Ostsee-Fangquoten Lachs und Scholle werden geschont

Die EU-Fischereiminister haben sich auf neue Fangquoten für die Ostsee geeinigt. Deutsche Fischer dürfen kommendes Jahr unter anderem weniger Heringe aus dem Meer holen. Umweltschützern reicht das nicht.
Fisch-Trawler (Archiv)

Fisch-Trawler (Archiv)

Foto: AFP

Die EU-Länder haben sich auf neue Fangquoten in der Ostsee für das kommende Jahr verständigt. Die EU-Fischereiminister einigten sich am Morgen in Luxemburg auf eine Verringerung der Fangmengen bei mehreren wichtigen Fischarten. Das teilte der estnische Minister Siim Kiisler mit. Estland hat derzeit den Vorsitz unter den EU-Staaten inne.

Die notwendigen Kürzungen seien "schmerzlich für die deutschen Ostseefischer", sagte Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Eine langfristige wirtschaftliche Perspektive für die Fischerei werde jedoch nur durch "gute Bestände" gesichert. Umweltschützer nahmen die neuen Fangquoten mit gemischten Gefühlen auf.

Mit der Einigung der EU-Fischereiminister werde ein "Beitrag zur weiteren Erholung der Bestände und zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Ostsee" geleistet, sagte Schmidt. Seinem Ministerium zufolge blieben die Kürzungen der Fangquoten bei mehreren Fischarten aber unter Forderungen oder Vorschlägen von Anrainerstaaten oder der EU-Kommission.

Weniger Lachs und Scholle

Die EU-Kommission gibt vor den Verhandlungen Empfehlungen ab, die auf wissenschaftlichen Gutachten zum Zustand der einzelnen Bestände basieren. In den Verhandlungen geht es darum, Kompromisse zwischen den Interessen der Fischfangindustrie und dem Schutz der Fischbestände zu finden.

So dürfen deutsche Fischer im kommenden Jahr deutlich weniger Hering aus der westlichen Ostsee ziehen als noch 2017. Die dort erlaubte Fangmenge werde um 39 Prozent gesenkt. Die Fangquoten für den für Deutschland ebenfalls wichtigen Dorsch in der westlichen Ostsee bleiben demnach unverändert.

Beim östlichen Dorsch verständigten sich die Minister nach den rund 20-stündigen Verhandlungen darauf, die erlaubte Fangmenge 2018 um acht Prozent zu senken. Einschränkungen gibt es auch bei Scholle sowie bei Lachs in der gesamten Ostsee, wo die Quoten um zehn, beziehungsweise fünf Prozent gesenkt werden. Erhöht werden hingegen die erlaubten Fangmengen für Hering in der zentralen Ostsee um 20 Prozent und für Sprotte in der gesamten Ostsee um ein Prozent.

Umweltschützer bemängeln zu hohe Fangmengen

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte, die EU-Fischereiminister erlaubten "auch im kommenden Jahr zu hohe Fangmengen". Damit verschärfe sich die Überfischung der Ostsee. Schmidt beuge sich "den kurzsichtigen Interessen der Fischereiindustrie" und ignoriere wissenschaftlich empfohlene Höchstmengen.

Besonders tragisch werde sich dies auf die Aal-Bestände auswirken, erklärte Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack. Um den Aal in der Ostsee vor dem Aussterben zu bewahren, sei ein Fangverbot die einzige Möglichkeit.

Die EU-Kommission hatte ein Aalfangverbot gefordert. Dies nahmen die Minister allerdings nicht an. Stattdessen soll beim nächsten Treffen im Dezember nach einer gesamteuropäischen Lösung zum Schutz des Aals gesucht werden.

Die Naturschutzorganisation WWF zeigte sich ebenfalls kritisch. "Die Situation der deutschen Brotfische in der westlichen Ostsee ist besorgniserregend. Bei den hauptsächlich von Deutschland und Dänemark bewirtschafteten Beständen von Dorsch und Hering haben die Minister die Bestandserholung bisher nicht in den Griff bekommen", sagte WWF-Fischereiexpertin Stella Nemecky. "Die diesjährige Entscheidung ist zwar ein guter Schritt, wird aber das Ziel der Fischereipolitik, bis 2020 gesunde Bestände zu erreichen, verfehlen."

Mit den Gesamtfangmengen wird bestimmt, wie viel Fisch von einem bestimmten Bestand in einem jeweiligen Jahr gefangen werden darf. Die Gesamtfangmengen werden unter den EU-Staaten dann als nationale Quoten verteilt. Wenn das in einer Quote erlaubte Kontingent ausgeschöpft wurde, darf das jeweilige Land dort vorübergehend keine Fische mehr fangen. Im Dezember wird voraussichtlich über die Fangquoten für die Nordsee und den Atlantik für das kommende Jahr entschieden.

brt/AFP/dpa