Pazifik Forscher entdecken riesigen Wasserhügel

Nur sechs Zentimeter hoch - und doch eine Besonderheit: Im Südpazifik war das Meer auf einer Fläche so groß wie Australien monatelang deutlich angeschwollen. Wissenschaftler staunen über den Rekord. Jetzt haben sie die Ursache des Hügels gefunden.
Der Pazifik im Blick: Schwerkraftdaten des Satelliten "Grace"

Der Pazifik im Blick: Schwerkraftdaten des Satelliten "Grace"

Foto: NASA/ JPL

Das Wetter sorgt im Meer für Turbulenzen: Es peitscht Wellen auf, schiebt Strömungen an oder lässt Wasser verdunsten. Die Witterung kann aber auch den Meeresspiegel heben - und das sogar ziemlich stark, wie Wissenschaftler jetzt herausgefunden haben. Im Südpazifik hat ein Hochdruckgebiet den Pegel des Ozeans über einer Fläche so groß wie Australien um sechs Zentimeter anschwellen lassen, berichten Carmen Böning und ihre Kollegen vom California Institute of Technology (Caltech) im Fachmagazin "Geophysical Research Letters". 

Von einem "Rekord", einem "außergewöhnlichen Maximum" sprechen die Forscher. Normalerweise wurden witterungsbedingte Meeresspiegelschwankungen von höchstens ein bis zwei Zentimetern festgestellt. "Die beobachtete Änderung ist fünfmal so hoch wie normal", sagt Carmen Böning zu SPIEGEL ONLINE.

Die Messungen stammen von den beiden "Grace"-Satelliten, die die Erde in rund 300 Kilometern Höhe umkreisen. Sie messen die Erdanziehung: Orte mit höherer Schwerkraft beschleunigen die Sonden. Den "Grace"-Satelliten und ihrem Nachfolger "Goce" verdanken Forscher genaue Karten der Erdanziehungskraft. Die Atlanten zeigen, wo Bodenschätze, Grundwasser oder Magmaströme liegen, und sie erklären, warum wir an manchen Orten auf der Erdoberfläche weniger wiegen als anderswo.

Strömung gegen den Uhrzeigersinn

Jetzt hat "Grace" die Wissenschaftler wieder überrascht. Von Oktober 2009 bis Januar 2010 wurden die Satelliten über dem Südpazifik ungewöhnlich stark abgelenkt - binnen weniger Tage schossen die Messkurven nach oben.

Auf der Suche nach der Ursache schauten die Forscher auf die Wetterkarte - und wurden fündig: Ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet hatte sich über die Region gelegt, es sorgte für veränderte Luftströmungen. Für lange Zeit wehte der Wind gegen den Uhrzeigersinn um das Hochdruckgebiet. "Er war ungewöhnlich stark, und er hielt ungewöhnlich lange an", sagt Caltech-Forscherin Böning.

Der Wind trieb das Wasser vor sich her: Meeresströmungen flossen in die gleiche Richtung um das Hochdruckgebiet herum. In der Folge staute sich im Inneren dieses Kreises das Wasser - das Meer schwoll um sechs Zentimeter an.

Wirkung bis in die Antarktis

Die ungewöhnliche Entdeckung stehe wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Wetterphänomen El Niño, meint Böning. El Niño sorgt alle paar Jahre für massive Witterungsänderungen im Pazifikraum.

Solche Hügel im Meer könnten ihrerseits das Wetter verändern, meinen die Forscher, denn sie lenkten Meeresströmungen ab. Das Anschwellen des Südpazifiks etwa wirke sich auf die Antarktis aus, sagt Böning: Es gelange womöglich mehr warmes Wasser nach Süden, das die Ränder des antarktischen Eispanzers tauen lasse. Insofern sei es für die Klimaforschung wichtig, herauszufinden, ob der Südpazifik künftig häufiger anschwellen werde.

Auswirkungen hatte der Hügel auch auf den Meeresboden: Dort, schreiben die Wissenschaftler, sei der Wasserdruck "rekordmäßig angestiegen".