Paarungserfolg Mutiertes Gen macht Vögel attraktiv

Mit einem farbenprächtigen Federkleid versuchen Vogelmännchen bei ihren Partnerinnen zu punkten. Doch nicht etwa die fortwährende Auswahl durch die Weibchen, sondern genetische Fehlbildungen haben die Männchen mit den erfolgreichsten Gefiedern hervorgebracht.


Prächtiges Federkleid: Alles eine Frage der Gene?
DPA

Prächtiges Federkleid: Alles eine Frage der Gene?

Die schönsten Kleider haben nur einen Zweck: Sie sollen das andere Geschlecht beeindrucken. Mit einem möglichst ausgefallenen Federkleid - mit raffinierten Farben, Formen, Frisuren - versuchen die verschiedenen Vogelarten bei ihren Weibchen zu punkten. Bislang haben Biologen vermutet, dass dahinter sexuelle Selektion steckt: Die schönsten Vögel können sich die besten Partnerinnen aussuchen; im Laufe der Evolution setzen sie sich letztlich durch.

Doch beim Blättern in einem Vogelbestimmungsbuch fällt auf, dass nicht nur verwandte Arten ähnliche Federkleider tragen. Auch genetisch weit entfernte Spezies weisen mitunter dieselben Eigenschaften auf: 41 Vogelarten haben einen schwarzen Hals, neun eine orangefarbene Brust, 29 einen roten Schnabel. Woher diese parallele Evolution kommt, war bislang unklar.

Doch jetzt hat Nicholas Mundy von der Universität im britischen Cambridge eine mögliche Erklärung gefunden - und im Fachmagazin "Science" veröffentlicht. Zusammen mit Kollegen entdeckte der Zoologe, dass die Farbenpracht zweier nur sehr weitläufig verwandter arktischer Vogelarten durch dasselbe Gen bestimmt wird.

Sowohl Schneegänse als auch Schmarotzerraubmöwen beeindrucken das andere Geschlecht durch ein dunkles Gefieder und steigern dadurch ihre Chancen, sich fortzupflanzen. Kontrolliert wird die Farbe des Federkleids durch den Stoff Melanin, dessen Produktion letztlich von dem jetzt entdeckten Gen Mc1r abhängt.

Der genetische Zusammenhang kommt überraschend. Die alte These, nach der anstelle genetischer Mutationen äußere Selektionsprozesse (wie perfekte Tarnung oder die Anpassung an vorherrschende Temperaturen) die Farbenwahl bestimmen, kommt ins Wanken.

Und auch die zweite bislang gehandelte Theorie bekommt Probleme. Demnach existiert nur eine begrenzte Anzahl von Möglichkeiten, im Vogelreich sexy auszusehen. Durch immer wiederkehrende Mutationen kommt schließlich, so die Hypothese, eine übereinstimmende Federpracht zustande. Allerdings müsste sie sich dann auch schnell wieder ändern können - spätestens bei der nächsten genetischen Mutation.

Dass das bei den untersuchten Schneegänsen und Möwen nicht der Fall ist, konnten Mundy und Kollegen ebenfalls zeigen. Die Ähnlichkeit bei beiden Arten ist bereits mehrere 100.000 im Genom verankert und damit äußerst stabil. Feldstudien sollen nun helfen, die Rollen von Selektion und Mutation zu begreifen - und dadurch die Kleiderwahl der Vögel besser zu verstehen.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.