Einfluss auf Jetstream Schrumpfendes Ozonloch verbessert Klima auf der Südhalbkugel

Seit Jahren lässt sich beobachten, dass sich das Ozonloch über der Antarktis wieder schließt. Jetzt zeigen Forscher: Das hat positive Effekte auf Starkwindbänder und das regionale Klima.
Satellitenbild von Feuerland und Kap Hoorn: "Klares Signal dafür, dass menschliche Handlungen das Erdklima beeinflussen können"

Satellitenbild von Feuerland und Kap Hoorn: "Klares Signal dafür, dass menschliche Handlungen das Erdklima beeinflussen können"

Foto: NASA

Die allmähliche Erholung der Ozonschicht über der Antarktis hat offenbar die Verlagerung der Jetstreams Richtung Südpol gestoppt. Seit dem Jahr 2000 sei dieser Trend aufgehalten oder sogar leicht rückläufig, berichtet eine Forschergruppe um Antara Banerjee von der University of Colorado (USA) in der Fachzeitschrift "Nature" . Als Jetstreams werden Starkwindbänder bezeichnet, deren Veränderungen das regionale Klima beeinflussen können.

Die Ozonschicht liegt in ungefähr 15 bis 35 Kilometern Höhe in der Stratosphäre. Sie schützt Lebewesen auf der Erde vor den schädlichen Auswirkungen ultravioletter Strahlung von der Sonne. In den Achtzigerjahren wiesen Wissenschaftler erstmals ein Ausdünnen der Ozonschicht über der Antarktis nach. Und sie fanden heraus, dass hierfür vor allem Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) verantwortlich sind. Deshalb verboten Politiker zahlreicher Staaten diese Substanzen im sogenannten Montrealer Protokoll von 1987.

Ozonloch könnte im Jahr 2050 verschwunden sein

Mit der Entstehung des Ozonlochs über der Antarktis gingen Folgeprobleme einher. Messungen zeigten, dass sich zum Ende des 20. Jahrhunderts die sommerlichen Jetstreams rund um die Antarktis weiter nach Süden bewegten: etwa von 49 Grad zu 51 Grad südlicher Breite. Außerdem trug dies zur Erwärmung der Antarktischen Halbinsel, Patagoniens (Südamerika) und Neuseelands bei. West-Tasmanien und West-Neuseeland wiederum wurden trockener. Auch die Zirkulation, Temperatur und der Salzgehalt des Südlichen Ozeans sollen durch die Verlagerung der Jetstreams beeinflusst worden sein.

Etwa seit dem Jahr 2000 beobachten Forscher jedoch, dass sich das Ozonloch über der Antarktis allmählich wieder schließt. Dass dieser Prozess dynamisch ist und lange dauert, liegt vor allem an der Langlebigkeit der FCKW-Verbindungen. Jüngst wurde deshalb laut Deutschem Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sogar über der Arktis ein Ozonloch gemessen, das allerdings von einer spezifischen Windkonstellation und verschiedenen chemischen Vorgängen begünstigt wurde. Laut DLR widerspricht diese Beobachtung nicht der Einschätzung, dass sich die Ozonschicht insgesamt eher erholt. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) erklärte schon vor sechs Jahren, das Ozonloch über der Antarktis könne im Jahr 2050 Geschichte sein.

Die Forscher um Banerjee wollten deshalb herausfinden, ob sich das Verbot der FCKW indirekt auch auf die Starkwindbänder und das Klima der Südhalbkugel auswirkt. "Die Herausforderung in dieser Studie bestand darin, unsere Hypothese zu beweisen, dass die Ozonschichterholung tatsächlich diese atmosphärischen Zirkulationsänderungen antreibt und nicht nur ein Zufall ist", so Banerjee. Denn das Klimageschehen rund um den Südpol sei sehr variabel, so dass Trends nur mit aufwendigen statistischen Methoden sichtbar gemacht werden könnten.

Montrealer Protokoll hat Auswirkung auf Klima

Die Forscher verwendeten Daten aus den Jahren 1980 bis 2017 und verschiedene Klimamodelle. Mittels zahlreicher Simulationen konnten sie zunächst zeigen, dass die Veränderungen der Jetstreams nicht nur natürliche Ursachen wie zum Beispiel Vulkanausbrüche oder Änderungen in der Sonneneinstrahlung haben. Anschließend simulierten sie andere, vom Menschen beeinflusste Faktoren für die Veränderungen, etwa Treibhausgase oder die Ozonmenge. Das Team fand heraus, dass der Anteil des Ozons in der oberen Atmosphäre sehr gut erklärt, warum sich die Jetstreams nicht weiter nach Süden verlagern, sondern sogar ein leicht umgekehrter Trend erkennbar wird.

In einem Kommentar, der ebenfalls in der Fachzeitschrift "Nature" erschienen ist, schreibt Alexey Karpechko vom Finnischen Meteorologischen Institut in Helsinki: "Die Ergebnisse der Autoren liefern ein klares Signal dafür, dass menschliche Handlungen das Erdklima beeinflussen können: Das Montrealer Protokoll hat den mit dem Ozonabbau verbundenen Klimawandel angehalten." Gefährliche Emissionen zu begrenzen und Wirtschaftshandeln zu verändern, sei auch der Weg zur Bekämpfung der durch Treibhausgase verursachten globalen Erwärmung.

jki/dpa
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