Klimastudie Europas Permafrost taut unweigerlich auf

Ist der nächste Kipppunkt fürs Weltklima schon überschritten? Laut einer neuen Studie lässt sich das Tauen der methanhaltigen Permafrostböden in Nordeuropa selbst im besten Fall nicht mehr verhindern.
Noch stabil kalt: Blick auf den Gipfel Kebnekaise im schwedischen Teil Lapplands

Noch stabil kalt: Blick auf den Gipfel Kebnekaise im schwedischen Teil Lapplands

Foto: Jonathan Nackstrand / AFP

Das Wort vermittelt Beständigkeit. Permafrost heißt Permafrost, weil der Boden permanent gefroren bleibt, also auch im warmen Sommer nicht taut. Doch in Europas Polarregionen ist der Frost offenbar nicht von Dauer.

Klimakrise

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Spätestens bis 2040 werde es keine durchgehend gefrorenen Böden unter den ausgedehnten Mooren Skandinaviens und Finnlands mehr geben, besagt eine neue Studie, die ein Team um Richard Fewster von der University of Leeds in der Fachzeitschrift »Nature Climate Change«  veröffentlicht hat. Spektrum.de berichtete  zuerst darüber.

Die Forschenden ermittelten, unter welchen Bedingungen sich der Permafrost hält. Die Landschaften im Polargebiet gelten als einer der großen Kohlenstoffspeicher der Erde, allein die Moore der untersuchten Region enthalten laut der Studie 185 Gigatonnen Kohlenstoff. Weil die im kurzen Sommer wachsenden Pflanzen über dem in der Tiefe gefrorenen Boden schwer verrotten können, entweicht das darin gebundene CO2 kaum in die Atmosphäre. Gerät das Tauwetter künftig aber in die tieferen Schichten, könnten große Mengen CO2 und über das Einsickern von Wasser vor allem das noch klimaschädlichere Methan entweichen – womöglich in kurzer Zeit.

Hotspot der Klimakrise

Bereits bekannt ist, dass Europas Permafrostregion ein Hotspot der Klimakrise ist: Die durchschnittlichen Temperaturen dort steigen rund dreimal so schnell wie auf der Erde insgesamt. Für die Studie wurden nun verschiedene Szenarien aus Klimamodellen auf die besonderen Bedingungen der polaren Moore übertragen. In den gängigen Modellen seien die speziellen Prozesse der polaren Moore noch nicht ausreichend berücksichtigt, schreiben die Autoren.

Ergebnis: Selbst im optimistischen Szenario, in dem die Erderwärmung durch drastisch sinkenden CO2-Ausstoß auf unter zwei Grad Celsius begrenzt wird, lassen sich die Permafrostböden in Westeuropa bis 2040 nicht mehr halten. Der Norden Skandinaviens und Finnlands sei »kurz vor – oder schon hinter – einem Klimakipppunkt«. In ganz Europa und dem angrenzenden Westsibirien schrumpfe die für Dauerfrost geeignete Fläche dann um fast 60 Prozent. Wenn die Temperaturen noch stärker steigen, dann blieben nur noch Restgebiete im Norden Westsibiriens. Doch dort sei dann ab 2090 ebenfalls Schluss.

Gegen das unweigerliche Auftauen wirke noch, dass der gefrorene Boden sich zu einem gewissen Grad selbst kühle, heißt es in der Studie. Auch müsse gegengerechnet werden, dass das wärmere Klima auch zu mehr Pflanzenwachstum führen dürfte – und damit zu mehr Aufnahme von CO2 aus der Luft. Wie genau die verschiedenen Effekte sich auswirken, sei noch nicht sicher berechnet. Dennoch drohe der großflächige Verlust eines wichtigen Klimaraums.

ak