Lernfähigkeit Kampf um Weibchen macht Fliegen schlau

Nebenbuhler sind lästig, bieten auf lange Sicht aber einen wichtigen Vorteil, zumindest bei Fruchtfliegen: Die Konkurrenz bei der Paarung steigert die Hirnleistung.

Fruchtfliege: Wahl zwischen zwei Düften
Christi Gendron

Fruchtfliege: Wahl zwischen zwei Düften


Konkurrenz belebt die Hirnleistung. Wenn Fruchtfliegen-Männchen hundert Generationen lang nicht mit Rivalen um Weibchen konkurrieren müssen, leidet ihre Lernfähigkeit. Das haben Biologen der Universität Lausanne bei Experimenten mit Fruchtfliegen herausgefunden.

Brian Hollis und Tadeusz Kawecki brachten Fruchtfliegen-Männchen (Drosophila melanogaster) mit Weibchen zusammen. Damit sie sich nicht mit einem Nebenbuhler paaren, packten die Forscher sie in einem ersten Versuch separat in Gläser. Bei einer Vergleichsgruppe gab es diesen exklusiven Paarungsvorteil nicht - die Männchen konkurrierten immer mit Artgenossen um die Weibchen.

Das Leben einer Fruchtfliege dauert etwa einen Monat, ein Generationszyklus eine Woche. Die Forscher untersuchten in 100 nacheinander folgenden Generationen das Verhalten in beiden Paarungsanordnungen und verglichen es anschließend.

Das Ergebnis: Fruchtfliegen, die keine Konkurrenz gewohnt waren, paarten sich viel häufiger mit Weibchen, die nicht empfangsbereit waren, berichten die Forscher in der Zeitschrift "Proceedings of the Royal Society B". Tiere aus der Konkurrenzgruppe steuerten dagegen meist zielstrebig die empfangsbereiten Weibchen an. Dadurch hatten sie mehr Nachkommen. Die komplexe Situation habe jene Fliegen, die keine Konkurrenz gewohnt waren, überfordert.

Schock im Glas

In einem weiteren Experiment zeigten sie, dass das Paarungsverhalten der Fruchtfliegen beider Gruppen in Situationen ohne Konkurrenz gleich war. Auch die Bewegungsaktivität und andere Verhaltensmerkmale unterschieden sich nicht.

Im nächsten Teil testeten Hollis und Kawecki die Lernfähigkeit beider Gruppen. Dazu setzten sie die Fruchtfliegen nacheinander zwei verschiedenen Düften aus. Der eine Geruch war mit einem Schock verknüpft: Der Glasbehälter mit den Tieren wurde geschüttelt. Später konnten die Insekten an einer T-Kreuzung zwischen beiden Düften wählen. Die Fliegen aus der Konkurrentengruppe entschieden sich deutlich häufiger gegen den Duft, der mit dem Schütteln einherging. Sie hätten besser gelernt, die Schocksituation zu vermeiden, folgern die Forscher.

Denselben Test machten die Forscher auch mit den Weibchen. Jene aus der konkurrenzlosen Gruppe schnitten dabei sogar etwas besser ab als die Weibchen, die Konkurrenz gewohnt waren. Dass die Weibchen im Gegensatz zu den Männchen nicht an Hirnleistung einbüßten, erklären die Wissenschaftler so: Nach der konkurrenzlosen Befruchtung mussten sie ihren Eiablageplatz mit 50 anderen Weibchen teilen, so dass sie dort einer Konkurrenzsituation ausgesetzt waren.

boj/dpa

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insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
andre_22 26.02.2014
1. Toll
Selbst wenn sich die Hirnleistung einer Fruchtfliege verzehfachen sollte ist sie immer noch doof wie Stuten und weiss ein paar Sekunden nicht mehr was sie vorher getan hat!:))) Also von schlau kann keine Rede sein!:))
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