Obduktion hat nun ergeben: Wahrscheinlich hat ein Delfin mehrere Tiere getötet.

Delfin im September 2016 in der Ostsee
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Delfin im September 2016 in der Ostsee


Manchmal scheint es, als würden Delfine freundlich lächeln - doch sie sind letztlich auch nur wilde Tiere. Das hat sich nun wieder einmal in der Ostsee gezeigt: Ein Delfin hat dort wohl sechs Schweinswale getötet. Das habe die Obduktion der Tiere ergeben, sagte Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung.

Seit September waren insgesamt acht tote Schweinswale in der Ostsee gefunden worden. Sechs der Tiere seien an einem sogenannten stumpfen Trauma gestorben. Die Wale wiesen Knochenbrüche und andere innere Verletzungen auf.

Diese Verletzungen passten sehr gut zur Delfin-Theorie, sagte Groß. Es ist seit den Neunzigerjahren bekannt, dass Delfine Schweinswale angreifen oder mit ihnen spielen. Sie rammen mit ihrem Kopf in die Seite der Wale oder katapultieren diese mithilfe ihrer Schwanzflosse aus dem Wasser.

Ist "Freddy" der Killer?

"Die Tiere wiesen Rippenbrüche auf beiden Seiten auf", sagte Groß. Wenn sie von einem Schiff gerammt werden, würden die Rippen hingegen nur auf einer Seite brechen.

Zudem fallen die Funde der toten Wale zeitlich und geographisch zusammen mit den Sichtungen von mindestens einem Delfin in der Ostsee. Im vergangenen Jahr war "Freddy" durch die Kieler Förde geschwommen und hatte zahlreiche Besucher angelockt.

Schweinswale sind mit Delfinen verwandt, sie werden bis zu 2,5 Metern lang
DPA

Schweinswale sind mit Delfinen verwandt, sie werden bis zu 2,5 Metern lang

Ob "Freddy" aber tatsächlich die Schweinswale getötet hat, ist unklar. Im Prinzip könnten auch mehrere Delfine in der Ostsee schwimmen. "Nicht bei jeder Sichtung gab es ein gutes Fotos von der Rückenflosse", sagt Groß. An den Flossen lassen sich einzelne Tiere unterscheiden. Derzeit liefen noch Analysen, wieviele und welche Delfine vor der deutschen Küste unterwegs waren. Möglicherweise handelt es sich um Tiere, die sonst vor Schottland durch den Atlantik schwimmen.

Biss- oder DNA-Spuren seien an den Walkadavern nicht gefunden worden, sagte Groß. Nur damit könnte man letzte Zweifel an der Delfin-Theorie ausräumen. So müssen sich die Forscher damit begnügen, dass ein Delfin "sehr wahrscheinlich" der Killer war.

sep



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
lachina 01.02.2017
1. Mit Verlaub , abc,
Sie haben das Anliegen von PETA gar nicht verstanden. Es geht um die ethische Behandlung von Tieren DURCH den MENSCHEN, nicht durch andere Tiere. Natur ist Natur, ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass Schweinswale ins Beuteschema von Delphinen fallen, da muss es einen anderen Auslöser geben, warum sie von den Tieren angegriffen werden. Wesentlich l mehr Schweinswale sterben übrigens durch Stellnetze oder Desorientierung durch den Lärm Off-Shore- Windparks und Schiffsverkehr/ Wassersport
bretone 01.02.2017
2. Bitte besser recherchieren!
Lieber Spiegel-Redakteur, bitte besser zur Unterwasser-Biologie recherchieren! Delfine und Tümmler neigen dazu, bei (gefühlter) Gefahr einige Meter davon zu schwimmen, um dann umzukehren und mit großer Geschwindigkeit den Gegner mit dem Roster (dem Maul) in den Bauch oder die Flanke zu rammen. Das hat beispielsweise bei Haien, die dem Nachwuchs der Delfine oder Tümmler gefährlich nahe kommen, teils lebensbedrohliche Folgen. Es kann also durchaus sein, dass jener Delfin, von welchem im Artikel die Rede ist, in Selbstverteidigung gehandelt hat.
moosi1 01.02.2017
3. Beuteschema
Lachina! Auch ich bin ganz freundlich, aber zu meinem von der Natur und Kultur überlieferten Beuteschema gehören Schwein, Kaninchen, Rind und diverse Fische. PETA wird verstehen, dass für mich Tiere gezüchtet, gemästet und getötet werden. Bei uns wird aber alles gegessen, was getötet wird - außer Wühlmäuse und Blattläuse
Thomas Schnitzer 01.02.2017
4.
Zitat von lachinaSie haben das Anliegen von PETA gar nicht verstanden. Es geht um die ethische Behandlung von Tieren DURCH den MENSCHEN, nicht durch andere Tiere. Natur ist Natur, ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass Schweinswale ins Beuteschema von Delphinen fallen, da muss es einen anderen Auslöser geben, warum sie von den Tieren angegriffen werden. Wesentlich l mehr Schweinswale sterben übrigens durch Stellnetze oder Desorientierung durch den Lärm Off-Shore- Windparks und Schiffsverkehr/ Wassersport
1. Bisher habe ich es so vernommen, dass Menschen ebenfalls Tiere sind, weshalb die anderen als nichtmenschliche Tiere zu bezeichnen sind. Darüber hinaus sei es speziesistisch, zwischen fühlenden Kreaturen Unterschiede zu postulieren. Insofern ist der Delfin aber dann doch zu verurteilen, oder nicht? Schließlich hat er gleichgestellte, arglose Mitgeschöpfe angegriffen, oder? 2. Eine Wort- bzw. Signalhäufigkeitsanalyse der verwendeten Laute von Delfinen hat ergeben, dass es sich bei diesen Lauten um eine Sprache mit Informationsgehalt handelt, und nicht um willkürliche Laute, was durchaus den fundierten Schluss zulässt, dass Delfine sowohl über Intelligenz als auch über ein Egobewusstsein verfügen. Mit anderen Worten, sie sind uns Menschen auf diesem Feld recht nahe gekommen. Das aber wiederum würde doch auch bedeuten, dass der bewusst handelnde Delfin ebenfalls den ethischen Pflichten unterliegt, denen auch wir unterliegen, oder nicht?
perser1987 01.02.2017
5. Jetzt muss ich mich
schon vor Flipper in acht nehmen !! ;-) Lasst der Natur doch ihren Lauf . Vielleicht nur ein kleiner eskalierter Nachbarschaftsstreit. Hehe.
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