Bildband über Ozeantiere Fotografieren, wo andere forschen

Weit unter der Meeresoberfläche sind die Bewohner der Ozeane von absoluter Dunkelheit umgeben. Mit Leuchtzellen schaffen sie sich Licht - ein traumhaftes Motiv. Ein opulenter Bildband zeigt nun faszinierende Aufnahmen aus dieser unbekannten Welt.

Solvin Zankl

Manche Meeresbewohner kennt jeder. Seepferdchen, Rochen, Haie - alles schon mal im Zoo oder auf Fotos gesehen. Es gibt aber auch Tiere in den Ozeanen, die nur Wissenschaftler kennen. Sie wohnen in der Tiefsee, Hunderte und Tausende Meter unter dem Meeresspiegel, in tiefer Dunkelheit. Hier beginnt der "Kosmos des Ungewissen", wie es Autor Lars Abromeit im Bildband "Ozeane - Expedition in unerforschte Tiefen" nennt. -1 bis 4 Grad kalt ist es dort, in den untersten Ozeanschichten drückt das Meer mit bis zu 1000 Kilogramm auf einen Quadratzentimeter des Körpers.

Dort wohnen unter anderem Krebse, Garnelen und Quallen. Sie sind nur wenige Zentimeter groß, tragen machmal Leuchtzellen wie Laternen vor sich her und formen die abenteuerlichsten Silhouetten. Zum Beispiel die Megalopa-Larve. Das 1,2 Zentimeter kleine Tier, das später mal ein Krebs wird, sieht aus wie ein Eiskristall und erinnert an eine Schneeflocke, die im Winter an der Fensterscheibe klebt. Mit den verästelten Beinchen kann es sich beim Schweben im Wasser abstützen.

Oder der Großflossenkalmar. Von ihm wurden nicht einmal eine Handvoll Exemplare von Menschen gesichtet. Im Bildband ist das einzige jemals geschossene Foto eines Exemplars zu sehen. Er sieht aus wie ein orangefarbener zehn Zentimeter großer Oktopus, der in an seinem Kopf einen riesigen Pfannkuchen mit sich schleppt. Mit diesem auffallend großen Flossensaum gelingt es ihm möglicherweise, in der dunklen Weite energiesparend zu gleiten. Genau wissen es die Forscher jedoch nicht.

Das Buch zeigt Fotos des Meeresbiologen und Naturfotografen Solvin Zankl. Seine Fotoreportagen erscheinen im Magazin "Geo". Auf seinen Reisen hat Fotograf Zankl Schildkröten in der Karibik dokumentiert, ist auf einem Forschungsschiff in die Antarktis mitgefahren und war bei den Pinguinkolonien auf den Falkland-Inseln zu Gast.

Die Bilder aus der Tiefsee sind nur ein Kapitel des Bildbands. Auch Tiere aus den tropischen, subtropischen Meeren und aus den Polarmeeren sind in detailreichen Aufnahmen zu sehen. Seegurken, Kraken, Nacktschnecken - zum Gruseln und Staunen.

"Die Bilder und Erkenntnisse sind nur ein Bruchteil einer Welt, die noch immer zu großen Teilen unerforscht bleibt", schreibt der Journalist und Fernsehmoderator Ranga Yogeshwar im Vorwort des Buches. Jede Expedition, jeder Tauchgang, jede Probe aus der Tiefsee offenbare das Ausmaß unserer Unwissenheit.

"Unsere Welt hier oben, mit all ihren überflüssigen Sonderangeboten beeinflusst unsere kostbare Welt dort unten," schreibt Yogeshwar. Laufe die Entwicklung so weiter, würden seine Enkel diese "fabelhaften Geschöpfe" unseres Planeten womöglich kaum mehr zu Gesicht bekommen.

kbl



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