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Fossil-Fund in Peru: Ein Wal wie ein Otter

Foto: A. Gennari

Skelettfund in Peru Forscher entdecken vierbeinigen Wal mit Hufen

Er sieht aus wie ein riesiger Otter: Wissenschaftler haben an der Küste Perus die Knochen eines Wals gefunden, der schwimmen und laufen konnte. Was verrät das Skelett über die Entwicklung der Tiere?

Mario Urbina war sich sicher: Hier könnte etwas zu finden sein. Vor knapp zehn Jahren entdeckte der Paläontologe ein Wüstengebiet an der Küste Perus, das mit seinen Meeressedimenten für den Fund von Fossilien vielversprechend schien. Doch mit dem, was er und seine europäischen Kollegen später ausgruben, hatte niemand gerechnet: Sie legten die Knochen eines vierbeinigen Wals frei, der offenbar nicht nur schwimmen, sondern auch laufen konnte. Das internationale Forscherteam berichtet in der Fachzeitschrift "Current Biology"  über den ungewöhnlichen Fund.

"Es handelt sich um den ersten unstrittigen Nachweis eines vierbeinigen Walskeletts im gesamten Raum des Pazifischen Ozeans", sagt Olivier Lambert vom Königlichen Belgischen Institut für Naturwissenschaften. Die Knochen seien in marinen Sedimenten gefunden worden, deren Alter mithilfe von Mikrofossilien auf 42,6 Millionen Jahre datiert werden könne. Das Skelett lasse deshalb Rückschlüsse auf die historische Entwicklung und Ausbreitung der Wale zu.

Vieles an dem rekonstruierten Tier erinnert an einen riesigen Otter. Die Form seiner Hüfte und Gliedmaßen deutet darauf hin, dass der bis zu vier Meter lange Wal in der Lage war, an Land zu laufen. Gleichzeitig muss das Tier aber auch ein guter Schwimmer gewesen sein. An seinen Füßen erkannten die Wissenschaftler lange Knochen-Fortsätze, zwischen denen vermutlich Gewebe gespannt war.

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Fossil-Fund in Peru: Ein Wal wie ein Otter

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Mit dem Fund sehen die Forscher eine gängige These zur Evolution der Wale bestätigt. Demnach stammen die Tiere von einem kleinen, vierbeinigen Paarhufer ab. Auch bei dem peruanischen Skelett wurden an Fingern und Zehen die Reste von Hufen entdeckt. Für die Urväter von Blau- und Pottwal dürfte es also ganz normal gewesen sein, sich auch an Land zu bewegen.

Bislang geht die Forschung davon aus, dass die Geschichte der Wale vor über 50 Millionen Jahren im südlichen Asien begann. Dass nun ein vierbeiniges und behuftes Tier in Südamerika gefunden wurde, ist für die Wissenschaftler ein klares Zeichen dafür, dass sich die Wale schon früh ausbreiten konnten. Lambert, Urbina und ihre Kollegen vermuten, dass die Tiere Amerika über den südlichen Atlantik erreichten. Demnach könnten die Wale westwärts gerichtete Oberflächenströmungen genutzt haben, um den Ozean zu durchqueren. Außerdem lagen die Kontinente Afrika und Südamerika im Mittleren Eozän nur halb so weit auseinander wie heute.

Das internationale Forscherteam will seine Arbeit in Peru fortsetzen. Die Experten hoffen darauf, noch ältere Skelette zu entdecken, um die Entwicklung der vierbeinigen Wale zu rekonstruieren. Und wer weiß, vielleicht beweist Mario Urbina erneut den richtigen Riecher.

jki