Ozonschicht-Killer China produziert trotz Verbots offenbar FCKW

Die Ozonschicht schützt das Leben auf der Erde vor gefährlicher Strahlung aus dem All. FCKW-Gase zerstören sie und sind verboten - aber ihr Gehalt steigt wieder. Nun scheint die Quelle gefunden zu sein.

Simulation der Gaswolken über Ostasien
University of Bristol/ DPA

Simulation der Gaswolken über Ostasien


Trotz eines weltweiten Verbots wird das Gas Trichlorfluormethan, das die Ozonschicht schädigt, in China offenbar weiterhin produziert und verwendet. Ein internationales Forscherteam um Matt Rigby von der Universität Bristol hat eine Quelle für diese Substanz im Osten des Landes ausgemacht.

Das schließen die Forscher im Wissenschaftsblatt "Nature" aus Messungen in Südkorea und Japan sowie aus Simulationsmodellen für den Transport von Chemikalien in der Atmosphäre.

Trichlorfluormethan (CFC-11) gehört zu den Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), die früher als Kälte- oder Treibmittel in Spraydosen und für Kunststoffschäume verwendet wurden. Erst in den Siebzigerjahren gelang der Nachweis, dass FCKW die Ozonschicht schädigen - geht diese zurück, wird die Erde nicht mehr ausreichend vor UV-Strahlung der Sonne geschützt.

Entwicklung des Ozonlochs über der Antarktis während des Sommers 2013. Im Juni (links) wird es sichtbar, im September (rechts) ist es meist am größten.
DPA

Entwicklung des Ozonlochs über der Antarktis während des Sommers 2013. Im Juni (links) wird es sichtbar, im September (rechts) ist es meist am größten.

Nach der Entdeckung des Ozonlochs über der Antarktis im Jahr 1985 einigte sich die Staatengemeinschaft zwei Jahre später mit dem Montrealer Protokoll und folgenden Vereinbarungen auf eine drastische Reduzierung der FCKW-Emissionen. Seit 2010 gilt ein internationales Produktionsverbot für diese Ozonkiller.

Forscher beobachten seit 2013 einen FCKW-Anstieg

Erwartungsgemäß gingen die FCKW-Konzentrationen deutlich zurück. Daher habe die Forscher eine Nachricht aus dem vergangenen Jahr besonders aufgeschreckt, in der berichtet worden sei, dass die FCKW-Emissionen seit 2013 global gesehen wieder zunähmen, so Rigby in einer Mitteilung seiner Universität.

In ersten Untersuchungen konnte die CFC-11-Quelle, die in Ostasien vermutet wurde, nicht genau lokalisiert werden. Später fiel der Verdacht auf China.

Anstieg der FCKW-Konzentration in den vergangenen Jahren
University of Bristol/ DPA

Anstieg der FCKW-Konzentration in den vergangenen Jahren

Rigby und seinen Kollegen war aufgefallen, dass japanische und südkoreanische FCKW-Messstellen bis Ende 2017 Spitzenwerte registrierten, die weit über die globalen Mittelwerte hinausgingen.

Die Forscher kalkulieren, dass von 2008 bis 2012 pro Jahr rund 64.000 Tonnen Trichlorfluormethan ausgestoßen wurden, von 2014 bis 2017 sogar 75.000 Tonnen. Berechnungen und Simulationen mit Atmosphärenmodellen ergaben, dass knapp zwei Drittel dieser Emissionen aus China stammten.

Illegale Produktionsstätten

Die Wissenschaftler grenzten die Herkunft der Stoffe mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die ostchinesischen Provinzen Shandong und Hebei ein. "Es ist jetzt entscheidend, dass wir herausfinden, welche Branchen für die neuen Emissionen verantwortlich sind", sagt Rigby.

Gasmessstation in Südkorea
Korean Meteorological Administration/ DPA

Gasmessstation in Südkorea

Wenn die Emissionen auf die Herstellung und Verwendung von Produkten wie Schaumstoffen zurückzuführen seien, sei möglicherweise nur ein Teil der produzierten Gesamtmenge an Trichlorfluormethan direkt gemessen worden, betont er. Die übrige Menge könnte in Gebäuden und Kühlschränken eingeschlossen sein und in den kommenden Jahrzehnten in die Atmosphäre gelangen.

Wie aus einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) hervorgeht, haben chinesische Behörden zuletzt mehrere illegale CFC-11-Produktionsstätten geschlossen und gegen vier Firmen Geldstrafen verhängt.

Das Exekutivkomitee des Multilateralen Fonds für die Umsetzung des Montreal-Protokolls trifft sich vom 27. bis 31. Mai zu seiner 83. Sitzung in Montreal. Dort dürften die CFC-11-Emissionen ein zentrales Thema sein.

Als Unterzeichner des Montrealer Protokolls von 1987 hat auch China Trichlorfluormethan verboten.

boj/dpa



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The Restless 23.05.2019
1. Leider
Solche Schweinereien werden leider immer wieder von lokalen Behörden gedeckt, die dafür Schmiergeld nehmen. Das Risiko ist groß, denn wenn die Kontrolleure aus Peking aufkreuzen, hilft nur noch die schnelle Flucht. Manche haben entsprechend vorgesorgt, mit einem Pass für Singapur (das ihre gut situierten Bürger nicht nach China ausliefert).
permissiveactionlink 23.05.2019
2. Wirklich ?
Was ist daran denn so umwerfend neu ? Schon im letzten Jahr befragten Mitglieder der EIA (Environmental Investigation Agency) Mitarbeiter von 21 chinesischen Firmen, die Bauschäume und Dämmmaterialien produzieren. In 18 Firmen soll dabei CFC-11in großem Umfang eingesetzt werden. In der chinesischen Industrie ist das gängige Praxis, leider. Zum einen ist CFC-11 ein effektiveres Gas bei der Produktion von Dämmmaterialien, zum anderen ist es viel einfacher und deshalb preiswerter produzierbar als legale Alternativen. Zudem verführt der aktuelle Bauboom in China auch zum Verstoß gegen chinesische und internationale Gesetze, wenn man Konkurrenten durch günstigere Angebote ausstechen kann. Wer fragt denn in China schon danach, womit die Dämmmaterialien aufgeschäumt sind ? Eben ! Niemand !
freddydreher 23.05.2019
3.
Wir haben 4 Kinder und wollen eine ordentliche Welt hinterlassen. Wir kaufen null Produkte aus China. Es ist auch billiger, denn die Produkte aus anderen Ländern halten In der Regel länger. Leider sind immer wieder Vorprodukte aus China unvermeidlich. Leider ist den meisten meiner Bekannten Umwelt egal, SUV, kurzarbeiten, billiges Fleisch, etc.
Ganzaschlauer 23.05.2019
4. über Alibaba erhältlich
Es gibt bei Alibaba etliche Angebote für Triflourmethan, für 15 bis 60 USD/die Flasche. Ergo stellt es auch jemand her. Na, da brauchen wir ja keine Fridays for Future mehr und unsere Kinder können wieder in die Schule gehen. (Wenn man sich auch fragt, wofür eigentlich noch...)
permissiveactionlink 23.05.2019
5. #4, Ganzaschlauer
Aufpassen ! Trifluormethan (CHF3) ist nicht dasselbe wie Trifluorchlormethan bzw. CFC-11 (Summenformel : CClF3). Letzteres ist wegen des fehlenden Wasserstoffatoms nahezu inert und nicht abbaubar. Es reichert sich deshalb im Gegensatz zum "Fluoroform", CHF3, in der Stratosphäre an und sorgt dort für den Ozonabbau. CHF3 ist im Vergleich dazu geradezu harmlos, gehört auch nicht zu den FCKWs, ist unbrennbar und im Gegensatz zu Chloroform auch nicht giftig !
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