Ostsee Forscher staunen über Rückkehr der Dorsche

In Teilen der Ostsee schwimmen wieder so viele Dorsche wie vor 20 Jahren. Doch nicht jeder freut sich über die wachsenden Bestände - besonders schwedische Fischer ärgert der Appetit der zurückgekehrten Raubfische.
Dorsche im Ozeaneum Stralsund: Bestände in der östlichen Ostsee haben sich erholt

Dorsche im Ozeaneum Stralsund: Bestände in der östlichen Ostsee haben sich erholt

Foto: Z5038 Stefan Sauer/ dpa

Rostock - In der östlichen Ostsee hat sich der Dorschbestand überraschend schnell vollständig erholt. "Dafür haben mehrere stärkere Jahrgänge und der Rückgang der illegalen Fänge gesorgt", sagt der Rostocker Fischereiexperte Christopher Zimmermann. "Im Gebiet bei der Insel Bornholm können sich die Fischer kaum retten vor lauter Dorsch." Die Größe der Population mit fast 400.000 Tonnen entspreche dem Bestand von vor 20 Jahren. "Das werden wir hoffentlich bei vielen Fischbeständen erleben."

Laut Zimmermann ist die Erholung des Bestands auf die von der Wissenschaft vorgeschlagenen Fisch-Managementpläne zurückzuführen. Der Forscher nennt jedoch auch bedenkliche Effekte der Entwicklung. So ballten sich die Fische auf einem sehr viel geringeren Raum als vor 20 Jahren. Den Grund dafür kennen die Wissenschaftler bisher nicht.

Sprotten werden knapp

"Eine Folge dieser Konzentration ist, dass die Sprotten als Lieblingsspeise des Dorsches in diesem Gebiet langsam knapp werden", sagte Zimmermann. Das ärgere die schwedischen Fischer, die traditionell eher die bis 15 Zentimeter großen Schwarmfische bejagen. "Wir sind an dem Punkt, an dem Dorsche so viel Sprotten wegfressen, dass die Wissenschaft sagt, da bleibt für den Menschen weniger übrig, und die Sprotten-Fangmenge muss reduziert werden."

Es sei Aufgabe der Politik, einen Kompromiss zwischen den unterschiedlichen nationalen Interessen zu finden und dabei auch die Fischpopulationen dauerhaft zu schützen, betonte der Biologe. Eine wissenschaftliche Antwort auf die Frage nach der optimalen Bewirtschaftung aller Fischbestände gebe es nicht.

In der westlichen Ostsee steht es weniger gut um den Dorsch. "Er ist noch überfischt, er hat sich zwar erholt, ist aber noch nicht vollständig im grünen Bereich". Zudem sei er nicht so wählerisch bei der Nahrung. "Dorsche in der westlichen Ostsee fressen alles, was sich bewegt." Die Fische tragen den wissenschaftlichen Namen Gadus morhua, im Atlantik werden sie Kabeljau, in der Ostsee Dorsch genannt.

Interessanterweise seien auch die Fischverarbeiter nicht glücklich mit dem rasanten Anstieg der Dorschzahlen in dem relativ kleinen Gebiet bei Bornholm. "Wegen des eingeschränkten Nahrungsangebots in der östlichen Ostsee sind die Fische so mager, dass sie durch die Schlacht- und Filetiermaschinen durchrutschen", sagte Zimmermann.

wbr/dpa