Penis-Forschung Die weiche Spitze macht den Unterschied

Manche Insekten haben einen Penis, der länger ist als ihr eigener Körper. Sex ist dann eine logistische Herausforderung, wie Biologen beobachtet haben.
Kopulierende Distelschildkäfer

Kopulierende Distelschildkäfer

Foto: Yoko Matsumura/ EurekAlert

Genau die richtige Penislänge zu haben, das ist für einige Käferarten entscheidend. Im Laufe der Evolution ist der Kanal bei den Weibchen, in den die Männchen ihren Penis einführen müssen, nämlich immer länger geworden. Und nur die Männchen mit einem besonders langen Geschlechtsorgan schaffen es dann, Nachwuchs zu zeugen.

Welch hohe Ansprüche dabei an den Penis gestellt werden, haben Biologen der Universität Kiel untersucht. Mitunter sei das Organ sogar länger als der Körper von Käfern, berichten Yoko Matsumura und ihre Kollegen auf dem Jahrestreffen der Society for Experimental Biology  in Brighton. Der Penis müsse dann an der Spitze besonders weich sein, damit der Akt gelinge.

Die Kieler Wissenschaftler hatten Distelschildkäfer (Cassida rubiginosa) untersucht. "Der weibliche Kanal kann sehr lang sein", erklärt Matsumura. Daher sei ein langer Penis wichtig, um die Eier befruchten zu können.

Flexible Spitze

Erschwerend hinzu kommt aus Sicht der Männchen die spiralförmige Form des Kanals, in den der Penis möglichst tief und schnell eindringen muss. Das gelingt nur mithilfe spezieller Muskeln rund um den Penis.

Die Untersuchungen der Forscher haben ergeben, dass der Penis im hinteren Teil relativ steif ist, aber in Richtung Spitze immer weicher wird. "Der lange Kanal der Weibchen verlangsamt das Eindringen", sagt Matsumura. Die unter Zeitdruck stehenden Männchen hätten daher offenbar im Laufe der Evolution einen Weg gefunden, die Befruchtung möglichst schnell zu vollziehen - dank einer flexiblen Spitze.

Computersimulationen hätten gezeigt, dass die bei Distelschildkäfer beobachtete Struktur, hinten eher steif und an der Spitze weicher, dafür die beste sei. Über ihre Untersuchungen hatten die Kieler Forscher zuvor auch im Fachblatt "Scientific Reports"  berichtet.

Das Forscherteam hält es durchaus für denkbar, dass die spezielle Materialstruktur eines Tages sogar medizinische Anwendung findet. Etwa, wenn man besonders schonende Katheter entwickeln wolle oder wenn es darum gehe, ein dünnes Röhrchen in einen Kanal einzuführen.

hda
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