Verwendung von Industriechemikalien PFAS-Schadstoffe verunreinigen Regenwasser

Auch an den abgelegensten Orten der Welt haben Forscher die Chemikalie PFAS im Regenwasser nachgewiesen. Die wasserabweisende Substanz ist extrem langlebig – und findet sich vermehrt auch im menschlichen Organismus.
PFAS sind wasser- und fettabweisend – und werden deshalb etwa bei Verpackungen oder Regenkleidung verwendet

PFAS sind wasser- und fettabweisend – und werden deshalb etwa bei Verpackungen oder Regenkleidung verwendet

Foto: Linda Marie Caldwell / iStockphoto / Getty Images

Es ist wie so oft: Menschen erschaffen etwas, das am Ende der Natur schadet. So etwa PFAS, eine wasser- und fettabweisende Chemikalie. Forscher der Stockholm University und der ETH Zürich haben nun herausgefunden, dass der extrem langlebige Stoff so hoch konzentriert in der Atmosphäre vorkommt, dass er in Regenwasser oder Schnee zu finden ist – weltweit, selbst an abgelegenen Orten wie der Antarktis.

Unter PFAS versteht man Industriechemikalien, die nach Angabe des Umweltbundesamts  (UBA) etwa 4700 Substanzen umfassen. Wurde der Stoff einmal vom menschlichen Organismus aufgenommen, ist er dort noch lange zu finden. In einer großen europäischen Studie  wurden bei fast einem Viertel der 6- bis 19-Jährigen eine so große Menge PFAS im Blut gefunden, dass laut UBA »gesundheitliche Wirkungen nicht mehr mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden können« (mehr dazu lesen Sie hier ). Im Tierversuch besitzt der Stoff »lebertoxische, krebserregende und fortpflanzungsgefährdende Eigenschaften«, wie das UBA schreibt. Wegen ihrer Eigenschaften kommen PFAS etwa in Outdoor-Kleidung, beschichteten Pfannen oder Verpackungen zum Einsatz.

Im Grundwasser konnte das Vorkommen von PFAS bereits vor einigen Jahren nachgewiesen werden. Trotz des Verbots mehrerer Hundert Verbindungen werde die Belastung aufgrund der Langlebigkeit noch viele Jahre bestehen, heißt es beim UBA. Gleichzeitig seien viele der derzeit legal eingesetzten PFAS hinsichtlich ihrer möglichen Gefahren für Umwelt und Gesundheit noch nicht ausreichend charakterisiert.

Neue Richtwerte für Trinkwasser

Die Richtwerte für PFAS in Trinkwasser, Oberflächengewässern und Böden wurden aufgrund des besseren Verständnisses ihrer Toxizität und der Gefahren, die sie für die Gesundheit und die Natur darstellen, korrigiert. »In den letzten 20 Jahren ist ein erstaunlicher Rückgang der Richtwerte für PFAS im Trinkwasser zu verzeichnen«, wird der Hauptautor der Studie Ian Cousins in einer Mitteilung der Stockholm University  zitiert. »So ist beispielsweise der Trinkwasserrichtwert für eine bekannte Substanz aus der Klasse der PFAS, nämlich die krebserregende Perfluoroctansäure (PFOA), in den USA um das 37,5-Millionenfache gesunken«. Basierend auf den neuesten US-Richtlinien für PFOA im Trinkwasser würde Regenwasser überall als nicht trinkbar eingestuft werden.

Um die Verbreitung dieser Chemikalien zu untersuchen, hat das Team der Universität Stockholm in den letzten zehn Jahren Labor- und Feldstudien über das Vorkommen und den Transport von PFAS in der Atmosphäre durchgeführt. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Konzentration einiger schädlicher PFAS in der Atmosphäre nicht merklich zurückgehe – obwohl große Hersteller teils seit Jahrzehnten auf die Substanz verzichteten.

»Die extreme Persistenz und der kontinuierliche globale Kreislauf bestimmter PFAS wird dazu führen, dass die oben genannten Richtlinien weiterhin überschritten werden«, sagte Professor Martin Scheringer, ein Mitautor der Studie.

Kritik kommt etwa von Jane Muncke, Geschäftsführerin der Stiftung Food Packaging Forum in Zürich. »Es kann nicht sein, dass einige wenige wirtschaftlich profitieren, während sie das Trinkwasser von Millionen anderer Menschen verschmutzen und schwere gesundheitliche Probleme verursachen«, wird Muncke in der Mitteilung zitiert. Die enormen Summen, die es kosten werde, PFAS im Trinkwasser auf ein Niveau zu reduzieren, das nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand unbedenklich sei, müssten von der Industrie bezahlt werden, die diese giftigen Chemikalien herstellt und verwendet.

ani
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