Pflanze mit Riecher Parasit ortet Duft seines Opfers

Teufelszwirne lieben den Duft von Tomaten. Liegt deren Aroma in der Luft, wachsen Teufelszwirn-Sprösslinge zur Tomatenpflanze hin. Die flüchtigen Substanzen sind aber nicht nur verlockend - sie weisen auch direkt den Weg.


Pflanzen haben keine Nase - und doch können sie Düfte riechen. Die parasitische Pflanzenart Teufelszwirn kann sogar ihre Wirtspflanze erschnüffeln: Tomaten. Diese sondern flüchtige Substanzen ab, welche Teufelszwirne wahrnehmen können. Hat ein Teufelszwirn tatsächlich in seiner Umgebung die flüchtigen Stoffe erschnüffelt, wächst der wie ein dünner Wurm aussehende Parasit in Richtung der Tomatenpflanze. Wenn der krautige Schmarotzer der verlockend schnuppernden Pflanze nah genug kommt, wird diese umwickelt. Dann zapft der Teufelszwirn seinen Wirt an. Für Botaniker ist das nichts Neues - doch erst jetzt scheint geklärt worden zu sein, wie die Teufelszwirne ihren Hang zu den duften Pflanzen ausleben.

Ein Forscherteam um Justin Runyon von der Pennsylvania State University ist den Mechanismen der Duftsignale auf die Spur gekommen. Im Wissenschaftsmagazin "Science" berichten sie, dass die flüchtigen Substanzen der potenziellen Wirtspflanzen den wachsenden Teufelszwirnen als Wegweiser dienen.

Für die Experimente setzten die Forscher Keimlinge der Teufelszwirns-Art Cuscuta pentagona in die Nähe von Tomatenpflanzen. Sowohl bei Licht als auch bei Dunkelheit wuchsen die Keimlinge daraufhin in Richtung der Tomaten. Wurde den Parasitenpflanzen eine künstliche Tomatenpflanze, ein Topf feuchte Erde oder grün und rot gefärbtes Wasser vorgesetzt, konnten die Forscher kein Wachstum in eine bestimmte Richtung beobachten.

Wählerische Teufelszwirne: lieber Tomaten als Weizen

Anders in einem weiteren Experiment: Gummi, das mit mehreren flüchtigen Substanzen von den Tomaten behandelt wurde, zog die Teufelszwirnpflänzchen ebenfalls an. Die Stoffe, die von den Tomaten ausgehen, dienten also den Parasiten als Wegweiser, folgern die Wissenschaftler.

Ähnliche Substanzen fand Runyons Team auch in anderen Pflanzen, beispielsweise beim Fleißigen Lieschen, das eine ähnliche Wirkung auf den Nutznießer zeigte, oder bei Weizen, obwohl dieser keine typische Wirtspflanze des Teufelszwirns ist.

Teufelszwirne scheinen zudem wählerisch zu sein: Wenn der Parasit sich zwischen Weizen und Tomate entscheiden konnte - also beide in der Nähe waren und ihre duftenden Substanzen abgaben -, zog es ihn auf direktem Wege zur Tomatenpflanze.

Anti-Teufelszwirn-Gift tötet auch angezapfte Wirtspflanze

Beim Getreide fanden die Forscher jedoch nicht nur anziehende Substanzen, sondern auch einen Duftstoff, der abstoßend auf den Teufelszwirn wirkt. Die Komposition der Stoffe, die die potenziellen Wirtspflanzen ausscheiden, hilft dem Parasiten also bei der Entscheidung, ob es sich um einen guten Wirt handelt oder nicht. Die Wissenschaftler hoffen, mit solchen abweisenden Substanzen eine Möglichkeit zu finden, der Schmarotzerplage Herr zu werden. Immerhin sind Teufelszwirne jedweder Art Nutzpflanzenschädlinge und richten deswegen in der Landwirtschaft Schäden an. Und die Chemikalien, die man zur Tötung der Parasiten einsetzte, bringen eben auch die Wirtspflanzen um.

Das simpelste Todesurteil für den Teufelszwirn wäre jedoch, wenn er keine Lockstoffe von Tomaten und Co. erschnüffeln könnte. Der Sprössling des Teufelszwirns hat nämlich nicht viel Zeit, um sich einen Wirt zu suchen. Er hat keine Wurzeln, und der Samen versorgt ihn nur begrenzt mit Energie. So kann das Pflänzchen allein nicht länger als zehn Zentimeter werden. Hat es mit seinen kreisenden Wachstumsbewegungen bis dahin keinen Wirt ergreifen und anzapfen können, stirbt es.

fba/ddp



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