Pestizide Schadstoff im Körper, Orientierung weg

Immer wieder wird die schädliche Wirkung von Pestiziden auf Honigbienen diskutiert. Eine Studie zeigt nun: Schon in geringen Mengen bringen einige der Schadsubstanzen das Nervensystem von Wildbienen und Hummeln durcheinander und rauben den Tieren die Orientierung.
Biene: Auf der Suche nach Blütenstaub

Biene: Auf der Suche nach Blütenstaub

Foto: Martin Gerten/ dpa

Pflanzenschutzmittel verschlechtern Forschern zufolge die Orientierungsfähigkeit von Honigbienen und anderen bestäubenden Insekten. Schon kleine Mengen von Pestiziden wirkten sich auf das Nervensystem auch von Wildbienen und Hummeln aus, fand ein Team um den Neurobiologen Randolf Menzel von der FU Berlin heraus. Erst im Juli 2013 hatten Forscher nachgewiesen, dass ein Cocktail aus Pestiziden Bienen deutlich schwächt.

Bienen orientieren sich nach dem Sonnenkompass und entwickeln für ihre Flugrouten rund um den Bienenstock eine innere Landkarte. Im Experiment testeten die FU-Forscher die Wirkung der beiden nach ihren Angaben derzeit verbotenen Pestizide Imidacloprid und Clothianidin sowie des Pflanzenschutzmittels Thiacloprid: Sie trainierten eine Gruppe Bienen zunächst darauf, eine Futterstelle 400 Meter entfernt vom Bienenstock direkt anzufliegen. Danach summten die Tiere wieder zurück.

Anschließend fingen die Forscher die Bienen nach dem Futtern ein, und ließen sie an versetzter Stelle frei: Nach dem Scheitern des direkten Heimflugs und kurzem Suchen orientierten sich die Bienen an ihrer inneren Landkarte neu und fanden trotzdem zum Stock zurück, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Plos One".  

Als dritten Schritt bekamen die Bienen an der Futterstelle geringe Mengen Pestizide verabreicht: Jetzt fanden deutlich weniger Bienen den Weg zurück zum Stock - und diesen oft nur auf Umwegen.

"Der Befund unserer Untersuchung ist deshalb von allgemeiner Bedeutung, weil der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, den sogenannten Neonicotinoiden, die das Nervensystem der Insekten beeinträchtigen und sie dadurch töten, kontrovers und heftig diskutiert wird", betonte Menzel. Allerdings seien die Ergebnisse bislang an einzelnen Bienen gesammelt worden und die Effekte auf ganze Bienenvölker noch nicht untersucht.

jme/dpa
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