Namen für chemische Elemente Motörhead-Fans müssen jetzt tapfer sein

Nihonium, Moscovium, Tennessine, Oganesson - von diesen Elementen haben Sie noch nie gehört? Das liegt daran, dass diese Namen bisher nur Vorschläge sind. Für Lemmium sieht es allerdings schlecht aus.

Periodensystem: Hier haben die vier Elemente noch vorläufige Namen
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Periodensystem: Hier haben die vier Elemente noch vorläufige Namen


Das Periodensystem der Elemente wächst um vier Einträge - das ist seit Anfang dieses Jahres klar. Konkret geht es um die Elemente mit den Ordnungszahlen 113, 115, 117 und 118, die in Japan, den USA und Russland entdeckt worden waren. Doch wie sollen die neuen Elemente heißen, die zwischenzeitlich die vorläufigen Namen Ununtrium, Ununpentium, Ununseptium und Ununoctium hatten? Dazu haben die Forscher Vorschläge gemacht, die jetzt von der Internationalen Union für reine und angewandte Chemie (IUPAC) veröffentlicht wurden.

Die Liste bringt, das vielleicht schon mal vorab, eine herbe Enttäuschung für Heavy-Metal-Fans. Das Element mit der Ordnungszahl 113 - das bedeutet, dass es eben 113 Protonen in seinem Atomkern gibt - soll demnach Nihonium (Nh) heißen. Es ist das erste Element, das in Asien getauft wird, da es am Riken-Institut in Japan entdeckt wurde. Nihon ist eine Art, den Namen Japans in Landessprache auszusprechen. Es bedeutet so viel wie: das Land der aufgehenden Sonne.

Für das Element mit der Ordnungszahl 115 haben seine Entdecker den Namen Moscovium (Mc) vorgeschlagen. Element 117 soll Tennessine (Ts) heißen. Beide Namen erinnern ebenfalls an die Orte ihrer Entdeckung. Daran haben Forscher aus Russland und den USA gearbeitet - in der Region um Moskau und im Bundesstaat Tennessee. Daher sollen beide Gebiete jetzt im Periodensystem geehrt werden. Ein Teil der US-Forscher saß zwar auch in Kalifornien - doch der Bundesstaat hat mit Californium (Ordnungszahl 98) bereits sein eigenes Element.

Kommentare werden bis November akzeptiert

Element 118 soll Oganesson (Og) heißen - und würde damit an den russischen Forscher Jurij Oganessian erinnern, der seit Jahrzehnten führend an der Entdeckung schwerer Elemente beteiligt war.

Nach der offiziellen Bekanntgabe der Entdeckung der vier Elemente hatten sich Heavy-Metal-Fans bemüht, dass eines von ihnen nach dem verstorbenen Sänger der Band Motörhead benannt wird. Begründung: "Lemmy war eine Naturgewalt und verkörperte das Wesen des Heavy Metal." Das hat nun zunächst nicht geklappt - allerdings akzeptiert die IUPAC bis zum 8. November Kommentare zu den aktuellen Vorschlägen.

Periodensystem mit den Namensvorschlägen (grün)
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Periodensystem mit den Namensvorschlägen (grün)

Mit den nun zu benennenden Elementen wird die siebte Periode des Periodensystems vervollständigt. Sie sind vor allem von wissenschaftlichem Interesse. In der Natur kommen sie nicht vor, da sie in kürzester Zeit wieder zerfallen.

Derzeit suchen Forscher nach den noch schwereren Elementen der achten Periode. Nachgewiesen ist aber noch keines von ihnen. Auch sie dürften schnell wieder zerfallen, wobei Wissenschaftler für zwei Elemente, 120 und 126, auf längere Zeitspannen hoffen. Hier könnten besondere Anordnungen der Protonen und Neutronen für mehr Stabilität sorgen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war der Grund für die relative Stabilität der Elemente 120 und 126 falsch erklärt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

chs



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
angst+money 09.06.2016
1.
Nanu, noch kein "Motörhead sind kein Heavy Metal"-Beitrag? Wie dem auch sei - schade ums Lemmium, aber mein Vorschlag Angstimoneyum wurde auch nicht genommen...
betonklotz 09.06.2016
2. Wertes Spon-Team, da liegt ein Fehler vor
Zitat :"...Derzeit suchen Forscher nach den noch schwereren Elementen der achten Periode. Nachgewiesen ist aber noch keines von ihnen. Auch sie dürften schnell wieder zerfallen, wobei Wissenschaftler für zwei Elemente, 120 und 126, auf längere Zeitspannen hoffen. Hier könnte eine besondere Anordnung der Elektronen für mehr Stabilität sorgen." Die Stabilität von Atomkernen hängt nicht von der Anordnung irgendwelcher Elektronen ab, da in Atomkernen keine Elektronen enthalten sind. Sie meinen wohl eher die Protonenzahl, welche für eine erhöhte Stabilität sorgt (sog. magische oder halbmagische Zahlen). Die Elektronenzahl ist entscheidend für die Eigenschaften der Elektronenhülle, nicht des Kerns.
christoph.seidler 09.06.2016
3.
Zitat von betonklotzZitat :"...Derzeit suchen Forscher nach den noch schwereren Elementen der achten Periode. Nachgewiesen ist aber noch keines von ihnen. Auch sie dürften schnell wieder zerfallen, wobei Wissenschaftler für zwei Elemente, 120 und 126, auf längere Zeitspannen hoffen. Hier könnte eine besondere Anordnung der Elektronen für mehr Stabilität sorgen." Die Stabilität von Atomkernen hängt nicht von der Anordnung irgendwelcher Elektronen ab, da in Atomkernen keine Elektronen enthalten sind. Sie meinen wohl eher die Protonenzahl, welche für eine erhöhte Stabilität sorgt (sog. magische oder halbmagische Zahlen). Die Elektronenzahl ist entscheidend für die Eigenschaften der Elektronenhülle, nicht des Kerns.
Stimmt. Wir haben korrigiert und entschuldigen uns für den Fehler.
querulant_99 09.06.2016
4.
Wenn die IUPAC-Funktionäre etwas geschäftstüchtiger wären, gäbe es schon längst die Elemente: Allianzium, Daimlerium, Siemensium, DeutscheBankium...
moomendema 09.06.2016
5. Terry Pratchett Fans weinen auch!
Oktarin wurde vorgeschlagen aber leider auch verworfen, trotz über 60.000 Petitionsunterzeichnern.
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