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03. Dezember 2015, 15:34 Uhr

Steigende CO2-Werte

Warum die Klimakonferenz keine Trendwende bringen wird

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Jahr für Jahr produziert die Menschheit mehr CO2. Doch in einem neuen Weltklimavertrag wird es wieder keine verbindlichen Emissionsziele geben. Experten hoffen nun ausgerechnet auf den Umweltsünder China.

Alle Jahre wieder trifft man sich - und es gibt Themen, die regelmäßig für Streit sorgen. So ist das bei Familientreffen - und auf Klimakonferenzen. Damit das Ganze nicht in einem Desaster endet, sollte man heikle Themen am besten meiden. Genau für diese Taktik haben sich auch die Klimadiplomaten vor dem Gipfel in Paris entschieden.

Statt ein weiteres Mal vergeblich über verbindliche CO2-Ziele zu verhandeln, haben sie das Thema Treibhausgasausstoß ausgeklammert. Jedes Land konnte vor dem Gipfel zwar eigene Emissionsziele für die Jahre 2020 bis 2030 festlegen, sie heißen INDCs, Intended Nationally Determined Contributions oder "beabsichtigte national festgelegte Beiträge".

Fast alle Staaten haben INDCs festgelegt. Verhandelt wurde über diese CO2-Ziele allerdings nicht. Die freiwilligen Selbstverpflichtungen sollen dem in Paris abzuschließenden Klimavertrag als Anhang hinzugefügt werden. Sanktionsmechanismen bei Nichteinhaltung sind keine vorgesehen.

Wissenschaftler vom Australian-German Climate and Energy College haben aus den vorab eingereichten INDCs berechnet, wie sich der CO2-Ausstoß der Menschheit bis 2030 entwickelt, sofern er den Selbstverpflichtungen folgt. Eine Kalkulation mit diversen Unwägbarkeiten. Indien beispielsweise hat nur relative Angaben dazu gemacht, wie sich der Treibhausgasausstoß im Verhältnis zur industriellen Produktion ändert.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Legt man die konservativen, also nicht ambitionierten CO2-Ziele der Länder zugrunde, werden die Emissionen weltweit weiter steigen, wie das folgende Diagramm zeigt:

Selbst die ambitionierteren Zielvorgaben der Staaten gehen mit einem weiteren Anstieg der CO2-Freisetzung bis 2030 einher. Knapp drei Grad Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts könnten die Folge sein. Den INDCs zufolge steigt der CO2-Ausstoß vieler Länder und Regionen in den kommenden 15 Jahren deutlich an - zu den wenigen Ausnahmen gehören die EU und die USA.

Auch wenn Treibhausgase als Hauptursache des Klimawandels gelten, drehen sich die Verhandlungen in Paris um ganz andere Themen: einen 100 Milliarden schweren Klimaschutzfonds, Entwicklungshilfe, Technologieaustausch und Ausgleichszahlungen. Das heikle Thema CO2 wird umschifft, so die gängige Erklärung, weil es einen einstimmig beschlossenen Vertrag wohl verhindern würde - so wie beim grandios gescheiterten Gipfel von Kopenhagen im Jahr 2009.

Umweltorganisationen und Klimaschutzinitiativen sehen die Taktik der Klimadiplomaten mit einer gewissen Skepsis: "Wir als Nichtregierungsorganisation wollten keine freiwilligen Selbstverpflichtungen", sagt Jan Burck von Germanwatch. Solche Ziele seien nicht verbindlich. "Aber sie sind der derzeit einzige gangbare Weg", räumt er ein.

Stapelt China tief?

Doch trotz der weiterhin nach oben zeigenden Emissionskurve gibt es die Hoffnung, dass es womöglich doch nicht so schlimm kommt. "Der künftige Anstieg geht vor allem auf die Entwicklungs- und Schwellenländer zurück", sagt Brigitte Knopf, Generalsekretärin am Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) in Berlin.

Dahinter stünde das begreifliche Nachholen der wirtschaftlichen Entwicklung. Doch ein CO2-Anstieg sei nicht zwingend, Klimaschutz und Entwicklung ließen sich durchaus miteinander verbinden. Die Technologien dafür sind da.

Die Emissionen könnten auch aus einem anderen Grund geringer ausfallen als prognostiziert - vor allem beim Land mit dem höchsten CO2-Ausstoß der Welt: "China hat Ziele versprochen, die das Land mit Sicherheit erreichen kann", sagt Jan Burck von Germanwatch.

Das Land dürfte bei seinen INDCs quasi auf Nummer sicher gegangen sein, Burck rechnet real mit deutlich niedrigeren Zahlen. "Treibende Kraft sind dabei auch die starke Umweltverschmutzung und die Angst der Mittelschicht um die Gesundheit ihrer Kinder."

Ähnlich sieht es die Berliner Physikerin Brigitte Knopf: "Manche Experten glauben, dass Chinas Emissionen schon 2025 ihren Höhepunkt erreichen. Das Land hat offenbar seine CO2-Ziele recht großzügig gefasst." Allerdings war erst kürzlich publik geworden, dass China in der Vergangenheit offenbar zu niedrige Emissionszahlen gemeldet hat.

Wenn 1,5 Milliarden Inder fliegen wollen

Indien gilt im Vergleich dazu als noch schwierigerer Fall. Der Nachholbedarf ist groß: 400 Millionen Menschen leben ohne Stromanschluss, die Regierung setzt massiv auf klimaschädliche Kohle. "Die Hoffnung ist, dass Solar- und Windenergie bald so günstig sind, dass sich die Kohle nicht mehr rechnet", sagt Burck.

Die große Bedeutung Indiens hat auch mit seiner weiter wachsenden Einwohnerzahl zu tun. Es wird China schon bald als bevölkerungsreichstes Land der Welt ablösen. Sollte jeder Einzelne von 1,5 Milliarden Indern binnen weniger Jahre seinen CO2-Ausstoß um eine Tonne erhöhen, können das die übrigen Länder der Welt kaum kompensieren. Wenn etwa alle Deutschen ihren Fußabdruck von aktuell zehn auf null Tonnen senken würden (was derzeit vollkommen unrealistisch ist), wäre nur die Hälfte des indischen Zuwachses gestoppt. Eine Tonne CO2 ist schnell freigesetzt - sie entspricht einem Flug von Hamburg nach Mallorca und zurück.

Damit die Emissionskurve der Menschheit nicht weiter ungebremst steigt, schlagen die Forscher vom Mercator Research Institute Berlin die Einführung einer CO2-Steuer vor. "Man könnte mit einem niedrigen Preis anfangen und mit den Einnahmen daraus ließe sich in vielen Ländern der universelle Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen finanzieren, was vor allem den Armen zugutekommt", erklärt Brigitte Knopf. Wichtig sei, dass CO2 einen Preis bekomme. Der Emissionshandel in Europa funktioniere nicht richtig, weshalb Kohle zu billig sei.

Doch auch um eine CO2-Steuer wird in Paris nur am Rande diskutiert. Global durchsetzbar erscheint sie ebenso wenig wie verbindliche CO2-Reduktionsziele.

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