Panzerfisch Urzeitmonster zerbiss Haie in zwei Teile

Mit seinem Gebiss machte ein vor 300 Millionen Jahren ausgestorbener Panzerfisch dem Tyrannosaurus Rex ernsthaft Konkurrenz. Das zehn Meter lange Tier biss mit einer derartigen Kraft zu, dass es einen Hai blitzschnell in zwei Stücke zerteilen konnte.


Er war ein gefürchteter Jäger der Meere, sein gewaltiger Biss lässt Wissenschaftler bis heute erschaudern. Vor rund 400 Millionen Jahren machte der Panzerfisch "Dunkleosteus terrelli" mit einer Länge von zehn Metern und einer Masse von bis zu vier Tonnen den Urzeit-Ozean unsicher. Forscher um Philip Anderson von der Northpark University Chicago haben jetzt herausgefunden, dass der Panzerfisch aufgrund seiner enormen Beißkraft zu den Stärksten im damaligen Tierreich gehörte.

Monster des Urzeit-Ozeans: Mit seinem starken Kiefer biss der Panzerfisch einen Hai in der Mitte durch
DPA

Monster des Urzeit-Ozeans: Mit seinem starken Kiefer biss der Panzerfisch einen Hai in der Mitte durch

Der Kiefer des Dunkleosteus terrelli habe den kräftigsten Biss, den Forscher je bei einem Fisch untersucht hätten, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Biology Letters". Laut Anderson übertraf die Beißkraft des Panzerfisches die nahezu jedes anderen Lebewesens in der Urzeit. Großen Alligatoren und sogar dem Tyrannosaurus Rex stand der Raubfisch in nichts nach. Seine messerscharfen Zähne bissen mit einer Kraft von 4400 Newton an der Kieferspitze und mehr als 5300 Newton im hinteren Kieferbereich zu. 5300 Newton entsprechen in etwa der Gewichtskraft eines 530 Kilogramm schweren Körpers auf der Erde.

Nach seiner Beute schnappte der Panzerfisch in weniger als einer Sekunde: Urzeitliche Haie beispielsweise konnte er mit einem Biss zerteilen. Die Schnelligkeit verblüffte die Forscher: Normalerweise hätten Fische entweder ein schnelles oder ein kräftiges Gebiss, nicht aber beides zugleich, schreibt Anderson. Seine schnelle Bisstechnik verdankt der Raubfisch einem Sog, dem sich seine Opfer nicht entwinden konnten. Er entstand, wenn er sein Maul aufriss. Das Öffnen das Mauls dauerte lediglich eine fünfzigstel Sekunde.

Furchterregender Jäger im Ozean

Wie das Wesen aus der Urzeit mit seinem Kiefer umging, rekonstruierten die Forscher anhand eines Modells am Computer. Wie Gelenke und Muskeln die Panzerplatten des Schädels zusammenarbeiten ließen, sei ein "einzigartiger Mechanismus", schreibt Anderson. Das habe den Panzerfisch zu einem der furchterregendsten Jäger im Ozean gemacht.

"Dunkleosteus konnte alles vertilgen, was er in seiner Umwelt fand", schreibt der Wissenschaftler. Ihm zufolge fraß das Tier auch andere Lebewesen mit Panzern, etwa damalige Gliederfüßer, zudem Ammoniten und Urzeit-Haie. Der Dunkleosteus terrelli zählt zu ältesten Fischen, die einen Kiefer trugen.

Vergleichbare Beißfähigkeiten mit Hilfe von sich selbst schärfenden Knochenplatten haben Haie erst 100 Millionen Jahre später entwickelt. Haie gehören zu den Knorpelfischen, die wiederum die vor 300 Millionen Jahren ausgestorbenen Panzerfische ablösten. Die Erkenntnisse über die Mechanik des Panzerfisch-Kiefers könnten den Forschern zufolge dazu beitragen, Abläufe im Gebiss des Menschen besser zu verstehen.

tos/dpa/ddp



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