Uno-Bericht Selbst wenn die Staaten ihre Klimapläne einhalten, verfehlt die Welt das Zwei-Grad-Ziel

Die bisherigen Pläne der Mitgliedstaaten des Pariser Klimaabkommens reichen bei Weitem nicht aus, um die Ziele der Vereinbarung bis 2030 einzuhalten. Das Uno-Klimasekretariat verlangt Nachbesserungen.
Klimaaktivist vor dem Brandenburger Tor in Berlin

Klimaaktivist vor dem Brandenburger Tor in Berlin

Foto: Omer Messinger / Getty Images

2015 haben sich 196 Parteien im Pariser Klimaabkommen darauf geeinigt, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 bis zwei Grad im Vergleich zu der Zeit vor der Industrialisierung zu begrenzen. Dafür müssen massiv Treibhausgase eingespart werden. Doch die nationalen und internationalen Pläne zur Umsetzung lassen teils stark zu wünschen übrig, zeigt eine aktuelle Auswertung des Uno-Klimasekretariats .

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Es hat 48 aktualisierte Klimapläne bewertet, die bis Ende 2020 von Vertragsstaaten des Abkommens eingereicht wurden. Auch das Vorhaben der Europäischen Union, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 zu senken, war darunter. Insgesamt deckt die Analyse Pläne aus 75 Staaten ab, die für 30 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind.

Die Umsetzung dieser Ankündigungen würde die globalen Emissionen laut der Auswertung bis 2030 allerdings nur um ein Prozent gegenüber dem Jahr 2010 reduzieren. Zur Einordnung: Der Weltklimarat (IPCC) hat berechnet, dass für das 1,5-Grad-Ziel eine Reduktion der Emissionen um 45 Prozent nötig wäre, für das Zwei-Grad-Ziel müssten diese um 25 Prozent sinken. Noch haben allerdings nicht alle Staaten neue Pläne eingereicht.

»Dieser Bericht zeigt, dass das derzeitige Niveau der Klimabestrebungen weit von den Zielen des Pariser Klimaabkommens entfernt ist«, sagte Patricia Espinosa, Leiterin des Uno-Klimasekretariats. Sie forderte die Mitgliedstaaten zu ambitionierteren Vorhaben auf. Es brauche konkrete Pläne zur Abkehr von fossilen Brennstoffen. »Im Moment ist es, als würden wir mit verbundenen Augen in ein Minenfeld laufen.«

Umweltsünder Brasilien

Laut Climate Action Tracker haben Japan, Südkorea, Russland, Neuseeland, die Schweiz und Australien ihre Vorhaben von 2015 faktisch überhaupt nicht nachgebessert. Brasiliens Plan enthält erst gar keine Ziele zur Reduktion der Emissionen bis 2030 oder zur Eindämmung zunehmender Entwaldung.

Die Unterzeichner des Pariser Klimaabkommens müssen alle fünf Jahre neue Klimaziele vorlegen, um die Lücke zum 1,5- oder Zwei-Grad-Ziel zu schließen. Immerhin haben die EU, Großbritannien, Argentinien, Chile, Norwegen, Kenia und die Ukraine ihre Ziele nachgebessert.

Andere Staaten haben wiederum noch gar nichts eingereicht, obwohl die Frist dafür eigentlich bereits Ende vergangenen Jahres ausgelaufen ist. Die USA sind erst vergangenen Freitag nach dem zwischenzeitlichen Austritt unter Ex-Präsident Donald Trump wieder Teil des Abkommens. Von China werden bis zum nächsten Klimagipfel am 22. April noch neue Ankündigungen erwartet.

China und die USA verursachen gemeinsam etwa 45 Prozent des globalen Treibhausgasausstoßes. Rund ein Viertel der weltweiten Emissionen entstehen allein in China. 2020 hatte der Staat angekündigt, bis 2060 klimaneutral werden zu wollen. Konkrete Zusagen bis 2030 sind aber noch offen.

Anmerkung der Redaktion: Die Angabe zum Treibhausgasausstoß der USA und Chinas wurde korrigiert.

jme